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Abrisshammer in 130 Meter Höhe

Michael Dietrich / 12.01.2017, 20:40 Uhr - Aktualisiert 13.01.2017, 15:38
Schwedt (MOZ) Die PCK Raffinerie wird nach außen hin wieder ein klein wenig unsichtbarer. Auf dem Gelände wird derzeit ein 130 Meter hoher Schornstein abgerissen, der zuvor von neuen, deutlich kleineren Essen ersetzt wurde. Bis März soll der alte Stahlbetonriese verschwunden sein.

Der Schornstein hat die offizielle Bezeichnung 2L201 und steht im Aromizer-Komplex nahe dem Werkeingang Straße F. Mit seinen 130 Metern Höhe ist er eines der weithin sichtbaren Wahrzeichen der Raffinerie. Er ist das zweithöchste Bauwerk der PCK, nur der Schornstein der FCC-Spaltanlage mit 185 Metern ist noch höher.

Der Schornstein wird schon seit einigen Wochen abgerissen. Davon war bisher nur nichts zu sehen, weil die Arbeiter der Firma Mende Schornsteinbau aus Lastrup zunächst das Innenrohr, eine Isolierung aus Schamotte, abgetragen haben. Übrig blieb die tragende Stahlbetonhülle, am Fuß neun Meter im Durchmesser stark, die seit dieser Woche Stück für Stück abgetragen wird.

Das geschah auch am Mittwoch, als oben in 130 Meter Höhe eisige Kälte von Minus 8 Grad herrschte, die bei starkem Wind zu gefühlten minus 15 Grad wurden. Am Schornsteinkopf wurde eine Arbeitsbühne errichtet, die nach Abrissfortschritt abgesenkt werden kann. Die Betonteile, die der Abrisshammer losschlägt, fallen im Inneren der Esse nach unten. Drei Monate soll die Prozedur dauern, bis der Betonriese verschwunden ist.

Der Schornstein ist in die Jahre gekommen. Es kam bereits vor, dass handtellergroße Betonteile abplatzten und zu Boden sausten. Eine Sanierung, so wie sie beim FCC-Schornstein mittels Kunstharzüberzug erfolgte, würde knapp eine Million Euro kosten, schätzten die Verantwortlichen.

Das Bauwerk ist 35 Jahre alt, teilt sich also das Alter und Schicksal mit vielen Plattenbauten in der Stadt, die mittlerweile leergezogen und abgerissen wurden. Auch der Aromizer-Schornstein steht wie viele Wohnungen in Schwedt "leer", wird nicht mehr benötigt. Gebaut wurde er 1981 mit der Aromizer-Anlage, die mittels Katalysator unter hohem Druck und ordentlicher Hitze die Oktanzahl von Benzin erhöht. Der Schornstein musste die 300 Grad heißen Rauchgase ableiten.Der Aromizer arbeitet auch heute noch, allerdings verlor der Schornstein mit den Veränderungen und Modernisierungen immer mehr an Bedeutung. Die Stillegung von Anlagenteilen verminderte die Rauchgasmengen ebenso wie der Neubau des Aromizer-Ofens im Stillstand 2013 und zuletzt die Errichtung einer Abwärmerückgewinnung für die übrigen Öfen im vergangenen Jahr. Bei jeder dieser Neuerungen errichtete PCK neue, kleinere Schornsteine aus Stahl.

Der Abriss soll die Eigner übrigens nur halb so teuer kommen wie die Sanierung. Eine kostengünstigere Sprengung schied wegen Nähe zu den Anlagen aus. So blieb nur der stückweise Abtrag.

Der Aromizer-Schornstein ist nicht der erste, den PCK abreißt. Anfang der 2000er Jahre wurde der Schornstein der ehemaligen Anlage 03 für Futterhefe mit derselben Technologie zurückgebaut. Ende der 1990er Jahre, nach dem Bau des neuen Kraftwerks, riss PCK einen gemauerter Schornstein des alten Kraftwerks ab.

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