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Theater Potsdam holt Flüchtlinge auf die Bühne

Erregte Diskussion: Alaa Al Haidar (l.) und Jalal Mando gehören zu den Akteuren im Hans Otto Theater.
Erregte Diskussion: Alaa Al Haidar (l.) und Jalal Mando gehören zu den Akteuren im Hans Otto Theater. © Foto: HL BOEHME
Hartmut Krug / 21.03.2017, 07:00 Uhr
Potsdam (MOZ) An vielen deutschen Theatern gibt es Stücke über die "Flüchtlingsfrage". Es sind meist theoretische, aber auch dokumentarische Texte, die, oft mit deutschen Schauspielern und mit einigen "echten" Flüchtlingen, Fluchtgeschichten für ein betroffenes Publikum liefern.

Autorin Maxi Obexer und Regisseur Clemens Bechtel gehen mit ihrem Stück "Gehen oder bleiben" einen anderen Weg. Sie holen zwölf Flüchtlinge und Auswanderer auf die Bühne, die von den Schwierigkeiten des Lebens in der Fremde berichten. Zu denen auch gehört, dass die Menschen in der neuen Welt meist noch immer mit der Heimat und den Zurückgeblieben verbunden sind. In Sehnsucht oder Entfremdung, weil nur noch per Skype.

Gestörte Beziehungen entstehen, weil die Menschen, je nachdem, ob sie in der alten Heimat oder in der neuen Fremde leben, von unterschiedlichen Erfahrungen geprägt sind. Aus Syrien, Mazedonien, Frankreich, Israel, Russland und dem Iran kamen die Menschen, die uns nun in einer offenen Bühnenlandschaft vorspielen, was sie fühlen.

Dabei sind die Erinnerungen und Gefühle der Flüchtlinge in Theaterszenen übersetzt worden, die bewusst nicht Authentizität behaupten, - auch wenn sie auf der Grundlage von wahren Erlebnissen und Gefühlen entstanden. Hier werden Rollen gespielt und Haltungen kommentiert, - und das mit ernsthaftem Witz und deutlichem Wirkungsbewusstsein.

Es gibt Szenen, die aus den Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache und dem Integrationstest zugleich absurdes Theater entwickeln wie auch existentielle Probleme vermitteln. An anderer Stelle erfährt ein Vater in Eisenhüttenstadt, dessen Frau und Töchter in Kanada leben, von seinem 18-jährigen Sohn, dass dieser mit seiner in der Heimat gebliebenen Freundin Schluss gemacht hat, - wegen des Internets, über das sich keine echte Liebe aufrechterhalten lasse. Dann skypt ein Mann mit seinem in der Heimat zurückgebliebenen Bruder, der ein Auge im Krieg verloren hat. Für das Gespräch zieht der Mann in der Fremde über sein eigenes gesundes Auge eine Augenklappe - und doch kommen die Brüder emotional nicht miteinander klar.

Auf der vollgestellten Bühne herrscht ein ständiges Hin und Her. Da singt Angelique Préau ein arabisches Lied, und schon geht es weiter. Der Abend will zu viel. Statt die einzelnen Szenen stärker auszubauen, springt er zur nächsten. Dennoch überzeugt die Aufführung vor allem inhaltlich, während sie theatralisch eher weniger beeindruckt.

Vorstellungen: 23.3., 2., 8., 11.-13.4., Hans Otto Theater, Schiffbauergasse 11, Potsdam, Karten: 0331 98118

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