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Missionshaus Malche verzeichnet steigende Besucherzahlen / Suche nach Fördergeldern bleibt Aufgabe

Von der Schule zum Gästehaus

Für jeden offen: Oberin Brunhilde Börner (l.) freut sich, dass sie Natalia Nöthlich (33, r.) aus Ungarn in der Malche ein mehrmonatiges Praktikum ermöglichen konnte.
Für jeden offen: Oberin Brunhilde Börner (l.) freut sich, dass sie Natalia Nöthlich (33, r.) aus Ungarn in der Malche ein mehrmonatiges Praktikum ermöglichen konnte. © Foto: Heike Jänicke
Heike Jänicke / 11.02.2017, 06:40 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) "Kloster auf Zeit", Gäste- und Tagungshaus, Begegnungsstätte für Menschen - das Missionshaus Malche hat sich von der Schule zu einem offenen Ort gewandelt. Menschen mit christlichem Glauben sind genauso willkommen wie jene, die einfach nur eine Auszeit brauchen.

Kinderlachen dringt durch das idyllische, an der B 167 gelegene, Malchetal. Häuser, Gärten und Bäume sind mit in der Sonne glitzerndem Schnee bedeckt. Hin und wieder hört man ein leises Vogelgezwitscher. Am Berg hinter dem "Neuen Haus" verbringen Mädchen und Jungen ihren Ferientag im Schnee. Am anderen Ende des Geländes, im neuen Gästehaus ist Musik zu hören - aus dem Radio. Hausmeister Bernd Fenrich schwingt dort den Pinsel. Der 56-Jährige nutzt die belegungsfreie Zeit, um das eine oder andere Gästezimmer, insgesamt sind es 25, zu malern. Die Malche erwartet auch in diesem Jahr wieder Gäste aus nah und fern. Es sind Schulgruppen, Jäger aus Finnland oder Familien, die hier feiern wollen, Workshop-Teilnehmer und -Teilnehmerinnen.

Doch das war nicht immer so. 113 Jahre stand die Malche für Bildung. Frauen, und nach der politischen Wende auch Männer, wurden durch eine theologisch-pädagogische Ausbildung für den Verkündigungsdienst in der evangelischen Kirche vorbereitet. Hier wurden Missionslehrerinnen, Katechetinnen, Gemeindehelferinnen und später Gemeindepädagogen mit Fachschulabschluss ausgebildet.

Den Grundstein dafür legte Professor Ernst Lohmann, der 1898 das Bibelhaus gründete. Zunächst in einer Privatwohnung in der Weinbergstraße in Bad Freienwalde. Die Wohnung gibt es heute nicht mehr. Die ersten Lehrerinnen waren Lu und Wally von Hochstetter sowie ihre Freundin Jeanne Wasserzug. Doch bald wurde diese Wohnung zu klein. Der Vater der beiden Lehrerinnen, Oberst von Hochstetter, stellte daraufhin seinen Rosengarten im Malchetal zur Verfügung. Auf dem Gelände wurde schließlich 1900 das erste Bibelhaus, auch das "Alte Haus" genannt, errichtet. Dort haben heute die sich im Ruhestand befindlichen Schwestern ihr Zuhause. Im unteren Bereich befindet sich die Küche samt Speiseraum. 1907 wurde das "Neue Haus" erbaut. Darin hat nun die Verwaltung ihren Sitz. In den oberen Etagen stehen Gästezimmer zur Verfügung, schlicht eingerichtet. Erst 1908 kam die Grundschule dazu. Dieses Gebäude wird inzwischen als Gästehaus genutzt.

Eine, die sich in der Geschichte bestens auskennt, ist Schwester Brunhilde Börner, auch liebevoll Schwester Bruni genannt. Erst kürzlich feierte die 67-Jährige ihr 30-jähriges Dienstjubiläum. Die Mitarbeiter hatten sie mit Blumen, Gesang und einem Geschenk überrascht. Seit 2012 zunächst kommissarisch und seit 2014 leitet sie als Oberin das Missionshaus Malche. Ein Vollzeitjob, den sie ehrenamtlich bestreitet. Dass sie das gern tut, das spürt man. Aus jedem ihrer Worte spricht Freude. Auch wenn der Weg von der Schule hin zum Beherbergungsbetrieb kein leichter war. Denn seit 2011 findet in der Malche keine Ausbildung mehr statt. Das sei nach so vielen Jahren ein sehr schmerzlicher Einschnitt gewesen, gibt die Oberin zu.

Inzwischen haben sie, ihre zwölf Mitarbeiter sowie die Schwestern- und Bruderschaft Malche, den Wandel hin zum Gästebetrieb gemeistert. Erste Überlegungen, in dem "Neuen Haus" ein Wohn-Pflege-Projekt für alte und demenzkranke Menschen zu etablieren, sind inzwischen verworfen. Der Umbau sei nicht finanzierbar, so die Oberin. Stattdessen konzentriert sich die Malche-Familie verstärkt auf den Tagungs- und Gästebetrieb. Zirka 5000 Übernachtungen zählte die Malche 2016. Gern würden sie das "Neue Haus" sanieren. Gäste übernachten dort zwar gern. Doch eine Sanierung sei unstrittig, so Brunhilde Börner. Die Suche nach Fördermöglichkeiten blieb bisher erfolglos. Aber auch dafür werden Eigenmittel benötigt. Die sollen vor allem aus Spenden und Beiträgen der mehr als 100 Mitglieder zählenden Schwestern- und Bruderschaft aufgebracht werden. Vorstellbar wären Gästezimmer sowie Wohnungen zur langfristigen Vermietung beziehungsweise Ferienwohnungen.

Parallel zu den Bemühungen um die Sanierung des "Neuen Hauses" laufen die Vorbereitungen auf die bald beginnende Saison. Das Jahresprogramm steht. Die Flyer sind gedruckt. Der Startschuss fällt am 31. März mit einem ökumenischen Frauen-Wochenende. Weitere interessante Veranstaltungen sind auf der Internetseite www.malche.net zu finden.

Und wer vom stressigen Alltag Abstand finden möchte, der ist in der Malche jederzeit willkommen. "Kloster auf Zeit" nennt Schwester Brunhilde Börner das Angebot. Gäste können sich für einen gewissen Zeitraum in den Malche-Alltag einbringen, arbeiten, und erhalten im Gegenzug Kost und Logis frei.

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