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Tierpark Wochenende ohne Bus - Fehrbellin bald besser dran

Haltestelle Rheinsberger Tor: Aus Sicht der kreiseigenen Busgesellschaft ist Neuruppin eine Boom-Stadt. Zusätzliche Buslinien sind finanziell nur dort sinnvoll, wo viele Menschen leben.
Haltestelle Rheinsberger Tor: Aus Sicht der kreiseigenen Busgesellschaft ist Neuruppin eine Boom-Stadt. Zusätzliche Buslinien sind finanziell nur dort sinnvoll, wo viele Menschen leben. © Foto: MZV
Daniel Dzienian / 03.04.2017, 18:04 Uhr
Neuruppin/Ostprignitz-Ruppin (RA) Aus Neuruppin kommen Klagen, dass am Wochenende kein Bus zum beliebten Tierpark Kunsterspring fährt. Das kreiseigene Busunternehmen wird stattdessen demnächst eine stark frequentierte Linie sogar noch verstärken - aus der Kreisstadt nach Fehrbellin.

Die Wilhelm-Gentz-Schule aus Neuruppin bekommt am Wochenende des Mai- und Hafenfestes Besuch von einer Delegation der Partnerschule aus dem tschechischen Nymburk. Die 25 Kinder und drei Lehrer wollten am Freitag in den Bundestag, am Sonnabend zum Drachenbootrennen und am Sonntag in den Tierpark. "Nach Kunsterspring besteht am Sonntag aber gar keine Busverbindung", kritisiert Lehrerin Carmen Krahl. "Das kann ich überhaupt nicht verstehen." Es gebe doch sicher Familien, die nicht im Besitz eines Autos sind und den Tierpark besuchen wollen, meint sie. Einen Bus zu mieten, das könne sich die Schule ohne einen eigenen Förderverein nicht leisten.

Tatsächlich wird das Ausflugsziel nur in der Woche von der Linie 787 zwischen Neuruppin und Gühlen-Glienicke angesteuert "Mit Touristenfreundlichkeit hat das nichts zu tun", meint Carmen Krahl.

Der Chef des kreiseigenen Busunternehmens kennt solche Kritik. "Wenn eine Gemeinde im Kreis ein Ziel angefahren haben möchte, das wir bisher nicht bedienen, dann kann das geklärt werden", sagt Ulrich Steffen, Geschäftsführer der Ostprignitz-Ruppiner Personennahverkehrsgesellschaft (ORP). Er macht aber klar: "Das muss die Gemeinde dann bezahlen."

In einigen Städten in Ostprignitz-Ruppin gibt es für speziellen Ziele Ausnahmen. "Die Stadt Kyritz bestellt zum Beispiel das dritte Jahr in Folge in den Sommerferien zusätzliche Busse auf der Stadtlinie zwischen Untersee und Zentrum", erklärt Steffen.

Zuweilen testet der ORP auch neue Angebote. "Wir wollen ab Ostern sonnabends zusätzlich stündliche Fahrten zwischen Neuruppin und Fehrbellin anbieten", so der Geschäftsführer. Nähere Einzelheiten gibt die ORP in den nächsten Tagen bekannt.

Im Blick hat die Busgesellschaft logischerweise eins: "Die bevölkerungsstärkeren Städte", erklärt Ulrich Steffen. Dazu gehören etwa Verbindungen zwischen Wittstock und Meyenburg, die verstärkte Stadtlinie in Kyritz am Sonnabend von Mai bis September, die Strecke Neustadt/Dosse zum Bahnhof nach Pritzwalk. Und vor allem die Kreisstadt: "Neuruppin ist nun einmal eine Boom-Stadt", so Steffen. Hier fährt die Stadtlinie in der Woche im 15-Minuten-Takt. Auch am Sonnabend lohnt sich zeitweise ein Halbe-Stunde-Takt.

Der Chef der Busgesellschaft macht klar: Es sei nun einmal nicht zu finanzieren, dass zwischen allen Dörfern zu jeder Zeit Busse fahren. "Die Menschen sehen oft am Nachmittag leere Busse über die Dörfer fahren. Dass es sich dabei um Schülerverkehr handelt, und die meisten Schüler nun schon mal ausgestiegen sind, sehen sie nicht." Kritik, die ORP-Chef Steffen nicht nachvollziehen kann, kommt vor allem immer wieder aus Rheinsberg. Verbindung nach Basdorf oder Flecken Zechlin hätten sich auf Dauer einfach nicht gelohnt. "Wir fahren jedes Jahr im Raum Rheinsberg bereits 60000 Kilometer zusätzlich über dem Plan", macht er deutlich.

Die ORP habe die Aufgabe, mit den Busverbindungen die Daseinsvorsorge zu erhalten - mit begrenztem Budget. Den Auftrag gibt der Nahverkehrsplan vor, der jeweils fünf Jahre lang gültig ist und der Kreis immer wieder neu aushandelt.

Die Busse fahren nun einmal verstärkt an Werktagen - um die Berufstätigen zur Arbeit zu bringen und um den Menschen Behördengänge zu ermöglichen. Darüber hinaus gibt es noch den Schülerverkehr. Bezahlt wird all das vom Landkreis - "wir haben also nur öffentlich geförderten Personenverkehr", so Steffen. Das Ganze sei sowieso ein Zuschussgeschäft. "Wenn Busse sich rechnen müssten, dann hätten wir hier Taxipreise. Wir sind nun einmal eine bevölkerungsschwache Region." An Sonntagen, so fügt Steffen hinzu, gebe es viele andere öffentliche Angebote eben auch nicht.

Dass so viele Leute mit dem Bus nach Kunsterspring fahren würden, glaubt der ORP-Geschäftsführer übrigens nicht. "Ich erinnere mich. Die Tierparkleitung hatte vor einigen Jahren zu den Tierparktagen aus eigener Tasche mal Busse bestellt", erklärt der ORP-Chef. "Es blieb bei diesem einen Mal."

Lehrerin Carmen Krahl von der Gentzschule hat jedenfalls ihre Pläne geändert. Für den ausländischen Besuch hat sie jetzt einen anderen schönen Ausflug gebucht. "Wir fahren nun mit dem Dampfer nach Stendenitz", sagt sie.

Ob die Stadt Neuruppin eine Busverbindung an den Wochenenden zu ihrem Tierpark für nötig und wirtschaftlich hält, war am Montag übrigens nicht zu erfahren.

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