Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Andres Veiel blickt mit einer Porträt-Dokumentation hinter die Aura von Joseph Beuys

Selbstzeugnisse eines Jahrhundertkünstlers

Joseph Beuys
Joseph Beuys © Foto: Berlinale/zeroonefilm
Mathias Puddig / 15.02.2017, 07:59 Uhr
Berlin (MOZ) Als Joseph Beuys 1979 seine Kunst zum ersten Mal im New Yorker Guggenheim ausstellte, waren nicht alle Besucher begeistert. "Für mich sah es aus wie Überreste auf einer Baustelle", sagte einer. "Wann hat man ihn aus der Anstalt gelassen?", fragte ein anderer. Zu behaupten, dass Beuys, einer der größten Künstler des 20. Jahrhunderts, auf viel Verständnis gestoßen ist, wäre wohl gelogen. Das gilt bis heute.

Andres Veiel will das nun ändern. "Wir haben versucht, Joseph Beuys näher ans Publikum zu bringen", sagte der Regisseur am Dienstag bei der Pressekonferenz zu seinem Dokumentarfilm "Beuys", der im Berlinale-Wettbewerb läuft. Doch was ist das für ein Typ, den Veiel seinen Zuschauern da vorstellt?

Ein Fettecken-und-Filz-Scharlatan ist es jedenfalls nicht. Stattdessen wird ein aufrichtiger Beuys gezeigt. Einer, der Mut hat und standhaft ist, sensibel und streitlustig. Und einer, dem wider Erwarten auch eine große Vernunft bescheinigt wird. Insgesamt 400 Stunden Archivmaterial haben Veiel und sein Team für die Dokumentation gesichtet.

Im Film kommt der Künstler überwiegend selbst zu Wort: Viele Selbstzeugnisse haben den Weg in die Dokumentation gefunden. Ihnen stehen Interviews mit Beuys' Weggefährten zur Seite. Die Frage, wie zuverlässig solche Selbstauskünfte eigentlich sind, liegt da natürlich auf der Hand. Unabhängig von ihrer Zuverlässigkeit sind sie aber ein guter Weg, die Aura des Künstlers zu durchdringen und dahinter einen sympathischen Menschen, kämpferischen Lehrer und engagierten Grünen-Politiker sichtbar werden zu lassen. Beuys ist in der Dokumentation ein Mann, der auf die Menschen zugeht und sie zum Denken auffordert.

Und das verlangt auch "Beuys" von seinen Zuschauern. Veiel hat kein Erklärstück geschaffen, das dem Unbedarften vermittelt, warum etwa einem toten Hasen die Kunst erklärt werden muss. Stattdessen zeigt er ein assoziatives Porträt. Dieses wird dem New Yorker Besucher vielleicht nicht den Unterschied zwischen Kunst und Baustelle verdeutlichen. Dafür ist es aber im Bären-Rennen ganz gut aufgehoben.

Heute, 9.30 Uhr, Haus der Berliner Festspiele; 12 und 18 Uhr, Friedrichstadt-Palast; 21.30 Uhr, Thalia Kino Potsdam; Sonntag, 9.30 Uhr, Zoo Palast

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG