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Schnell, unsinkbar, attraktiv in Zerpenschleuse

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HZENKERN / 22.06.2008, 18:09 Uhr
Zerpenschleuse "Ich wüsste kaum eine Feuerwehr im Land Brandenburg, die so modern ausgestattet ist wie die unserer Gemeinde Wandlitz." Bürgermeister Udo Tiepelmann war der Stolz anzuhören - und am Sonnabend kam denn noch ein Stück moderner Technik dazu: ein Rettungsboot in Zerpenschleuse.

Genau 24 803,88 Euro stehen auf der Rechnung der Ludwigsfelder Firma G.B.S. für das Rettungs- und Arbeitsboot, das im Feuerwehr-Deutsch unter der Abkürzung RTB II läuft. Und etwa, sagt Marco Peter von G.B.S., vier getrennte Luftkammern habe - und damit unsinkbar sei. Solche Anforderungen aus dem RTB-II-Standard machten denn solch ein in Bayern "von Hand gefertigtes Einzelstück" auch merklich teurer als ein gleich großes Wassergefährt für den Normalbürger.

So wäre eigentlich das Boot auch erst in zwei, drei Jahren angeschafft worden, sagt Bürgermeister Udo Tiepelmann. Doch 10 000 Euro aus Lottomitteln, die das Arbeitsministerium bereitstellte, beschleunigten den Kauf. Für "diesen glücklichen Umstand" bedankte sich Tiepelmann bei Infrastrukturminister Reinhold Dellmann. Dellmann, selbst Wandlitzer, der sich im September zudem ins Gemeindeparlament wählen lassen möchte, hatte nach eigenem Bekunden bei Ministerkollegin Dagmar Ziegler für die Ausreichung der Lottomittel geworben.

Die Gemeinde wiederum übernahm den Rest der Rechnung. Und das konnte sie, sagt Tiepelmann, weil für ein anderes Feuerwehrfahrzeug keine Fördermittel bewilligt wurden - und so im Haushalt fest eingeplante Mittel frei waren. Laut Gemeindewehrführer Dieter Jäger wurde bereits seit 2003 über das neue Boot nachgedacht - "aber es geht ja angesichts der verfügbaren Mittel immer um die Frage: Was ist die dringlichste Neuanschaffung?"

Angeschafft für die Feuerwehr wird jedenfalls kontinuierlich. Und dieses Investieren freut nicht nur die ehrenamtlichen Retter - auch Marco Peter vom Ludwigsfelder Ausrüster. Er war nämlich gerade erst vor drei Wochen in der Gemeinde, um ein 230 000 Euro teuren Einsatzwagen zu übergeben. Der wird beispielsweise dazu genutzt, um Unfallstellen bei Nacht großzügig auszuleuchten oder per elektrischem Seilzug Fahrzeuge zu bergen.

Aber ob Bürgermeister, Minister, Gemeindewehrführer oder Ortswehrführer Dieter Schalo - alle wünschten sich, dass das neue Boot möglichst selten zum Einsatz kommen möge. Auch wenn, so Dieter Jäger, mit der Neuanschaffung "ein Traum in Erfüllung gegangen ist". Zum Glück werde man eher selten aufs Wasser gerufen - vor drei Jahren etwa habe man eine tote Frau bergen müssen. Mit dem neuen Rettungsgerät jedenfalls - der japanische Motor leistet übrigens 50 PS - sei man deutlich schneller am Unglücksort. Und da können bekanntlich Sekunden entscheiden.

Neben dem ernsten Rettungshintergrund fiel aber häufiger auch das Wort Spaß. Denn so ein modernes Gerät, befand etwa Tiepelmann, macht die Feuerwehr attraktiv. Was wichtig sei, so Dellmann, wenn man junge Leute für diese "heimatverbundene ehrenamtliche Arbeit, die den Zusammenhalt fördert", begeistern wolle. In Zerpenschleuse laufe das schon sehr gut, wie der Minister findet - von 43 Feuerwehrleuten sind 11 in der Jugendfeuerwehr. Bisher kann der Ortsteil vier Kameraden aufbieten, die das Boot vorzugsweise auf dem Oder-Havel-Kanal und dem Finowkanal führen können. Im August sollen drei weitere Feuerwehrleute den Bootsführerschein haben.

Bei dieser Gelegenheit kam die Wiederschiffbarmachung des "Langer Trödel" getauften Finowkanal-Stücks zur Sprache. Minister Dellmann brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass aus dem "ganz, ganz alten Kanal bald ein ganz, ganz neuer Kanal" werden möge. Und Ortswehrführer Dieter Schalo meinte, das "Gequatsche über den Ausbau" möge nun aufhören - und dafür endlich Bagger anrollen. Aber auch im derzeitigen Zustand lässt sich der "Lange Trödel" sehr flott befahren, wie die offizielle Jungfernfahrt des Boots eindrucksvoll zeigte. Nur dass dann mitten im Ort Schluss ist mit der Fahrerei. Und da hilft dann auch der stärkste Motor nicht weiter.

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