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Steinmetz-Betrieb Broszeit feiert 60-jähriges Bestehen

Feinarbeit auf schwerem Stein: Eine in Goldton hinterlegte Inschrift bringt Jörg-Peter Broszeit auf diesen Grabstein auf.
Feinarbeit auf schwerem Stein: Eine in Goldton hinterlegte Inschrift bringt Jörg-Peter Broszeit auf diesen Grabstein auf. © Foto: Heike Weißapfel/OGA
Heike Weißapfel / 01.04.2017, 14:13 Uhr
Hohen Neuendorf (OGA) Vor 60 Jahren hat Wilhelm Broszeit seinen Steinmetz-Betrieb in der Berliner Straße in Hohen Neuendorf eröffnet. Heute führt sein Sohn Jörg-Peter das Unternehmen. Dessen Sohn Andreas hat den Beruf ebenfalls erlernt.

Sie sind auf Hochglanz polierte, schwere Brocken von drei bis fünf Zentnern Gewicht, und sie tragen klangvolle Namen, die Steine, die in der Werkstatt des Familienhauses Broszeit lagern: Der "Star Galaxy" ist ein schwarzer, mit reflektierenden Mineralen durchsetzter Stein, "Orion" hat einen blau-grauen Grundton, "Indisch Aurora" ist dagegen eher rötlich durchsetzt. Grabsteine sind das Geschäft des Hauses Broszeit, und das nun schon seit 60 Jahren.

Wilhelm Broszeit hat den Betrieb im April 1956 in der Berliner Straße 32 gegründet, und 22 Jahre später hat ihn sein Sohn Jörg-Peter, der jetzige Inhaber, übernommen. "Eigentlich wollte ich noch Tiefbau studieren", sagt er. "Aber nach der Steinmetz-Lehre kam die Armeezeit, und nach den anderthalb Jahren hatte ich keine Lust mehr, noch mal zur Schule zu gehen", erzählt er. "Also habe ich 1976 meinen Meister gemacht."

Da es in den 1970er-Jahren in der DDR fraglich schien, ob der Betrieb privat bleiben könnte, wurde dieser bald danach auf den damaligen Junior übertragen. Es habe dann aber doch keine Schwierigkeiten damit gegeben, dass Broszeit keine Produktionsgenossenschaft (PGH) werden wollte. "Mein Vater hat bis 1980 weiterhin mitgearbeitet." 1992 ist Wilhelm Broszeit gestorben.

Grabsteine zu beschriften, aufzustellen und das Grab einzufassen, ist neben der Kundenberatung das hauptsächliche Metier des Familienbetriebs, in dem noch Jörg-Peter Broszeits Frau Karin im Büro, aber auch draußen mitarbeitet. "Die Steine zu schleppen, ist das Schwierigste", sagt Jörg-Peter Broszeit. "Zwar liefern wir ihn mit einem Kran an, doch dann muss er trotzdem gehoben oder auf der Karre geschoben werden, weil der Kran ja nicht überall hinkommt." Auch die Schrift in den Stein zu hauen, sei nicht so einfach. "Wir machen das per Sandstrahlung oder mit dem Fräsautomaten, aber auch mit der Hand, vor allem bei Nachbeschriftungen auf dem Stein, wenn noch jemand gestorben ist. Dann muss es ja so aussehen wie früher." Da sind dann Vorsicht und Feingefühl geboten, damit der Stein nicht beschädigt wird. Das Material ist teuer. Ein Grabstein kostet je nach Größe und Sorte schon mal 1 200 Euro. Und die Gravur, die nach Buchstaben bezahlt wird, kommt noch hinzu. Wenn er über einer Schrift sitze und die Daten eines jungen Menschen oder Kindes eingraviere, gehe ihm das schon manchmal nahe, sagt Broszeit. "Oder auch, wenn einer nur 65 wurde", sagt der 64-jährige Hohen Neuendorfer nach kurzem Überlegen.

Insgesamt sei der Beruf selbst leichter geworden als noch zu Zeiten seines Vaters, meint Jörg-Peter Broszeit, aber immer noch schwere Arbeit, die auf den Rücken geht. Der Hohen Neuendorfer hat seit vielen Jahren keine weiteren Angestellten, aber er kann sich auf seinen Sohn Andreas verlassen, der auch im Haus wohnt und einen eigenen Steinmetz-Betrieb in Oranienburg führt. Beide helfen sich gegenseitig bei der Arbeit. "Viele Schriften werden heute mithilfe eines Computers auf den Stein gebracht. Aber das überlasse ich lieber meinem Sohn", sagt Jörg-Peter Broszeit.

Einen Blick für Schriften und Formen brauche ein Steinmetz. "Manche haben eine bildhauerische oder zeichnerische Ader, das ist eine schöne Sache für den Beruf. Aber mir sind da eher Grenzen gesetzt", sagt Broszeit.

Das Geschäftsfeld hat sich mit den Jahrzehnten kaum verändert. Doch Erdbestattungen sind weniger geworden. Viele Gräber, vor allem anonyme oder halb anonyme, bleiben ohne Steine. Auch bei Bestattungen im Wald oder im Meer gibt es für einen Steinmetz nichts zu tun. "Das ist schon ein großer Abbruch", sagt Jörg-Peter Broszeit. Zudem würden Friedhöfe dadurch weniger interessant und eher zu leeren Wiesen. Saisonabhängig ist das Geschäft auch. Ende November ist oft Schluss, denn bei Frost können kaum Grabsteine gesetzt werden.

Im Augenblick steht dagegen wieder viel Arbeit an. Zeit für eine Feier mit Kollegen aus dem Kreis ist heute aber auch.

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