Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Von Klopapier bis Florena-Creme

Bernd Zeller ist in der DDR aufgewachsen.
Bernd Zeller ist in der DDR aufgewachsen. © Foto: Jahnke
Ute Jahnke / 13.03.2017, 08:17 Uhr
Falkensee (MOZ) "Satire am Abend" in Falkensee: Der aus Jena stammende Cartoonist und Satiriker Bernd Zeller las am vergangenen Freitag im Hotel Kronprinz aus seinem Buch "Hat sich die Wende überhaupt gelohnt? Der große Vergleich: DDR - EU". Der Autor zahlreicher Bücher schrieb früher Gags für die Harald-Schmidt-Show und war bereits Redakteur bei den Satire-Magazinen "Titanic" und "Eulenspiegel" sowie der letzte Chefredakteur der "Pardon". Nebenher schreibt er nahezu täglich satirische Artikel für seine Persiflage einer Online-Zeitung (www.zellerzeitung.de).

Aufgewachsen in der DDR und angekommen in der EU, hat Zeller einen humoristischen Systemvergleich angestellt, der sich auf eine Vielzahl von Vergleichskriterien stützt. Zugleich gibt er zu bedenken: "Man kann Äpfel nicht mit Birnen vergleichen, jedenfalls nicht zu DDR-Zeiten, weil man niemals beide zur selben Zeit im Handel vorfinden konnte."

Bei mancher Punktvergabe hält sich der Autor kurz: "Angela Merkel war in der DDR Physikerin und ist jetzt Bundeskanzlerin. Ohne Frage geht der Punkt an die DDR." Anderes erklärt er ausführlicher - so auch beim Thema Toilettenpapier: In der DDR gab es "das Grobkrepp mit Sandpapierfühlung", bei dem die Perforation der einzelnen Blätter fehlte. "Als ob man es nötig hätte, vorgeschrieben zu kriegen, wo man das Klopapier abreißt. Die Bevormundung des DDR-Bürgers erstreckte sich also keineswegs auf alle Lebensbereiche." Apropos Bevormundung: "Sobald wieder irgendwo ein neues Rauchverbot erlassen wird, gehen die Klagen los, die Freiheit werde scheibchenweise beschnitten und die Bevormundung der freien Bürger nehme das ab jetzt unerträgliche Ausmaß an. In der DDR wurde nur geraucht. Dienstzimmer, Gaststätten, Bahnhöfe, alle waren zugequalmt, niemand musste zum Rauchen auf die Straße, obwohl auf der Straße auch alle eine Zigarette im Mund hatten. Da war ganz evident die Freiheit größer."

Zum Thema Autos gesteht Zeller, dass Trabbi und Wartburg technisch unterlegen und schwieriger zu bekommen waren, aber "dafür war es leichter, einen Parkplatz zu finden." Nicht nur das Auto-Design, auch die Autobahnen in der DDR stammten noch aus Vorkriegstagen, "vermutlich auch die servierten Speisen und der Kaffee" an den Autobahnraststätten. Aber dafür "herrschte das Tempolimit von einhundert Stundenkilometern. Das ist ja nun der Traum aller heutigen Verkehrsexperten."

Werbespots gab es Anfang der siebziger Jahre auch im DDR-Fernsehen. "Sie rieten zum Kauf von Grünkohl, Florena-Creme und Badeschaum. Damit war die DDR-Reklame die einzige weltweit, wo in einem Werbeblock die gesamte erhältliche Produktpalette beworben wurde." Die heutige TV-Werbung sei zwar nerviger, "aber dafür wird sie mitten in der Sendung platziert, so dass man auf die Toilette gehen oder sich etwas holen kann oder gucken, was sonst noch läuft. Sie erfüllt somit viel mehr Zwecke. Den Punkt macht die EU."

Die vorerst letzte Satirelesung vor der Sommerpause findet am Sonntag, 23. April, um 16 Uhr im Falkenseer Kronprinz statt. Comic-Zeichnerin Katharina Greve (www.katharinagreve.de) wird einige ihrer Werke vorstellen. Anschließend stellt die Partei "Die PARTEI" einige ihrer Kandidaten für die bevorstehende Bundestagswahl vor. Weitere Infos unter www.satire-am-abend.de.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG