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Polen führt 500-Zloty-Schein ein

Mit adeligem Konterfei: Der frühere polnische König Jan III. Sobieski (1629–1696) ziert die neue Banknote.
Mit adeligem Konterfei: Der frühere polnische König Jan III. Sobieski (1629–1696) ziert die neue Banknote. © Foto: Nationalbank NBP
Dietrich Schröder / 08.02.2017, 20:10 Uhr
Warschau (MOZ) Hätte es noch eines Beweises dafür bedurft, dass Polen nicht die Absicht hat, sich an der Euro-Zone zu beteiligen, so wird er jetzt geliefert: Die Warschauer Nationalbank bringt ab Freitag eine 500-Zloty-Banknote in Umlauf. Bisher waren 200-Zloty-Scheine der höchste Nennwert.

Es beginnt bei Fürst Mieszko und endete bisher bei Sigismund dem Alten. Die Rede ist von einstigen polnischen Herrschern, deren Porträts die Geldscheine des Nachbarlandes zieren und dessen stolze Geschichte symbolisieren sollen.

Mieszko I., der vor mehr als 1000 Jahren regierte, ist auf der bräunlich-grünlichen Zehn-Zloty-Banknote zu sehen, Sigismund, der im 16. Jahrhundert König war, auf dem orangenen 200-Zloty-Schein. Dazwischen sind bisher auch noch Boleslaw der Tapfere, Kazimierz der Große und Wladyslaw Jagiello auf den 20-, 50- beziehungsweise 100-Zloty-Scheinen im Umlauf.

An diesem Freitag kommt als Neuheit ein 500-Zloty-Schein hinzu, dessen Wert laut aktuellem Wechselkurs rund 116 Euro beträgt. "Als die jetzigen Banknoten 1995 eingeführt wurden, betrug der durchschnittliche Verdienst im Land noch 800 Zloty. Jetzt sind es etwa 4000 Zloty." Mit diesen Worten begründet Ex-Nationalbank-Chef Marek Belka die Notwendigkeit der neuen Banknote. Zudem hatten Wirtschaftsvertreter darauf gedrängt, weil bei Bargeschäften, die sich im Nachbarland noch großer Beliebtheit erfreuen, die Geldbündel immer dicker geworden waren.

Die heutige Währung ist übrigens das Ergebnis einer Umstellung, bei der 1995 jeweils 10000 alte durch einen neuen Zloty ersetzt wurden. Dies war damals auch Ausdruck dafür, dass Polen die inflationäre Entwicklung in den ersten Jahren der Marktwirtschaft überwunden hatte.

Tatsächlich weist die Währung des Nachbarlandes, deren Name "Zloty" auf Deutsch nichts Anderes als "der Goldene" bedeutet und sich vom Gold oder dem Gulden ableitet, seither eine erstaunliche Stabilität auf. Von kurzzeitigen Ausschlägen nach oben oder unten abgesehen, erhielt man seither immer um die vier Zloty für einen Euro.

Dennoch hatte sich Polen mit dem Beitritt zur Europäischen Union im Jahr 2004 eigentlich dazu verpflichtet, nicht nur die Stabilitätskriterien für die Gemeinschaftswährung Euro zu erfüllen, sondern diese auch in absehbarer Zeit einzuführen. Im Gegensatz zu den drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen sowie Slowenien, der Slowakei und Zypern, die seither diese Verpflichtung umsetzten, hielt man sich in Polen - wie übrigens auch in Ungarn und Tschechien - aber nicht daran.

Wurde anfänglich noch als Grund vorgeschoben, dass der Zloty die in der polnischen Verfassung festgeschriebene Landeswährung ist und es schwierig sei, diesen Artikel zu ändern, so hat sich die Situation seit der Griechenland-Krise einschneidend geändert. Polen ist nicht nur froh darüber, nicht in den Rettungsfonds für griechische Banken einzahlen zu müssen, sondern verweist auch darauf, dass durch die eigene Währung extreme Preissteigerungen auf dem Binnenmarkt und für den Export polnischer Waren verhindert werden.

Dass auf dem neuen 500-Zloty-Schein ausgerechnet der frühere König Jan III. Sobieski zu sehen sein wird, hat zudem noch eine hintergründige Bedeutung: Jener polnische König stand nämlich 1683 an der Spitze eines Heeres, das in einer Schlacht bei Wien die damaligen Mitteleuropäer vor dem Einfall eines türkischen Heeres gerettet hatte.

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