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Erstes Treffen des Angermünder Bürgerbündnisses / Große Bereitschaft, Asylbewerber zu integrieren

Hilfe willkommen

Nette Geste: So wie Sabine Schweizer beim Willkommensfest vor der Notunterkunft zeigen viele Angermünder Gesicht und wollen Flüchtlingen offen und hilfsbereit begegnen.
Nette Geste: So wie Sabine Schweizer beim Willkommensfest vor der Notunterkunft zeigen viele Angermünder Gesicht und wollen Flüchtlingen offen und hilfsbereit begegnen. © Foto: MOZ
Daniela Windolff / 21.02.2015, 06:45 Uhr
Angermünde (MOZ) Das Angermünder Bürgerbündnis für eine tolerante, gewaltfreie und weltoffene Stadt lebt wieder auf. Zum ersten Treffen kamen am Donnerstagabend rund 30 Interessenten, die sich im Bündnis engagieren und Flüchtlingen bei der Ankunft und Integration in Angermünde und den Ortsteilen helfen möchten.

Der Gesprächsbedarf ist groß. Das zeigte sich nicht nur an der regen Teilnahme am ersten Treffen des Angermünder Bürgerbündnisses im Rathaus, sondern auch daran, dass der selbstgesetzte Zeitrahmen von eineinhalb Stunden weit überschritten wurde und dennoch nicht alle bewegenden Themen diskutiert werden konnten.

Einige der Teilnehmer waren schon bei der ersten Zusammenkunft Ende Dezember dabei, nachdem der Stadtverordnete Robert Schindler anregte, das Bürgerbündnis, das es zwischen 1998 und 2005 schon einmal gab, wieder zu beleben und Gleichgesinnte dafür suchte.

Dass es dafür in Angermünde und in den Ortsteilen durchaus eine breite Basis gibt, das bewiesen schon erste Aktionen wie die Bürgerversammlung in der Marienkirche und das Willkommensfest vor der Notunterkunft für Asylbewerber, das nun beim Treffen des Bündnisses im Rathaus auch Thema war.

"Ich kenne Demos bisher nur aus Berlin und war ganz überrascht, was hier in der kleinen Stadt auf die Beine gestellt wurde", sagte Pauline Gaugel, die erst vor kurzem nach Angermünde gezogen ist. Nun will sich die junge Mutter gern im Bürgerbündnis engagieren. Auch Marianne Wendt, die im Schwedter Bürgerbündnis mitarbeitet, äußerte sich anerkennend: "Die Vielfältigkeit und Spontanität so vieler verschiedener Menschen hat mich beeindruckt. Man hat gesehen, dass das nichts Aufgesetztes war, sondern die Leute mit Herzblut dabei waren", sagte die Chefin des DGB-Kreisverbandes Uckermark. Sie kam zum Bündnistreffen nach Angermünde, um Erfahrungen auszutauschen und die Zusammenarbeit der Bündnisse im Landkreis anzuregen.Lony Machleidt, Rentnerin aus Altkünkendorf, hat ganz praktische Beweggründe. Sie hilft ehrenamtlich in der Notunterkunft, hat spontan eine Patenschaft für eine tschetschenische Familie übernommen und bietet vor allem den Kindern, die noch nicht in die Schule oder Kita gehen dürfen, Beschäftigung, bastelt, werkelt und bringt ihnen dabei spielerisch auch deutsche Wörter bei. Doris Diller hat sich der jungen Männer aus Kamerun angenommen, lernt mit ihnen die Sprache, übersetzt, begleitet sie zur Kleiderkammer, zu Ämtern und zu Sportvereinen. "Es gibt ja Angebote der Vereine, doch die Asylbewerber können die Aushänge gar nicht lesen und finden den Weg nicht. Sie mussten zumindest beim ersten Mal dorthin begleitet werden. Sie hatten keine Sportsachen, kamen in Jeans und Straßenschuhen", berichtet Doris Diller von zahlreichen kleinen Beschwerlichkeiten.

Dreimal in der Woche besucht sie die Notunterkunft, nimmt oft ihre eigenen Kinder mit, die dann mit den Flüchtlingskindern spielen. Gerade solch Unterstützung im Alltag werde dringend benötigt, erzählen die Frauen aus ihrer Erfahrung. Für die Asylbewerber seien schon kleine alltägliche Dinge, wie der Fahrkartenkauf am Automaten, um zum Amt nach Prenzlau zu kommen, oder das Lesen eines Arztrezeptes wegen fehlender Sprachkenntnisse eine riesige Hürde. Auch Beschäftigung jeglicher Art ist willkommen. Ideen gab es schon im Bündnis. So will Egon Wünsch mit Wolletzer Flüchtlingen Schach spielen. Uwe Theiß kann sich vorstellen, mit Kindern in der Gärtnerei kleine Beete anzulegen, die sie pflegen können.

