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In die Trauer um die Opfer mischt sich Wut

Janet Neiser, Sandra Jütte und Jörg Kühl / 01.03.2017, 20:44 Uhr - Aktualisiert 03.03.2017, 10:20
Müllrose/Oegeln (MOZ) Der Schock nach der Bluttat von Müllrose und Oegeln ist am Mittwoch in den betroffenen Ortschaften zu spüren. Nachbarn und Bekannte trauern um die getötete Marianne G. (79) sowie die beiden toten Polizisten aus Schernsdorf und Pfaffendorf.

"Sie war immer nett und freundlich", sagt Marlies Melzer und ringt mit den Tränen, als sie über Marianne G. spricht, die nur wenige Schritte entfernt von ihr gewohnt hat. Die 79-Jährige sei eine der Ureinwohnerinnen in der Straße gewesen, habe früher gemeinsam mit ihr bei der Forst gearbeitet. "Mir tut das alles weh."

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Müllrose und Oegeln unter Schock

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"Ja, sie war eine liebe Frau", erzählt die Verkäuferin in einem Müllroser Zeitungskiosk. "Sie war immer flott gekleidet, hatte immer einen Hut auf." Ihr Alter habe man Marianne G. nicht angesehen. Die Nachricht von der schrecklichen Tat am Dienstag ging herum wie ein Lauffeuer. "Bei mir hat ständig das Telefon geklingelt." Am Mittwoch war es dann nicht mehr das Telefon, da kamen die Medien, berichtet sie. Und ihre Bekannte glaubt: "Wenn das mit den zwei Polizisten nicht passiert wäre, würde die das alle gar nicht so interessieren." Das sonst so ruhige 4500-Einwohnerstädtchen ist plötzlich in aller Munde. Jeder will etwas wissen - vor allem über Jan G., mancher auch über seine Oma. "Ich kannte sie schon seit 30 Jahren. Das war eine ganz Nette. Mehr sage ich nicht", erklärt der Wirt der Gaststube "Bei Micha" am Marktplatz. Bei ihm wollte die 79-Jährige am Dienstag ihren Geburtstag feiern. Doch dazu kam es nicht mehr. "Ein Verwandter rief nachmittags an und sagte alles wegen eines Todesfalls in der Familie ab."

Dieser Todesfall lässt auch die Postfrau trauern. Sie steckte am Morgen eine Nelke in den Briefkasten des Müllroser Opfers. Am Tatort selbst ist bis in den Nachmittag hinein noch immer die Spurensicherung aktiv. Während es in Müllrose nur so von Medienvertretern wimmelt, ist es im wenige Kilometer entfernten Schernsdorf ganz ruhig. Doch die Trauer ist dort mindestens genauso groß. In dem Dorf lebte Torsten P., einer der zwei getöteten Polizisten.

"Er war ein ganz feiner Kerl", sagt einer seiner Nachbarn. Der 49-Jährige war aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr des Ortes. "Er war ein Gemütsmensch, sehr lustig und sehr verlässlich. Und er war Polizist mit Leib und Seele." Torsten P. hinterlässt seine Frau, zwei erwachsene Töchter und einen fast volljährigen Sohn.

Torsten K., der zweite Polizist, lebte mit seiner Ehefrau in Pfaffendorf. Dort herrscht Fassungslosigkeit und Trauer. "Wir sind entsetzt, unser Sohn ist auch Polizist", berichtet Anwohnerin Babett G., die in ihrem Vorgarten die Deutschlandfahne auf Halbmast gesetzt hat. In Pfaffendorf habe der Tod des im Ort beliebten Mitbürgers nicht nur Trauer, sondern auch Wut ausgelöst, erzählt Christiane Tillack, Inhaberin des Mini-Marktes. "Kann man polizeibekannte Täter nicht rechtzeitig aus dem Verkehr ziehen?" fragen sich ihr zufolge viele.

Udo Knispel war mit Torsten K. befreundet. "Totti", wie der 52-Jährige im Dorf genannt wurde, sei ein toller Kumpel gewesen. Jutta Wulff, die in der Nähe des Grundstücks des Polizisten einen Getränkestützpunkt betreibt, zeigte sich schockiert. "Es ist so dicht dran passiert." Sie wünsche der Witwe, dass sie die Kraft findet, mit dem Schicksalsschlag fertig zu werden. "Totti ist nicht zu ersetzen", meint Heidi Lehmann, Vorsitzende des Kultur- und Heimatvereins Pfaffendorf. Der Polizist sei bei vielen Dorfaktivitäten dabei gewesen.

Am Tag nach der Tat herrscht im 180-Einwohnerdorf Oegeln fast eine gespenstische Stille. Eine Frau hält mit ihrem Wagen nahe der Stelle an, an der die beiden Polizisten getötet wurden. Sie möchte Blumen in Gedenken an sie niederlegen. "So etwas habe ich noch nicht erlebt", sagt Manuela Gattke, die beobachtete, wie der Beschuldigte durch ihren Garten vor der Polizei floh. Sie zittere noch immer.

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