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City legen neues Album vor und gehen auf Tour

Claudia Seiring / 05.04.2017, 13:26 Uhr - Aktualisiert 05.04.2017, 13:56
Berlin (MOZ) Wie viele Paare haben sich wohl gefunden, bei diesem Lied? In dem die Geige zunächst wehmütig klagt, um sich dann in euphorische Höhen aufzuschwingen. So dass den Zuhörer das Gefühl erfasst, er könne fliegen. Immer wieder wechselt das Leise und das Laute, hält der Tänzer inne, um dann wie befreit aufzustampfen im Rhythmus des Songs. Wie viele haben sich gefunden bei Sätzen wie "Einmal wissen, dieses bleibt für immer"?

"Am Fenster" ist ein Hymne, die den Spannungsbogen so geschickt hält, dass er auch nach vier Jahrzehnten noch nicht ausgeleiert ist. Die Hymne einer Band namens City, die sich im 45. Jahr ihres Bestehens noch immer auf der Bühne findet und demnächst wieder auf Tour geht. Mit einer neuen Scheibe, auf der sich - als Bonustrack - eine weitere Version des großen Hits befindet.

"Wir haben jetzt einen Aufruf gestartet: Unsere Fans sollen ihre Geschichte zu ,Am Fenster' erzählen", sagt Gitarrist Fritz Puppel mit dem obligatorischen Cowboyhut. Damit würdige die Band diesen Song, verbeuge sich vor ihm. Er sagt das auf einer Bühne, vormittags im Maschinenhaus der Kulturbrauerei in Berlin. Dort stellen die Fünf von City an diesem Dienstag ihre neue Platte vor, ein kleines Konzert, ein Appetitmacher auf "Das Blut so laut". Schon das erste Lied der CD bildet die Klammer für die Geschichte von City, die ohne "Am Fenster" wohl anders verlaufen wäre.

"Marias Worte" heißt der Song, eine Reminiszenz an die Leipziger Lyrikerin Hildegard Maria Rauchfuß (1918-2000), auf deren Text "Am Fenster" basiert. Die Dichterin sei damals wie "vom Blitz getroffen" gewesen, als sie erfahren habe, dass eine Rockband ihre Zeilen vertont, erzählt Puppel. Mit "Marias Worten" nimmt die Band nun 40 Jahre später erneut einen Text der Leipzigerin auf: Nach deren Tod erhielt City eine Mappe mit einer Art Testament von ihr. Vertont eröffnet es nachdenklich und altersweise das Album: "Frag du nicht, was ich spreche/ im Schlaf neben dir. Die Höhe meiner Zeche/ begleich ich nicht mehr hier".

Doch natürlich, so Sänger Toni Krahl, bietet City auch Lautes, Gassenhauer fast. "Heyya - immer gradeaus" ist so ein vorangetriebener Song, in dem nichts beschönigt wird und am Ende trotzdem Hoffnung bleibt: "Der Weg ist steinig, doch die Sonne scheint drauf" wirkt wie das Motto der Bandmitglieder. Alle mehr als 60 Jahre alt - Fritz Puppel auch schon über 70 - widmen sie sich mittlerweile weniger semi-erotischen Gedankenspielen und dem Wunsch nach Aufbruch als philosophischer Aufräumarbeit und Rückblicksgedanken.

Sei's drum. Auch das kann Spaß machen. Sehr hübsch zum Beispiel der "Fliederbusch", in dem musikalisch die Gitarre dominiert und nicht nur vergangene Affären, sondern auch die ebenso vergangene Zeit besungen wird: "Neulich sah ich deine Kinder, kann sein, dass es die Enkel sind"... Der "siebte Himmel" hat mit seinem fröhlichen Geigen-Thema und dem Refrain "wer in den siebten Himmel will muss sechs Mal durch die Hölle" durchaus das Zeug zum Klassiker.

Beklemmend dagegen das Stück "Die Sonne, die Sterne". Toni Krahl singt in dem "Roadmovie-Song" mit knarziger Stimme von einem Anhalter, der sich als gerade aus dem Gefängnis entlassener Mörder entpuppt und neben ihm auf dem Beifahrersitz leise "Am Fenster" summt. Berührend und befremdlich zugleich. Und ganz sanft werden die Rocker bei Matthias Claudius' Abendlied "Der Mond ist aufgegangen", dem sie ohne zu viel Sentimentalität eine neue Seite hinzufügen.

Ob nun gestampft oder feiner ziseliert: Die Männer von City können es noch und es macht Freude, mit ihnen eine weitere Reise anzutreten. Gerne auch zu zweit. Mit einem Glas Wein. Am Fenster.

City: "Das Blut so laut" (Rhingtön/Universal Music), erscheint Freitag; die Band startet ihre Tour dazu am 28. April in Schwerin

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