So verschieden die Beweggründe sind, die die Teilnehmer des ersten Treffens ins Rathaus führte, so vereint sie der gemeinsame Wunsch, in der Stadt ein offenes, freundliches Willkommensklima für alle Menschen unabhängig von ihrer Herkunft und ihrer Kultur zu fördern und den hier ankommenden Flüchtlingen zu helfen, sich in ihrer neuen Welt zurechtzufinden. Wie das im Einzelnen gelingen kann und welche Probleme dabei im Alltag auftreten, darüber wollte sich das Bündnis an diesem ersten Abend verständigen.

Doch zunächst ging es um das Selbstverständnis und die Struktur der Bündnisarbeit und schnell wurde klar, dass angesichts der Fülle der Probleme und auch der großen Bereitschaft der Teilnehmer und vieler anderer Bürger, irgendwie helfen zu wollen, die Zeit eines Treffens nicht ausreicht, um konkrete Vorhaben zu diskutieren.

Im Bündnis will man nun die schon bestehenden freiwilligen Aktivitäten der Flüchtlingshilfe in Angermünde und auch in den Ortsteilen zusammenfassen, den konkreten Bedarf an Unterstützung und akute Probleme erfassen und Ideen für weitere Aktionen diskutieren. So werden beispielsweise dringend Menschen gebraucht, die Russisch sprechen und beim Übersetzen helfen, die Asylbewerber bei Behördengängen und Arztbesuchen begleiten sowie die Freizeitangebote auch am Wochenende machen. Denn die Hauptbeschäftigung der Bewohner in der Notunterkunft ist Warten.

Das nächste Treffen des Bürgerbündnisses findet bereits am 12. März um 18 Uhr im Rathaus statt. Dann soll über konkrete Hilfsangebote beraten werden. Das Bündnis ist offen für jeden.

Leserforum

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snoopy 27.02.2015 - 11:57:13

Toleranz

und das ist das Problem in unserem Staat, dass man, wenn man eine andere Meinung hat gleich Ausländerfeindlich, Rechter oder Nazi ist. Aus Kriegsgebieten kommenden Flüchtlingen muss man helfen,dass ist selbstverständlich. Aber sind das denn alles solche Flüchtlinge?

R 27.02.2015 - 11:36:00

@ LLeser

Das was Sie tun ist persönlicher Angriff. Ich denke dagegen hat unser Grundgesetz etwas. Nur zur Info: Ich bin nicht gegen Ausländer. Ich habe etwas gegen Leute wie Sie, die Andersdenkende sofort in eine Ecke stellen. Lassen Sie einfach jeden seine Meinung. Das bezieht sich auf IHR Kommentar zu den anderen Usern. Lesen Sie sich die Kommentare durch, die Leute haben Angst. Und Sie belehren und beschimpfen. Ich denke es wäre auch nicht gut, wenn es nur Leute wie Sie gibt.

LLeser 27.02.2015 - 09:45:36

@ R

Wenn diese Asylbewerber bei mir wohnen, gönnen sie den trotzdem nichts. Ihre Kommentare sind sehr flach, ohne Hintergrundwissen und basieren auf Ausländerfeindlichkeit. Sie haben überhaupt nichts begriffen. Ihre Dummheit ist einfach nur peinlich und sollte sich nicht vermehren. Wollen wir hoffen, dass unser Staat gegen solche Leute , wie sie es sind, irgendwann mal rechtlich Schritte einleitet. und unser Grundgesetz durchsetzt.

R 26.02.2015 - 19:15:09

An LLeser

Wenn Sie gerne Asylsuchende helfen wollen, dann nehmen Sie doch einfach eine achtköpfige Familie bei sich zu Hause auf und teilen alles mit den Asylsuchenden. Das kann auch jeder Politiker tun der sein Profil aufmotzen möchte. Dann noch jeder der so ein Plakat nach oben hält, und schon sind keine Diskussionen mehr nötig. Und wenn Ihnen das noch zu wenig ist nehmen Sie einfach 2 Familien auf, ich bin mir sicher da kommen noch einige Asylsuchende.

LLeser 26.02.2015 - 16:37:04

sehen sie Frau S., oder F. .....

man darf nicht alle über einen Kamm scheren, dann wird man ungerecht. Und selber kann man auch schnell in Not geraten.

