Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Hoppegartens Bürgermeister hat sich den Entwurf für den Landesplanungsvertrag Hauptstadtregion vorgenommen

Knobbe will Mittelzentren abschaffen

Kurz vor der Berlin-Brandenburger Landesgrenze: Wie sich die Region entwickelt, das wird jetzt im LEP HR für die kommenden 15 Jahre festgezurrt.
Kurz vor der Berlin-Brandenburger Landesgrenze: Wie sich die Region entwickelt, das wird jetzt im LEP HR für die kommenden 15 Jahre festgezurrt. © Foto: MOZ/Gerd Markert
Margrit Meier / 01.03.2017, 20:20 Uhr
Hoppegarten (MOZ) Eines der wichtigsten Themen für die kommenden 15 Jahre ist der Landesplanungsvertrag Hauptstadtregion (LEP HR). Darin wird die Entwicklung des Berliner Umlandes von der Wirtschaft bis zu Infrastruktur und Wohnen geregelt.

Hoppegartens Bürgermeister Karsten Knobbe hat die Chance genutzt und den Entwurf des LEP HR kritisch auseinander genommen. Ginge es nach ihm, dann würden die sogenannten Mittelzentren im Berliner Umland abgeschafft werden. Folgt der Landesentwicklungsplan diesem Vorschlag nicht, dann schlägt Knobbe vor, die Gemeinden Hoppegarten und Neuenhagen gemeinsam zu einem Mittelzentrum auszuweisen. Ein solches Ansinnen war übrigens in Neuenhagen von den Gemeindevertretern im Dezember mehrheitlich abgelehnt worden.

In diesem Entwurf des LEP HR wird die Gemeinde Neuenhagen wie schon im Vorgänger, dem Landesentwicklungsplan Berlin-Brandenburg (LEP BB), zum Mittelzentrum deklariert. Hoppegarten hingegen gehört weiter zum Mittelbereich. Knobbe versucht, Argumente zu finden, warum diese Deklaration nicht sinnvoll ist.

Er stellt fest, dass eine Gewerbeentwicklung entsprechend dem vorhandenen Potenzial der Gemeinde Hoppegarten weiterhin nicht möglich ist. Und das, obwohl Hoppegarten an Bundes- und Landesstraßen grenzt, sich im Mittelbereich zum stärksten Wirtschaftsstandort, mit dem größten Einzelgewerbegebiet und der größten Gewerbefläche aller Kommunen, entwickelt habe.

Im LEP BB schon habe man der Europazentrale von Clinton aufgrund der Festlegungen dort verwehrt, ein Geschäft mit mehr als 800 Quadratmetern Verkaufsfläche zu bauen, führt Knobbe auf. Und das, obwohl das Unternehmen darin ausschließlich die eigenen Produkte verkaufe. Auch Einzelhändler wie Hellweg oder Pflanzen-Kölle würden gern, um wettbewerbsfähig zu bleiben, nach 20 Jahren ihre Flächen vergrößern. Dürfen dies aber nicht, weil Hoppegarten kein Mittelzentrum ist. "Es lässt sich ... nicht nachvollziehen, warum ein Möbelmarkt in Hoppegarten auf Grund der Festlegungen nicht gebaut werden kann (das Argument damals: Schutz des Einzelhandels im Mittelzentrum Neuenhagen), aber 500 Meter ... vom ursprünglich geplanten Standort in Berlin genau wie geplant gebaut wird", schreibt Knobbe. Im Mittelzentrum Neuenhagen standen damals keine verkehrsgünstigen Flächen zur Verfügung. Die Auswirkungen auf den Einzelhandel, unabhängig davon, dass es dort keinen branchenrelevanten Handel gebe, dürften bei der Verschiebung des Standortes um 500 Meter identisch sein, argumentiert Knobbe.

