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Chronik einer globalen Katastrophe: Soderberghs neuer Thriller "Contagion"

Jennifer Ehle als Ally in dem Thriller
Jennifer Ehle als Ally in dem Thriller © Foto: dapd
15.10.2011, 14:02 Uhr - Aktualisiert 18.10.2011, 17:14
Berlin (dapd) Die Kinobesucher von Steven Soderberghs "Contagion" werden auf jedes Husten im Zuschauersaal anders als sonst reagieren. Und nicht wenige werden nach der Vorstellung Haltestangen in Bussen, Türklinken oder Touchscreens von Bankautomaten leicht verunsichert berühren.´

Man mag "Contagion" als Seuchen-Thriller sehen, doch anders als ähnliche Filme wie "Outbreak" oder "28 Days Later", die allenfalls für die Dauer des Films das Fürchten lehren, setzt Soderbergh die Zuschauer größeren Schrecken aus, indem er das Szenario einer Pandemie so realistisch wie möglich und dokumentarisch kühl auf die Leinwand bringt.

 

Alles beginnt mit einem leichten Husten. Die Leinwand ist noch schwarz, erst wenig später wird man das noch harmlos klingende Geräusch der Geschäftsfrau Beth Emhoff (Gwyneth Paltrow) zuordnen können. Sie ist gerade auf der Heimreise von Hongkong zu ihrer Familie nach Minneapolis. Kaum angekommen windet sie sich fiebrig unter epileptischen Zuckungen und stirbt vor den Augen ihres Ehemannes Thomas (Matt Damon). So schnell dürfte schon lange kein Hollywoodstar von Paltrows Kaliber den Leinwandtod gestorben sein. Kurz darauf stirbt auch Thomas' Sohn - und weltweit werden im Minutentakt vergleichbare Fälle gemeldet.

 

Wie sich das mysteriöse, hochansteckende Virus über den Globus verbreitet, zeigt Soderbergh mit schnell wechselnden Schauplätzen, großem Staraufgebot und sichtbar üppigem Budget. Mit minutiöser Genauigkeit protokolliert der Film, wie alltägliche zwischenmenschliche Situationen wie das Händeschütteln oder das Wasserglas im Restaurant zum lebensgefährlichen Übertragungsherd werden. Während weltweit die Todesfälle in die Millionen gehen, breiten sich von London bis Tokio in gleichem Maße Panik, Chaos und Vandalismus aus.

 

 

Der Film schaltet nicht nur im fliegenden Wechsel von einem Kontinent zum anderen, sondern wechselt auch zwischen Infizierten, Erkrankten und jenen, die fieberhaft nach einem Impfstoff forschen und die Pandemie zu begrenzen versuchen. So etwa die nach China entsandte Epidemiologin der Weltgesundheitsbehörde (Marion Cotillard), die Ärztin Erin Mears (Kate Winslet) oder der Direktor des Center for Disease Control and Prevention (Laurence Fishburne).

 

Doch ob menschliche Tragödie, Zerfall der gesellschaftlichen Strukturen oder fragwürdige Interessen von Pharmaindustrie, Politik und Medien - Soderbergh bleibt stets kühl beobachtend und benutzt die Situationen nie, um sie reißerisch oder sentimental auszumalen.

 

Dies ist es dann auch, was "Contagion" von klassischen Seuchen-Thrillern unterscheidet. Gwyneth Paltrow wird zwar auf dem Seziertisch die Kopfhaut vom Schädel gezogen, aber den Verlust aller zivilisatorischen Strukturen und den blutigen Verteilungskampf um die ersten Impfstoffrationen zeigt Soderbergh ganz und gar unsentimental und distanziert. Der eigentliche Horror vermittelt sich schleichend: So also könnte er aussehen, der immer wieder beschworene Albtraum einer globalen Virus-Epidemie. EHEC, Vogel- oder Schweinegrippe erscheinen im Vergleich dazu wie ein harmloser Schnupfen.

 

("Contagion", Drama, USA 2011, 106 Minuten, FSK: 12, Regie Steven Soderbergh, Darsteller: Matt Damon, Jude Law, Laurence Fishburne, Marion Cotillard, Kate Winslet, Gwyneth Paltrow u. a., )

Kinostart: 20. Oktober 2011

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