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Älteste Schwedt-Karte entdeckt

Michael Dietrich / 23.03.2017, 20:50 Uhr
Schwedt (MOZ) Das Stadtmuseum ist seit dieser Woche stolzer Besitzer der ältesten bekannten Landkarte von Schwedt. Die Karte der Herrschaft Schwedt soll mehr als 300 Jahre alt sein. Sie gilt als kleine Sensation der Stadtgeschichte. Ein Geschäftsmann schenkte sie der Stadt.

Die Karte mit der Bezeichnung "Die Herrschaft Schwedt" ist 1,20 Meter mal 64 Zentimeter groß. Es handelt sich um eine kolorierte Handzeichnung ohne Hinweis auf ihren Zeichner, Auftraggeber oder das Jahr, in dem sie entstand. Die Mitarbeiter im Stadtmuseum sind dennoch regelrecht begeistert. Es ist höchstwahrscheinlich die älteste bekannte Landkarte von Schwedt und sie befindet sich im Besitz des Schwedter Museums.

Das Kartenwerk ist außerordentlich detailliert gezeichnet und mit vielen Ortsbezeichnungen versehen. Zu sehen sind das Schloss von Schwedt in einem quadratischen Umriss, den das erste Schloss von Schwedt hatte, Schanzenanlagen im Kniebusch und auf dem Windmühlenberg, die Burganlage in Wildenbruch, die Gemarkungsgrenze zum "vergkerten Grünow", Viraden, Criven, die Poststraße von Angermünde und eine mögliche Anlage des Jagdvergnügens Monplaisir. Flurstücke auf Feldern, Jagdgebiete wie die Petziger Heyde, Alleen und akribische Verläufe von Flüssen, all das ist unter der Lupe erkennbar. Die Details sind verblüffend filigran und präzise gezeichnet, die Karte scheint auch maßstabsgerecht zu sein. Burg- und Herrschaftsanlagen sind rot, übrige Siedlungen grün, Wasserflächen blau koloriert, die großen Waldgebiete grau schraffiert.

Für das angenommene Alter von mehr als 300 Jahren weist die Karte einen ausgesprochen guten Zustand auf. Aber sie hat auch Stockflecken, Verschmutzungen, Ansätze von Schimmel und zwei Stellen, an denen sie von hinten mit anderen Karten ausgebessert wurde. Die Landkarte selbst ist aus Papier, aufgezogen auf eine Leinwand.

Entdeckt wurde das Exponat auf der Plattform ebay im Internet gleich von drei Heimatforschern aus Schwedt und Angermünde. Unter ihnen Harald Sichtig vom Museumsförderverein "Otto Borriss". Er recherchierte zur Karte, nahm Kontakt zu dem Händler auf und erkannte sehr schnell, dass es sich um eine Rarität handeln könne. Ein vergrößerter Kartenausschnitt verschaffte ihm Gewissheit. "Möglicherweise ist die Karte sogar noch älter. Man erkennt das quadratische Renaissance-Schloss mit den vier Türmen in den Ecken, das auf eine Zeit vor 1680 hindeutet", so Sichtig. 1680 wurde unter Kurfürstin Dorothea mit dem Bau des neuen, barocken Schlosses begonnen, das eine ganz andere Form aufwies. Einige Kartendetails, die bekannten Karten jener Zeit ähneln, lassen Harald Sichtig jedoch vermuten, dass die Karte möglicherweise vom schwedischen König in Auftrag gegeben wurde. Dieser soll 1591 Landvermesser entsandt haben, um seine Eroberungen aufzunehmen.

Bisher bekannt sind Karten von Schwedt, die der Preußische König in Auftrag gab, um sein gesamtes Land zu vermessen. Sie entstanden ab 1771 und befinden sich im Besitz des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz. Stammt die jetzt aufgetauchte Karte aus der Zeit vor 1700 oder sogar noch früher, wäre sie tatsächlich eine Sensation.

Angaben über die Herkunft sind noch genauso vage wie über das Alter. All das soll erst eine wissenschaftliche Untersuchungklären, die einer Sicherung und Restaurierung der Zeichnung folgen soll. "Im Moment wirft die Karte erst einmal viele Fragen auf, sicherlich spannende, keine Frage", bremst Ursula Dittberner vom Museum etwas die Euphorie.

Bisher bekannt ist, dass die Karte von einem Antiquariat in der Oberpfalz stammt, das sie von einem Antikhändler in Paris gekauft haben soll. Weil das Museum das Geld für den Ankauf nicht aufbringen konnte, warb Harald Sichtig um einem Sponsor. Den fand er in Siegmund Bäsler von der WDU. Der Geschäftsführer war begeistert von dem spannenden Fund und erklärte sich bereit, den Kauf zu unterstützen.

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