Hoppegartens Bürgermeister schlägt vor, im Berliner Umland gänzlich auf die Nennung von Mittelzentren zu verzichten, ihnen aber sämtliche Potenziale der Mittelzentren zuzuordnen. Zum einen, weil sich die Kommunen in ihrer Bewertung kaum unterscheiden, und zum anderen jede für sich überörtliche Funktionen erfüllt. Gemeinden, die noch Entwicklungspotenziale hätten, könnten sich dann auch weiterentwickeln.

Knobbe kann nicht nachvollziehen, warum unter der Ebene der Mittelzentren keine Grundzentren als weitere zentrale Orte festgelegt werden. Die wurden mit dem Vorgänger, dem LEP BB, bereits abgeschafft. Knobbe hegt verfassungsrechtliche Bedenken. Er verweist auf das Normenkontrollverfahren, das den unzulässigen Rückzug der Landesplanung aus der Sicherung der Grundversorgung bestätigt hat.

Welche Gemeinde Mittelzentrum wird, das wird anhand eines Rankings ermittelt. Zu Rate gezogen werden u. a. Bevölkerung, Arbeitsmarkt/Wirtschaft, Lagegunst/Erreichbarkeit. Für Knobbe ist nicht nachvollziehbar, warum für die Ermittlung der Werte nicht längere Zeiträume betrachtet werden, beispielsweise schon ab Inkrafttreten des LEP BB. Nur so könnten sichere Grundlagen für raumordnerische Entscheidungen erhalten werden. Im LEP HR zieht man die Entwicklungen von vier Jahren zu Rate. Das hält Knobbe bei Entscheidungen, die Auswirkungen auf die kommenden zehn, 15 Jahre haben sollen, für zu kurz.

Er kritisiert das Ranking an sich. Denn bei Lagegunst/Erreichbarkeit zum Beispiel werden den vier Gemeinden Hoppegarten, Neuenhagen, Fredersdorf-Vogelsdorf und Petershagen-Eggersdorf unterschiedliche Rankingpunkte zugeteilt, obwohl ihr Wert alle bei 100 Prozent liegt. Bei der Bahnanbindung wurde nicht unterschieden, in welchen Taktzeiten welche Gemeinden erreichbar sind. Zu grob ist nach Knobbes Ansicht auch das Raster bei den Schulen. Da gäbe es die Einteilung Gymnasium und Oberstufenzentren. Aber weiterführende Oberschulen, über die Hoppegarten verfügt, werden nicht aufgezählt. Der Punkt geht nach Neuenhagen fürs Gymnasium, obwohl in Hoppegarten mehr als 100 Schüler aus anderen Gemeinden an der Lenné-Oberschule lernen. Auch beim Punkt Krankenhäuser werde die tatsächliche Funktion Hoppegartens in der medizinischen Fürsorge nicht erfasst. Die beiden Ärztezentren in Hoppegarten und Hönow samt der Reha-Klinik werden nicht erfasst.

Die Bevölkerungsprognose des LEP HR für das Jahr 2030 mit 17 809 Einwohnern sei unrealistisch. Denn bereits heute leben in der Gemeinde 18 327 Menschen. Und es sei eher von einem Zuzug als von einem Bevölkerungsschwund auszugehen.

Der LEP HR, moniert Knobbe, gehe davon aus, dass nur in zentralen Orten sowie festgelegten Siedlungsgebieten ein Bevölkerungszuwachs stattfinden wird. Unverständlich ist für den Bürgermeister, warum wiederum die Wohnungsversorgung ausschließlich in Ober- und Mittelzentren im Umfeld der Schienenhaltepunkte entwickelt werden solle. Eine gute Infrastrukturanbindung gebe es auch in nicht zentralen Orten. Zudem dürften innerhalb von zehn Jahren Gemeinden um fünf Prozent des heutigen Wohnungsbestandes wachsen. Diese Zahlen hält Knobbe für willkürlich. Er regt in Sachen Infrastruktur an, noch einmal über den Regionalhalt in Hoppegarten nachzudenken. Der sei auch im Hinblick auf eine bessere Entwicklung in Richtung Polen wichtig.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG