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Warum fahren Sie nicht Bus?

Viersprachig unterwegs: Axel Heidkamp (links), Kreistagsabgeordneter der Piraten in Oberhavel, hat sich am Donnerstag an der Bushaltestelle vor der Gedenkstätte Sachsenhausen postiert, um Besucher über ihren Weg zu befragen.
Viersprachig unterwegs: Axel Heidkamp (links), Kreistagsabgeordneter der Piraten in Oberhavel, hat sich am Donnerstag an der Bushaltestelle vor der Gedenkstätte Sachsenhausen postiert, um Besucher über ihren Weg zu befragen. © Foto: MZV
Burkhard Keeve / 09.03.2017, 23:00 Uhr
Oranienburg (OGA) Zwei Tage hat sich Axel Heidkamp für seine Aktion frei genommen. Dann will der Kreistagsabgeordnete der Piraten seine rund 4 000 Fragekarten an Besucher der Gedenkstätte verteilt haben. Besonders im Blick hat er dabei die Fußgänger.

"Niemand hat bisher gezählt, wie viele Gedenkstätten-Gäste vom Bahnhof Oranienburg bis nach Sachsenhausen zu Fuß gelaufen sind", sagt Axel Heidkamp am Donnerstagvormittag. Direkt an der Bushaltestelle vor der Gedenkstätte hat er seinen kleinen Stand aufgebaut, um die Fußgänger, die die Straße der Nationen entlanggehen, zu erreichen, aber auch um die Fahrgäste der Buslinie 804 zu befragen. Allen drückt er seine selbst gedruckten Fragekarten in die Hand. Sie sind für die überwiegend internationalen Besucher in vier Sprachen verfasst. Auf Englisch, Spanisch, Französisch und Deutsch wollen die Piraten wissen, warum sie nicht mit dem Bus fahren, um zum ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen zu gelangen. Drei Ja-Nein-Antworten zum Ankreuzen gibt es: Musste zu lange auf den Bus warten. Der Bus war zu voll. Weil ich gern laufe. "Die Auswertung geht dann an die Stadt Oranienburg, den Kreis und die Gedenkstätte", sagt Heidkamp. Wie sie dort aufgenommen werden, deutete sich bereits an. Zumindest der Kreis und die Gedenkstätte halten sie für wenig aussagekräftig.

Dennoch kommt weiter Schwung in die Debatte um eine bessere Anbindung. Auch deshalb, weil die Piraten die Buslinie 824 mit ins Gespräch gebracht haben. Sie favorisieren eine Verlängerung dieser Linie über die André-Pican-Straße, die Straße der Einheit in die Straße der Nationen. Eine Absage erteilen sie einer Taktverdichtung der Linie 804. Das sei zu unwirtschaftlich, weil diese Linie nach Malz bereits heute kaum ausgelastet sei. Um konkrete Aussagen der Busauslastung zur Gedenkstätte und zurück zu erhalten, fordern die Piraten eine Fahrgastzählung von März bis Oktober.

Bislang hatte es eine Zählung der Fahrgäste gegeben. Diese fand im besucherschwachen Januar statt und spiegelt den tatsächlichen Bedarf nicht vollständig wider. Auch Oberhavels Landrat Ludger Weskamp (SPD) fand die Zahlen "nicht repräsentativ für das ganze Jahr" und kündigte auf dem Kreistag am Mittwoch an, eine neue Fahrgastzählung im besucherstarken April vorzunehmen.

Weskamp deutete zudem Gesprächsbedarf mit der Gedenkstätte an, unter anderem, um sich über zu erwartende Besucherströme zu informieren, die an besonderen Terminen, wie dem Tag der Befreiung und immer wiederkehrenden Veranstaltungen in der Gedenkstätte auftun. Allerdings ist die Kommunikation zwischen Kreis und Gedenkstätte wegen der Busdebatte gelinde gesagt verstimmt. Das zeigte sich auch am Mittwoch wieder. Mit betont sachlichem Zungenschlag in Richtung Gedenkstätte berichtete Dezernent Egmont Hamelow (CDU), dass sich die Verwaltung am 22. Februar schriftlich an die Gedenkstättenleitung, sprich Professor Günter Morsch, gewandt habe, um einen Gesprächstermin zu vereinbaren. Morsch habe geantwortet, "Gespräch ja, aber nichtvor dem 27. März", so Hamelow.

Schneller kommt der Kreis mit der Stadt Oranienburg ins Benehmen. Hamelow hatte ebenso einen entsprechenden Brief ins Oranienburger Rathaus geschickt (am 23. Februar). Hans-Joachim Laesicke hat offenbar früher Zeit als Morsch. Demnächst wollen sich die Führungskräfte dann unter anderem über eine mögliche Verlängerung der Linie 824 unterhalten, hieß es am Mittwoch.

Ludger Weskamp machte auf dem Kreistag allerdings auch unmissverständlich klar, wo sein Verhandlungsspielraum liegt - nämlich innerhalb der festgesteckten Grenzen des gültigen Nahverkehrsplans. "Der ist für mich bindend", betonte Weskamp. Er persönlich sei aber "jederzeit bereit für Gespräche". Das Gleiche erwartet Weskamp von seinen Gesprächspartnern.

Es ist also weiter Bewegung in der von vielen unterschiedlichen Seiten geführten Debatte um die Busanbindung zur Gedenkstätte Sachsenhausen vom Bahnhof Oranienburg.

Dazu trägt am Ende auch die Fragekarten-Aktion der Piraten bei. Egal, ob das Ergebnis Aussagekraft besitzt oder nicht.

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