Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Die Chance zum Tanz

Proben im Eurocamp am Helenesee: Bis zu 400 Schüler nehmen mittlerweile am Education-Projekt des Brandenburgischen Staatsorchesters teil. Beim Start vor neun Jahren waren es knapp 80.
Proben im Eurocamp am Helenesee: Bis zu 400 Schüler nehmen mittlerweile am Education-Projekt des Brandenburgischen Staatsorchesters teil. Beim Start vor neun Jahren waren es knapp 80. © Foto: Mandy Timm
Mandy Timm / 29.03.2017, 06:48 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Christine Hellert musste Schulen auch absagen. Zu viele Bewerbungen gibt es inzwischen für die Education-Reihe des Staatsorchesters. 14 Schulen aus acht Städten sind dieses Jahr dabei, darunter vier polnische Einrichtungen. Geprobt wird zurzeit Modest Mussorgskis "Bilder einer Ausstellung".

Richtig zufrieden ist Be van Vark noch nicht. "Ihr habt noch 20 Sekunden", ruft sie vom Hallenrand aus. "Also kleinere Schritte." Der Ochsenkarren zieht zurück auf Start, um gleich darauf sehr behäbig und sehr gebeugt wieder über das Sporthallen-Parkett zu ziehen. Dazu scheppern schwere, tragische Töne von Modest Mussorgskis "Bilder einer Ausstellung" aus einer Musikbox.

Eine der ersten Proben für das neue Education-Projekt steht an. Christine Hellert hat das Eurocamp dafür gebucht. Vier Wochen lang. Weil es sonst keinen vergleichbaren Platz weit und breit gibt, um die riesige Kinderschar, Betreuer, Trainer und Helfer unterzubringen und zu versorgen. Bis zu 400 Schüler nehmen mittlerweile am Education-Projekt des Brandenburgischen Staatsorchesters teil. Als Christine Hellert, die Pressesprecherin, das erste Tanzprojekt mit klassischer Musik vor neun Jahren organisierte, waren es knapp 80.

Wohl niemand hätte 2008 den Erfolg des Vorhabens - für das Schüler ein halbes Jahr lang bei Workshops und als Gruppen an ihren Schulen trainieren, um im Sommer drei Aufführungen auf die Bühne zu bringen - voraussagen können. Es hätte schnell scheitern können, schon des logistischen Aufwands wegen. 36 Prozent der Schüler kommen aus weit entfernten Landschulen in Märkisch Oderland und Oder-Spree. "Für viele Kinder und Jugendliche ist das Education-Projekt eine große Chance", ist Christine Hellert überzeugt. Denn in dem Umfang, mit der Professionalität und einem Profiorchester könnte sich das Projekt keine Schule allein leisten. Zumal sie das Tanz-Musik-Lernprogramm nichts kostet. Die Kosten teilen sich stattdessen Sponsoren. Christine Hellert nennt die Sparkasse, EWE und immer wieder die Drosos-Stiftung. "Ohne die Stiftung ist das Projekt niemals möglich", sagt sie.

Drei Jahre finanziert Drosos nun erneut Kindern professionelles Tanz-Ballett. Vergangenes Jahr brachten sie "Rituale" auf die Bühne des Kleist Forums, dieses Jahr Modest Mussorgskis "Bilder einer Ausstellung" und Ottorino Respighis "Trittico Botticelliano" - gezeigt werden sollen die Zusammenhänge zwischen Malerei, Musik und Bewegung, 2018 werden Schüler eine moderne Adaption von "Romeo und Julia" zeigen. Die Shakespeare-Tragödie mit deutsch-polnischen freien Texten wird schon jetzt vorbereitet.

Dieses Jahr sollen Schüler zunächst erkennen, "welche Gefühle mit Kunst ausgedrückt werden können", erklärt Projektleiterin Hellert. "Gefühle, die man mit Worten oft gar nicht beschreiben kann." Dabei hilft die klanggewaltige Musik der beiden Komponisten. Das Education-Konzept sei zum Leuchtturm-Projekt in Ostdeutschland herangewachsen, macht Christine Hellert deutlich. "Und wir sind zum Erfolg verdammt, sonst finanziert uns niemand."

14 Schulen aus acht Orten machen dieses Jahr mit, darunter polnische Grundschulen und Gymnasien aus Slubice, Rzepin und Kowalów. Anna Kozlowska wird bei der zweiten Probe am Wochenende wieder dabei sein. Die polnische Lehrerin sagt, ihr gefalle das Gesamtkonzept am besten: Kostüme, Musik, Maskenbildner, das internationale Künstlerteam um Tanzpädagogin Be van Vark, das die Schüler anleitet, insgesamt sei das Projekt ein großes, gutes Unternehmen.

Seit fünf Jahren macht die Lessingschule, eine Frankfurter Förderschule, bereits mit. Lehrerin Estrella Ansky redet noch immer euphorisch davon. "Für unsere Schüler ist das der Höhepunkt des Jahres", sagt sie. Zwölf Schüler von der 6. bis zur 10. Klasse sind dabei, einige mit motorischen Störungen. "Das Tanztheater ist absolut wichtig für sie." Die Schüler würden Selbstvertrauen lernen, Kontakt aufzubauen, Durchhaltevermögen, gegenseitigen Respekt. Es sei schließlich ein langer, nicht immer einfacher Weg bis zum Bühnenstück, so Estrella Ansky weiter. "Am Ende sind alle unendlich stolz - und immer fließen Tränen, weil die Emotionen überlaufen." Immerhin: An der Golzower Schule wurden die Darsteller nach ihrem großen Auftritt sogar mit Blumen und Ständchen begrüßt, so stolz war die Schule, beim Education-Projekt dabei sein zu dürfen.

Weitere Infos: www.bsof.de; Premiere 6. Mai Vorstellungen um 14 und 17 Uhr, 7. Mai 15 Uhr jeweils im Kleist Forum

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG