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Islamische Theologie an der Humboldt-Universität

27.03.2017, 14:18 Uhr - Aktualisiert 27.03.2017, 14:49
Berlin (dpa) Nach jahrelangen Diskussionen sollen nun an der Berliner Humboldt-Universität islamische Geistliche für den Dienst in Moscheen und der Seelsorge sowie Lehrer für den Schulunterricht ausgebildet werden. Erste Absolventen sollen die Hochschule nach dem Jahr 2021 verlassen, wie die Universität am Montag mitteilte.

Eine Arbeitsgruppe mit Beteiligung islamischer Verbände, darunter Vertreter der türkischen Religionsbehörde DITIB und des Zentralrats der Muslime in Deutschland, bereite den Studiengang vor, kündigte der Historiker Michael Borgolte, Gründungsbeauftragter des Instituts für Islamische Theologie, an. Angeboten werden sollen Bachelor- und Masterabschlüsse. Offen ist, ob Arabischkenntnisse erforderlich sein sollen. Ein Bekenntnis zum Islam soll aber keine Pflicht sein.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte, der Aufbau des Instituts habe hohe Priorität für den Senat. Die Finanzierung sei mit 13 Millionen Euro bis 2022 gesichert. Er sei sich bewusst, dass die DITIB umstritten sei. "Man muss hingucken und sehen, wie man zusammenarbeitet", sagte Müller.

Berlin sei mit 300 000 Muslimen und rund 80 Gemeinden die Stadt mit der größten muslimischen Bevölkerung in Deutschland. Eine fundierte Ausbildung sei deswegen angemessen, heißt es in einem Papier zur Vorbereitung des Studienganges.

Auch wenn die Islamische Theologie international nicht als wissenschaftliche Disziplin etabliert sei, hätten die fünf anderen Institute in Deutschland bereits positive Erfahrungen gesammelt, betonte Universitätspräsidentin Sabine Kunst. Man brauche etwas Geduld, um die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Islam zu pflegen. Über einen Beirat sollten die "vielfältigen Stimmen der Muslime" integriert werden.

Dem Beirat sollen theologische Sachverständige der muslimischen Verbände sowie vier Hochschullehrer der Islamischen Theologie oder einer nahen Wissenschaft angehören, heißt es in dem Eckpunktepapier. Die Humboldt-Universität nimmt beratend teil.

Neben der DITIB und dem Zentralrat der Muslime sollen dem Beirat die Islamische Föderation Berlin, der Verband Islamischer Kulturzentren und die Islamische Gemeinschaft der Schiiten angehören. Mit den Alleviten sei man im Gespräch. Ein Gebetsraum für Muslime ist allerdings nicht vorgesehen. Das Neutralitätsgebot der Universität sei ein hohes Gut, das nicht aufs Spiel gesetzt werden dürfe, betonte HU-Präsidentin Kunst.

Offen ist, welchem Fachbereich die muslimischen Theologen zugeordnet werden sollen. Die Philosophische Fakultät möchte die Theologen mit Historikern, Philosophen und Bibliothekswissenschaftlern zusammenführen. Von muslimischer Seite hieß es, man wolle eher den Schulterschluss mit der evangelischen Theologie. Im Gespräch war auch eine "Fakultät der Theologien" mit den Katholiken, die bisher an Freien Universität lehren, und den Protestanten.

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