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Die Ein-Mann-Band und ein weiser Satiriker

Matthias Biskupek und Joe Sachse unterhielten ihr Publikum bestens.
Matthias Biskupek und Joe Sachse unterhielten ihr Publikum bestens. © Foto: Jahnke
Ute Jahnke / 13.02.2017, 11:49 Uhr - Aktualisiert 13.02.2017, 14:59
Falkensee (MOZ) Am Sonntag gastierte im Falkenseer Kronprinz bei "Satire am Abend" ein sehr ungleiches Paar, das sich schon seit der Schulzeit im sächsischen Mittweida kennt: Helmuth "Joe" Sachse (68) hat sein ganzes Leben lang dem Gitarrenspiel gewidmet und tritt seit den siebziger Jahren regelmäßig auf internationalen Jazzfestivals in ganz Europa und Nordamerika auf, wodurch er zu großer Berühmtheit gelangte. Vor zwei Jahren tourte er sogar anderthalb Monate durch Mittelamerika. Sein Schulfreund, Schriftsteller Matthias Biskupek (66), arbeitete lange als Dramaturg und schrieb Texte für Theater und Kabarett (etwa das "Fettnäpfchen" in Gera), ehe er 1984 anfing seinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben von Büchern zu bestreiten. Auch für die Satire-Zeitschrift "Eulenspiegel" schreibt er seit Jahren Gastbeiträge.

"Joe" Sachse hat einen ganz eigenen Stil erfunden, aus der Gitarre Töne herauszuholen: Mit der rechten Hand schlägt er mal die Saiten, mal klopft er auf dem Klangkörper einen Rhythmus, während die Finger der linken Hand plötzlich eigenständig am Gitarrenhals die Saiten zupfen. Seine Füße halten dabei nicht still. Ein Fuß tritt im Rhythmus auf den am Boden liegenden, bereits stark ramponierten Gitarrenkasten, was wie eine große Trommel klingt. Der andere tritt auf eine knisternde Plastiktüte, was wiederum einem Becken ähnelt. Damit all diese Klänge richtig zur Geltung kommen, ist alles mit Mikrofonen verkabelt. Kurzum: Helmuth Sachse ist eine absolut geniale Ein-Mann-Band. Seine Finger fliegen oft nur so über die Gitarre, dass die Zuschauer aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. "Ich spiele eigene Stücke und Standards. Die eigenen Stücke spiele ich recht fremdartig und die fremden Stücke recht eigenartig. Und artig spiel ich gar nicht", sagt der Gitarrenvirtuose grinsend.

Matthias Biskupek dagegen verfasst Texte, die mal lustig, mal bissig sind - so, wie man es vom Kabarett kennt. So sagt er über sein Buch "Der Rentnerlehrling - Meine 66 Lebensgeschichten': "Normalerweise lernt man ja zwei, drei oder gar vier Jahre. Ein Rentner muss 65 Jahre lernen. In der DDR ging das für Frauen etwas schneller, weil die auch ein bisschen schneller begreifen. Die konnten schon mit 60 in Rente gehen." Über das heimliche Hören von West-Radiosendern in der DDR philosophiert er: "Wir waren die Generation zwischen Rosa und Radio Luxemburg." Und er hat noch mehr solcher Weisheiten auf Lager: "In Berlin wurde früher vorwiegend Sächsisch gesprochen, jetzt wird Schwäbisch gesprochen." Auch Wortspiele beherrscht er: "Oh, die schöne Werbung! Oh, die schöne Färbung! Oh, die schöne gewerbliche Färbung!"

Seit fast zwanzig Jahren treten die beiden Künstler gelegentlich gemeinsam auf. Es gibt sogar schon zwei gemeinsame CDs (etwa "Die Worttrompetengitarre"). Sachse zaubert dabei atemberaubende Klänge mit seiner Gitarre, und Biskupek liest aus seinen Büchern. Manchmal abwechselnd, manchmal aber auch gemeinsam. So spielt Sachse beispielsweise ganz leise das Deutschlandlied, während Biskupek sein Gedicht "Das hymnische Deutschland' vorträgt: "Reinlichkeit hat Recht, und Ordnung muss in jedem Magen sein..." Wer mehr erfahren möchte, wird im Internet unter www.helmut-joe-sachse.de und www.matthias-biskupek.de fündig.

Die nächste "Satire am Abend"-Vorstellung gibt es am Freitag, dem 10. März, um 19:30 Uhr: Bernd Zeller ist Cartoonist und Satiriker, war schon Redakteur bei den Satire-Magazinen "Titanic" und "Eulenspiegel" und der letzte Chefredakteur der "Pardon". In Falkensee wird er u.a. aus seinem neuesten Buch "Hat sich die Wende überhaupt gelohnt? Der große Vergleich: DDR - EU" lesen. Infos und Ticket-Reservierungen unter www.satire-am-abend.de

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