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Stellschrauben zur Absicherung der Tagesbereitschaft

Suchen nach Lösungen: Werner-Siegwart Schippel, Präsident des Landesfeuerwehrverbands (von links), Marcel Haupt, Verbandschef im Barnim und Jörn-Hendrik Kuinke, Koordinator beim Landesfeuerwehrverband, vor einem Einsatzfahrzeug am Finow-Gymnasium
Suchen nach Lösungen: Werner-Siegwart Schippel, Präsident des Landesfeuerwehrverbands (von links), Marcel Haupt, Verbandschef im Barnim und Jörn-Hendrik Kuinke, Koordinator beim Landesfeuerwehrverband, vor einem Einsatzfahrzeug am Finow-Gymnasium © Foto: MOZ/Marco Marschall
Marco Marschall / 04.04.2017, 06:50 Uhr
Eberswalde (MOZ) Noch befinde man sich in der Ideenphase, sagt Jörn-Hendrik Kuinke, Koordinator beim Landesfeuerwehrverband. Forderungen, Wünsche und Probleme der Brandenburger Brandschützer werden auf den Regionalkonferenzen gesammelt und Lösungsvorschläge erarbeitet. Am Wochenende hatten sich die Vertreter der Feuerwehren am Finow-Gymnasium in Eberswalde eingemietet. Dort fand die vierte von fünf Regionalkonferenzen statt. Das vorerst letzte Treffen ist Ende des Monats in Fürstenwalde geplant. "Anschließend wird ein Positionspapier erarbeitet und der Landesregierung übergeben", sagt Kuinke. In der voraussichtlich im November fertigen Schrift steht dann, was verändert werden muss.

Dass sich etwas ändern muss, ist unstrittig und betrifft vor allem die fehlende Tagesbereitschaft. "Bei uns gibt es unter anderem in Basdorf große Probleme", nennt Barnims Feuerwehrverbandsvorsitzender Marcel Haupt ein Beispiel. Es ist symptomatisch für viele Teile des Landes. Laut Brandenburgs Verbandspräsident Werner-Siegwart Schippel liegt die Absicherung der Tagesbereitschaft teilweise bei unter 50 Prozent. In der Öffentlichkeit zeige sich hingegen oft ein anderes Bild - dann nämlich, wenn Fahrzeuge mehrerer Wehren zu kleineren Einsätzen ausrücken. "Das liegt daran, dass wir die Leute aus verschiedenen Orten zusammenziehen müssen", sagt Schippel. Anders bekäme man keinen Einsatztrupp mehr zusammen.

Im Barnim engagieren sich derzeit 1667 Aktive im Brandschutz. 778 Mitglieder zählt die Jugendfeuerwehr und 561 gehören zur Alters- und Ehrenabteilung. Möglicherweise verschenktes Potenzial. "Laut Brandschutzgesetz ist mit 65 Schluss, bis 67 sollen die Leute aber auf dem Bau die Maurerkelle schwingen", merkt Jörn-Hendrik Kuinke an. Das Alter wäre demnach eine Stellschraube für bessere Einsatzfähigkeit. Es müsse stärker nach Eignung gehen. Auch ältere Feuerwehrleute würden sich bestimmte Aufgaben weiterhin zutrauen und helfen wollen.

Gleichermaßen könnten Gemeinden bei Einstellungen Mitglieder der Feuerwehr bevorzugen, Unternehmen hingegen ein Ausgleich angeboten werden. "Arbeitgeber, die ihre Leute bei Einsätzen freistellen, müssen anders gefördert werden", sagt Marcel Haupt. Wer im Betrieb gleich auf mehrere Beschäftigte verzichten muss, habe dadurch schließlich einen Nachteil.

Auch die Frage, ob mehr Hauptamt in den Brandschutz einziehen muss, beschäftigt die Vertreter der Feuerwehren. Bisher kümmern sich überwiegend Ehrenamtliche darum, Gebäude zu löschen, verunglückte Kraftfahrer aus ihren Autos zu schneiden oder die Straße zu sperren. Um die Schlagkraft der Truppen zu erhöhen, sind gesetzlich auch Zwangsverpflichtungen möglich. "Darüber wird im Moment nicht nachgedacht", sagt Jörn-Hendrik Kuinke. Sie sollten auch aus seiner Sicht das letzte Mittel sein.

Personelle Probleme zögen sich bis ins Ministerium für Inneres und Kommunales, sagen die Verbandsvertreter. Dort fehle ein Ansprechpartner in Sachen Feuerwehr. "Es ist nicht mehr fünf vor zwölf. Es ist zwölf", sagt Verbandspräsident Werner-Siegwart Schippel mit Blick auf die Situation der Feuerwehren in Brandenburg.

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