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Professor Sieker von den Hoppegartener Regenwasserexperten zu Ursachen der sinkenden Wasserstände von Seen und Teichen

Seit drei Jahren zu trocken und zu warm

Irina Voigt / 06.03.2017, 15:35 Uhr
Fredersdorf-Vogelsdorf (MOZ) Der Krumme See ist nur ein Beispiel dafür, dass es nicht nur um lokale Probleme an einzelnen Gewässern geht, sondern um den Wasserhaushalt einer ganzen Region.

Tümpel und Sölle, an denen die Gegend so reich war, trocknen aus, wachsen zu und sind verschwunden. So passiert es zurzeit mit dem Herrmannpfuhl auf der Neuenhagener Trainierbahn. So geschieht es mit der Hönower Weiherkette und diesen Umstand beklagen auch die Anwohner des Krummen Sees in Vogelsdorf. Die Sorge um den Straussee wächst, und langsam befürchten die Eggersdorfer ein ähnliches Schicksal für den Bötzsee - kurz gesagt, die Trockenheit im Berliner Umland nimmt zu.

Einer, der sich damit auf wissenschaftlicher Basis befasst, ist Prof. Dr. Heiko Sieker. Die 20 Mitarbeiter in seiner Ingenieurgesellschaft sind allesamt Regenwasserexperten.

Der Krumme See ist ein kleiner Weiher, ca. drei Hektar groß, Pächter ist der Angelsportverein. Ein Zufluss ist der Zehnbuschgraben. Allerdings fließt dort nur Wasser, wenn auch das Fredersdorfer Fließ Wasser führt. Und das war in den zurückliegenden drei Sommern nicht der Fall. "Auch am Straussee wird das Thema der fallenden Wasserstände in der Bevölkerung intensiv diskutiert", weiß Sieker. Für den Bötzsee sind mit Bestimmtheit Trockenheitsfolgen zu erwarten. Noch seien sie nicht so prekär, da die Zuflüsse aus dem Gamengrund "langsamer" seien, die Auswirkungen daher später kämen. Aber der Abfluss - das Mühlenfließ - war vergangenen Sommer schon ausgetrocknet.

Der Wissenschaftler sieht die Hauptursache für den Wassermangel in fehlenden Niederschlägen. "Seit 2014 haben wir eine extreme Trockenheit." Er kann das anhand langjähriger Statistiken beweisen. Es regnete in den vergangenen drei Jahren weniger als im Durchschnitt der 60 Jahren seit 1948. "Der langjährige Durchschnitt lag im gemessenen Bereich zwischen Berlin und Landesgrenze bei 550 Millimeter - was deutschlandweit ohnehin sehr wenig ist. 2016 wurden gerade einmal 428 Millimeter Jahresniederschlag gemessen", sagt Sieker. Ähnliche Ergebnisse vom Wasserverband Strausberg-Erkner bestätigen diese Tendenz. Zu den geringen Niederschlägen kämen noch überdurchschnittlich hohe Temperaturen hinzu, die die Verdunstung aus Seen und über die Pflanzen zusätzlich fördern. "Das verhindert die Grundwasserneubildung im Einzugsbereich", erklärt Sieker. Auch der gerade zu Ende gegangene Winter war wieder viel zu trocken. So sei zu befürchten, das im Sommer die Wasserstände noch deutlicher absinken beziehungsweise auf niedrigem Niveau bleiben.

Die Fredersdorfer hatten gerade beschlossen, den Krummen See zu fluten, um ihn zu retten. Die Wissenschaftler sagen wenig Erfolgschancen voraus. "Wir haben für den Krummen See ein umfassendes Gutachten erstellt, das allerdings von den Fredersdorf-Vogelsdorfen nicht wirklich ernst genommen wurde", bedauert Sieker. Man habe vor zwei Jahren, als der See trocken lag, den Grund untersucht. Es stellte sich heraus, dass der über einen halben Meter aus Sand besteht. "Wenn man nun den See flutet, wie es sich die Fredersdorf-Vogelsdorfer vorgenommen haben, wäre das so, als würde man Wasser in eine Badewanne lassen, ohne vorher den Stöpsel zu schließen." Das Wasser, das man dafür aus dem Grundwasserleiter entnähme, würde umgehend dorthin zurücksickern. Funktionieren würde ein Fluten demnach nur, wenn man zuvor den Sandboden abdichte. Aber auch das wäre für den Wassermangel insgesamt nur eine "Insellösung".

Rund eine Million Kubikmeter Wasser fehlten schon jetzt in der Fläche. So eine Menge könne man nicht fördern, ohne das Reservoir der künftigen Wasserversorgung in Frage zu stellen, sagt Sieker. Die aktuelle Situation habe sich über Jahre entwickelt. Nur wirklich reichliche und vor allem lang anhaltende Regenfälle in Herbst und Winter könnten sie entschärfen. "Das ist aber nicht planbar", ist dem Experten bewusst.

Um den Gesamtzusammenhang zu erkennen und wirksam eingreifen zu können, sei es richtig und wichtig, dass es Gewässerentwicklungskonzepte gibt. So wie das für die Erpe brauche man unbedingt auch eines für das Fredersdorfer Mühlenfließ.

Gegen die Trockenheit im östlichen Berliner Umland, die sich bis nach Poznan erstrecke, wären verschiedene Maßnahmen möglich. "Die Gewässerunterhaltung durch den Wasser- und Bodenverband muss dringend an die Bedingungen angepasst werden", sagt der promovierte Hydrologe Mariuzs Merta und richtet sich an die Mitgliedskommunen des Verbandes. Das übermäßige Beräumen der Gewässer sei schädlich, sagt er.

Die Forstwirtschaft beginne bereits umzudenken, es dauere aber. Im Unterschied zu Nadelwäldern, die im Winter Wasser verbrauchen und mit ihren Nadeln einen undurchdringlichen Teppich im Wald bilden, seien Laubbäume dem Wasserkreislauf "zugetaner".

Mancherorts besänne man sich auf das, was die Altvorderen taten: eine über den Feldrain hinaus taugliche Entwässerung der Ackerflächen. Der Regen müsse dort bleiben, wo er fällt - auch in dicht bebauten Siedlungen. Eine zu rasche Abfuhr des Wassers sorge für Mangel zu anderen Zeiten.

Zukunftsmusik - aber auf Dauer nicht zu umgehen - sei, das gereinigte Abwasser in der Region zu halten. Derzeit leiten Strausberg, Fredersdorf, Neuenhagen und andere große Orten ihr Abwasser zum Klärwerk Münchehofe nahe Berlin. Man brauche es aber hier, und es seien Mengen, die durchaus Effekt hätten. "Fraglich ist, ob die Bürger die Kosten für ein weiteres Klärwerk mittragen wollen", gibt Sieker zu bedenken.

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