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Mitgliederschwund belastet Freiwillige Feuerwehren

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Ulrich Thiessen / 10.02.2017, 08:59 Uhr
Potsdam (MOZ) Den Brandenburger Kommunen flatterten Anfang des Jahres Fragebögen des Innenministeriums zu den Freiwilligen Feuerwehren ins Haus. Aus den Antworten soll ein neues System des Brandschutzes entwickelt werden. Das bisherige mit 103 Stützpunktfeuerwehren kann die Einsatzbereitschaft nicht mehr garantieren.

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Feuerwehrleute in Brandenburg erstmals unter die magische Grenze von 40000 gefallen. Diese Zahl wurde jahrelang als Mindestgrenze angesehen, um überall im Land im Brandfall einsatzfähig zu sein. 2010 waren noch mehr als 45000 Brandenburger in den Freiwilligen Feuerwehren organisiert. Für die nächsten Jahre wird mit einem weiteren Rückgang um jeweils 1000 Personen gerechnet.

Die Umfrage, die auf eine Initiative des Landesfeuerwehrverbandes zurückgeht, soll das genaue Alter der Mitglieder, ihre Qualifikationen und die Einsatzzeiten der Wehren erfassen. Es muss etwas passieren, sagt der Vorsitzende des Landesfeuerwehrverbands, Werner-Siegwart Schippel. Deshalb fragt das Innenministerium auch nach Ideen, wie vor allem tagsüber, wenn Feuerwehrleute arbeiten, die Einsatzfähigkeit gewährleistet werden kann.

"Der Mangel an Einsatzkräften ist nicht einfach eine Frage der Demografie", sagt Silvio Salvat-Berg, Kreisbrandmeister im Barnim. In ländlichen Regionen können tagsüber Engpässe entstehen, aber das Gleiche gilt auch für das Berliner Umland, wo die Menschen tagsüber zur Arbeit in die Hauptstadt pendeln, hat er festgestellt. Einzelne Kommunen wie die Stadt Bernau versuchen schon bei der Einstellung von Mitarbeitern, auf Mitgliedschaft in der Feuerwehr zu drängen. Angestellte im Ordnungsamt oder Grünflächenamt lassen sich schnell tagsüber mobilisieren. Die Mitgliedschaft als Einstellungsvoraussetzung ist jedoch arbeitsrechtlich nicht umsetzbar, weiß der Kreisbrandmeister.

Der innenpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Björn Lakenmacher, sieht vor allem Probleme in der Nachwuchsgewinnung. Es müssten mehr Anreize geschaffen werden. Es dauere zu lange, bis die Vergabe von Medaillen oder andere Auszeichnungen genehmigt werden. Außerdem verdiene das Ehrenamt mehr Respekt. Stattdessen würden die Beschwerden nicht betroffener Bürger zunehmen, wenn sie mal durch ein Martinshorn geweckt werden.

"Alle verlassen sich darauf, dass im Alarmfall jemand kommt", sagt Daniel Kurth, zuständig für das Thema in der SPD-Landtagsfraktion. Wenn es nach ihm geht, müssen ganz neue Ideen her. Warum, so fragt er, können nicht an Behördenstandorten oder in Gewerbegebieten, wo tagsüber ausreichend Menschen arbeiten, Feuerwehren gebildet und Technik stationiert werden.

Er ist überzeugt, dass mehr hauptamtliche Kräfte zum Einsatz kommen müssen, auch wenn das viel Geld kosten wird. Seine Idee: in den Rettungsstellen, wo rund um die Uhr zwei Sanitäter Dienst tun, zusätzlich zwei Feuerwehrkräfte vorzuhalten. Wenn auch die Rettungskräfte geschult sind, könnten auch sie mit bei Brandeinsätzen ausrücken.

Landesbranddirektor Heinz Rudolph geht davon aus, dass es kein Patentrezept für den Brandschutz geben wird. Die Stützpunktfeuerwehren haben sich seiner Meinung nach bewährt. Ob weiterhin 103 davon landesweit aufrechterhalten werden können, ist offen. Schon jetzt gibt es für den Brandfall das sogenannte Rendezvous-System, bei dem ein Teil der Feuerwehrleute direkt von der Arbeit zum Einsatzort kommt. Die Koordinierung wird aufwendiger. Aber es gibt auch neue Medien, die dies erleichtern. In Regionalkonferenzen wollen die Feuerwehren dieses Jahr nach neuen Ideen suchen.

Kurth denkt auch darüber nach, ob sich in den Kommunen nicht wenigstens ein Hauptamtlicher um die Geräte und die Koordinierung kümmern könnte. Der brandenburgische Städte- und Gemeindebund hatte sich schon im Jahr 2015 für den Einsatz von mehr hauptamtlichen Kräften ausgesprochen und dabei nach dem Land geschielt, das bei entsprechenden Gesetzesänderungen die Kosten für das Personal zu tragen hätte.

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