F 26.02.2015 - 16:10:00

A

Ich habe den Eindruck, Sie stellen mich als Ausländerfeindlich hin. Das bin ich bestimmt nicht, denn auch von mir wohnen Freunde im Ausland. Mich regt es nur auf, dass diese Leute von hinten und vorne alles reingeschoben bekommen. Es mag schon sein, dass sie nicht mehr Geld erhalten, als ein ALG 2- Empfänger. Wohnungen werden gestellt, alles muss vom Feinsten sein. Sagen Sie jetzt nicht, das ist nicht wahr. In Wolletz wurde ein kompletter Wohnblock so ausgestattet. Fragen Sie sich doch mal wie es eine junge arbeitslose Familie geht? Da gibt es zwar Geld für Erstausstattung, aber die können sich alles im An- und Verkauf besorgen. Die erhalten auch kein Begrüßungsgeld von 2000 Euro pro Person. Den Flüchtlingen kann von mir aus geholfen werden, aber man sollte doch die eigene Bevölkerung nicht vergessen. Ich kenne genug Leute, die auch Hartz 4 bekommen. Diese leben alle sehr bescheiden und sind froh, wenn sie mal ein paar gebrauchte Sachen geschenkt bekommen. Man darf nicht zu viel RTL schauen, denn da werden alle Hartz 4 Empfänger als dick, doof mit super Wohnung und ohne Zähne dargestellt. Die Wirklichkeit sieht leider ganz anders aus. Es können ja Programme und Beschäftigungen angeboten werden, aber dann bitte auch für die arme Schicht der Bevölkerung. Es ist doch kein Wunder, dass der Hass geschürt wird. Was haben denn Angermünder Kinder und Jugendliche für Möglichkeiten? Da fragt sich kein Mensch, wie die den Tag so rum kriegen ohne Geld. Ich höre nur noch unsere armen Flüchtlinge….. Was ist mit dem Rest?

LLeser 26.02.2015 - 10:06:30

die Zeiten und Ansprüche ändern sich ....

@ Frau S. Asylsuchende und Harz IV Empfänger bekommen die gleiche Leistung. Hier wird um Hilfe für Asylsuchende gebeten. Das ist nach unserer Vorgeschichte eine durchaus beispielhafte Einstellung. Wenn ihre Großeltern selbst als Flüchtlinge auf Hilfe angewiesen waren, ist ihre Einstellung kaum nachzuvollziehen. Mein Schwiegervater war 1945 Kriegsflüchtling und ist über das Verhalten einiger Deutschen entsetzt. Sie suchen sich nur die schlechten Beispiele raus um dann unsachlich zu argumentieren . Es ist doch schlimm genug , dass die Asylsuchenden vor Übergriffen und Anschlägen geschützt werden müssen. Dieses Geld hätte man gut in andere gute Projekte stecken können. Sie können doch auch etwas für die Harz IV Empfänger tun. Starten sie doch einen Aufruf ... mal sehen, wie viele "Ausländerfeinde" ihre Aktionen unterstützen.

Frau S. 26.02.2015 - 07:52:59

Anwort an Leser

Glauben Sie mir, auch ich kenne unsere Geschichte, vielleicht besser als Sie. Meine Großeltern waren Flüchtlinge. Die waren zufrieden, wenn sie in einer Scheune übernachten konnten und vom Bauern noch ein Stück Brot erhiellten. Ich habe keine Angst, dass man mir was wegnimmt, denn ich weiß mich gut zu schützen. Mir geht es nur auf den Geist, dass man seine Meinung nicht mehr frei äußern kann, ohne angegriffen zu werden. Diese Flüchtlinge jedoch, dürfen abfällig über uns deutsche Frauen reden. Dabei leben diese auch von den Steuergeldern, dass wir Frauen einbringen. Kann Ihnen nach Bedarf Beispiele liefern, wenn Sie Wert drauf legen!

Frau S. 26.02.2015 - 06:07:04

Antwort an Frau R.

Wenn Sie des Lesens mächtig währen, dann würden Sie mitbekommen, dass ich den Flüchtlingen nichts vorschreibe. Es war lediglich eine Beobachtung und Feststellung. Was soll dieser Kommentar, die Hartz 4 Leute haben Flachbildfernseher? Wenn heute ein Gerät defekt iist und ein neues wird angeschafft, dann müsen sich auch Hartz 4 Leute solch ein Gerät zulegen, da es den guten alten Röhrenfernseher wohl kaum noch zu kaufen gibt. Außerdem warum soll ein Deutscher, der vielleicht Jahre gearbeitet hat, arbeitslos wurde und jetzt Hartz 4 bekommt, nichts haben, während unsere Flüchtlinge alles bekommen. Der Vergleich hinkt doch wohl.

soso 25.02.2015 - 15:47:55

na ja

Sie haben aber relativ schnell den weg in die Spielotheken gefunden. ...aber irgendwie müssen sie ja ihre freie zeit verbringen. Ich bin auch für Hilfe aber nicht so. Nein danke!

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