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"Vertriebene und Flüchtlinge sind wie Äpfel und Birnen"

Stammt aus Siebenbürgen: Bernd Fabritius ist seit November 2014 Präsident des Bundes der Vertriebenen. Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka
Stammt aus Siebenbürgen: Bernd Fabritius ist seit November 2014 Präsident des Bundes der Vertriebenen. Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka © Foto: dpa
Dietrich Schröder / 13.03.2017, 07:00 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Er ist zwar schon gut zwei Jahre im Amt, aber immer noch nicht so bekannt wie seine schillernde Vorgängerin Erika Steinbach. Die Rede ist von Bernd Fabritius, dem Präsidenten des "Bundes der Vertriebenen". Am Freitagabend war der 51-jährige Rechtsanwalt aus München, der seit 2013 für die CSU im Bundestag sitzt, zu Gast im Fürstenwalder "Haus Brandenburg".

Dieses Haus wird seit 1999 als Museum und Archiv für die einstige Neumark betrieben, die bis 1945 zu Brandenburg und seither zu Polen gehört. Das Haus verfügt über mehr als 25 000 Bücher, Zeitungen und Erinnerungsstücke, die vor allem von den 1945 aus der Neumark vertriebenen Deutschen stammen. Bei einem Rundgang sprach Fabritius von einem "Schatz", der für nachfolgende Generationen bewahrt werden müsse. Von einer alten Wäschemangel, die ihn an seine Kindheit erinnerte, schien er emotional besonders berührt.

Fabritius wurde 1965 als Kind "Siebenbürger Sachsen" in Rumänien geboren. Seine Familie wanderte erst 1984 nach Bayern aus. Er ist also kein Vertriebener, sondern Spätaussiedler und kommt aus einer Generation, die den Krieg nicht mehr erlebt hat.

Vor diesem Hintergrund war auch sein Vortrag zu verstehen, in dem es vor allem darum ging, wie man jüngere Generationen für die "deutsche Kulturgeschichte des Ostens" interessieren kann, da die Erlebnisgeneration der Vertreibung schon bald nicht mehr leben werde. Dass dies schwierig sei, räumte Fabritius unumwunden ein, dennoch handele es sich um eine "gesamtgesellschaftliche Aufgabe".

Die Verständigung mit den östlichen Nachbarländern und der gemeinsame kritische Blick auf die Geschichte spiele für den Bund eine besonders große Rolle. Im Verhältnis etwa zu Polen seien die Beziehungen "von Mensch zu Mensch" - also zwischen Schulen, Vereinen, Künstlern und auch Vertriebenen - denen auf höchster politischer Ebene weit voraus.

Den meisten Applaus von den etwa 30 Anwesenden erhielt der 51-Jährige freilich, als er eine Trennungslinie zwischen deutschen Vertriebenen und heutigen Flüchtlingen und Migranten zog. "Das ist wie Äpfel und Birnen", sagte er, da die Vertriebenen einst aus dem gleichen Land und dem gleichen Kulturkreis stammten, während Flüchtlinge etwa aus Syrien zwar "ähnliche Leiden erfahren haben", aber doch aus einer anderen Kultur und Religion kämen. Dennoch unterstütze der BdV auch heutige Flüchtlinge politisch und verurteile Vertreibungen überall auf der Welt.

Auf die Frage, wie der BdV die Arbeit in Brandenburg unterstützen könne, verwies Fabritius darauf, dass der BdV eine Dachorganisation verschiedener landsmannschaftlicher Organisationen sei, empfahl jedoch die Teilnahme an Erfahrungsaustauschen und Workshops, die zentral angeboten würden. Auch sei die Geschäftsstelle des Bundes in Bonn ein Ansprechpartner.

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