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Abiturienten stellen Projekt zu den Anfängen der ZABH vor

Mit den Sinti und Roma kippte die Stimmung

Wettbewerbssieger: Domenic Poy und Tom Kache stellen ihre Arbeit im evangelischen Gemeindezentrum vor.
Wettbewerbssieger: Domenic Poy und Tom Kache stellen ihre Arbeit im evangelischen Gemeindezentrum vor. © Foto: MOZ
Jana Pozar / 23.08.2013, 05:29 Uhr - Aktualisiert 27.08.2013, 11:41
Eisenhüttenstadt (MOZ) Die beiden Abiturienten Domenic Poy (19) und Tom Kache (18) sind für ihr Projekt über die Geschichte der ZABH ausgezeichnet worden. Mit einem Vortrag im evangelischen Gemeindezentrum stellten sie das Projekt jetzt öffentlich vor.

Flucht, Vertreibung, Verfolgung, Umsiedlung - das sind einige der Gründe für Menschen, in Deutschland um Asyl zu bitten. In Eisenhüttenstadt gibt es seit mehr als 20 Jahren die zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber im Land Brandenburg - heute heißt sie Zentrale Ausländerbehörde (ZABH). Meist seien diese Menschen aus anderen Ländern in der Stadt nicht willkommen, haben Domenic Poy und Tom Kache, bis vor kurzem Schüler der Gesamtschule 3 in Eisenhüttenstadt, beobachtet. Doch oft seien auch Freundschaften zwischen Eisenhüttenstädtern und den Asylbewerbern entstanden. "Wir sollten nicht vergessen, dass Menschen zu uns kommen, weil sie Hilfe brauchen", sagte Tom Kache in seinem Vortrag.

Für ihr Projekt haben Tom Kache und Domenic Poy die Geschehnisse in den Jahren 1992 bis 1998 untersucht. Einer, der den Jugendlichen bei der Geschichtsrecherche half, ist Pfarrer Christoph Lange, der einst in Eisenhüttenstadt die Gemeinde der Friedenskirche betreut hat. Er erinnerte sich im evangelischen Gemeindezentrum: "Es war eine prägende Zeit, beglückend und frustrierend zugleich. Aber die Kirche hat diesen Menschen die Türen geöffnet." Die Stadt habe sich damals lange zurückgehalten. Als dann die Sinti und Roma nach Eisenhüttenstadt kamen, kippte die Stimmung vollends.

"Es gab Angriffe, verbal und auch auf mich", so Lange. Aber das Pfarrhaus war ein offenes Haus. Die Asylbewerber haben die Gottesdienste aktiv mitgestaltet. "Gemeinsames Musizieren und Lachen standen auf der Tagesordnung. Aus Fremden sind vertraute Freunde geworden", blickte Christoph Lange zurück. Es sei schön, zu hören, dass es heute noch genau so ist. Auch wenn die Probleme mit der Akzeptanz immer noch auf der Tagesordnung stünden. "Wir müssen wachsam sein, unsere Aufgabe ist noch nicht vollständig getan."

Die ehemalige Gynäkologin Dr. Elke Chesin blickte ebenfalls zurück. Doch zunächst kritisierte sie die Aussage, die Solidarität mit Ausländern in der DDR sei aufgesetzt gewesen. "Diese war nicht aufgesetzt. Wir haben gern geholfen, wo es ging. In Eisenhüttenstadt gab und gibt es Menschen mit sehr großem Herzen", so die Medizinerin. Sie erinnerte an die Geburtenzahl der Asylbewerber in der Stahlstadt. "So etwas können wir uns heute nur noch wünschen."

Auch der heutige Leiter der ZABH, Frank Nürnberger, meldete sich zu Wort. "Mir ist ein kalter Schauer über den Rücken gelaufen, als ich die Fotos sah. Alles sieht noch genauso aus wie vor 20 Jahren. Da muss etwas geändert werden", betonte er. Er wisse, dass nach dem Rückgang der Asylbewerber zum Ende der 1990er-Jahre die Asylbewerber heute längst wieder das Stadtbild prägen. Und er wisse auch, dass die soziale Unsicherheit in Deutschland steigt. Dann kommen Menschen aus anderen Ländern, um hier Fuß zu fassen.

"Den Unmut kann man verstehen. Doch es muss Transparenz geben dazu, wie viel Geld die Asylbewerber erhalten, warum sie hier sind. Viele wollen einfach nur eine bessere Perspektive für ihre Kinder. Das muss man dann wieder verstehen", betonte Frank Nürnberger. Er vermisse den Elan von damals, von vor 20 Jahren. "Wer will, kann sich ehrenamtlich bei uns engagieren und somit auch einen Einblick in das Schicksal und Leben der Asylbewerber bekommen."

Tom Kache und Domenic Poy waren sichtlich froh, dass ihre Arbeit bei den Eisenhüttenstädtern so viel Anklang fand. Für ihre Arbeit gewannen sie den Landespreis Brandenburg im Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten.

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