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Entsorgungsbetrieb informiert über Versuch in acht Kommunen / Weniger eingesammelt als erwartet

Altkleider-Projekt ist vom Tisch

© Foto: Johann Mueller
Doris Steinkraus / 06.04.2017, 05:21 Uhr
Seelow (MOZ) Es sollte der Versuch sein, über Einnahmen die Gebühren, die jeder Bürger für die Entsorgung seines Abfalls zahlen muss, zu reduzieren. In acht Kommunen des Kreises wurde getestet, ob dazu die Altkleidersammlung taugt. Das Vorhaben ist nun wegen Unwirtschaftlichkeit vom Tisch.

Zum Auftakt waren die Akteure noch recht zuversichtlich. In Fredersdorf-Nord, Neuhardenberg, Wulkow, Strausberg-Süd, Müncheberg Nord-West, Podelzig und Reitwein hatten die Bürger 2016 die Möglichkeit, ihre Altkleider direkt in der Tonne am Grundstück zu entsorgen. Der Kreistag hatte zugestimmt, in ausgewählten Kommunen ein Pilotprojekt zu starten. Hintergrund bildeten die Gebührenentwicklungen. Die Leiterin des kreislichen Entsorgungsbetriebes (EMO), Angela Friesse, hatte deutlich gemacht, dass mit Altkleidern seit Jahren kommerzielle Sammler viel Geld verdienen. Da der Landkreis über ein flächendeckendes Leerungssystem verfügt, bot sich an zu testen, ob über diesen Weg Mehreinnahmen zu erzielen sind.

Um für den Versuch keine neuen Tonnen aufzustellen, wurde ein simpler Trick angewandt: Die Bürger sollten die Papiertonnen nutzen, die in den besagten Orten immer freitags geleert wurden. Sie konnten dann sofort mit Altkleidern befüllt werden. Am Sonnabend wurden die Tonnen erneut geleert. In den acht Kommunen standen 3013 der Tonnen.

"13 bis 16 Prozent der Grundstücksbesitzer nutzten das Angebot bei der ersten Leerung", erläutert Angela Friesse in Auswertung des Versuchs. Bei den folgenden Leerungen - insgesamt gab es maximal vier, in zwei Dörfern nur zwei im Laufe des Jahres - sei das jedoch deutlich zurück gegangen. Die erfasste Sammelmenge lag zwischen 800 Gramm je Einwohner im Raum Müncheberg und 1,96 kg in Neuhardenberg. Insgesamt wurden 12,85 Megagramm (Mg, üblicherweise Tonnen) gesammelt. Etwa zehn Prozent waren Restabfall, der nicht verwertet werden konnte.

"Die Gesamtmenge und damit die Wirtschaftlichkeit lagen unter den Erwartungen", resümiert die Werkleiterin in ihrem Abschlussbericht. Gesamtkosten von 546,43 Euro standen Erlöse von 330 Euro je Tonne gegenüber. Zwar könnten mit einer flächendeckenden Sammlung im gesamten Kreis deutlich mehr Alttextilien gesammelt werden, doch es gäbe auch andere Rahmenbedingungen. So war für den Pilotversuch extra der Sonnabend als Leerungstag gewählt worden. Würde man die Papiertonnen generell dafür nutzen, wäre dies nicht möglich. Es gäbe einen ständigen Wechsel der Entsorgungstage, was den Anteil nicht verwertbarer Einwürfe drastisch erhöhen dürfte. Eine Beschaffung zusätzlicher Tonnen würde enorme Kosten verursachen, die letztlich auf den Gebührenzahler umgelegt würden.

Der Modellversuch sollte jedoch das Gegenteil bewirken - Kosten für den Bürger sparen. Hinzu kommen die stark schwankenden Preise für Alttextilien. Selbst ein Maximalerlös von 500 Euro/t würde nicht genügen, um die Selbstkosten zu decken, heißt es aus dem EMO. Möglicherweise sei das Netz der gewerblichen Sammelmöglichkeiten im Landkreis schon zu stark ausgebaut, als dass sich die Mehrzahl der Bürger umstellt.

Der Werkausschuss befasste sich ausführlich mit dem Bericht und folgte der Empfehlung der Werkleitung. Eine Ausweitung der Sammlung auf den gesamten Landkreis wird nicht empfohlen. Im Kreistag gab es keine Anfragen. Das Thema ist damit vom Tisch. Als nutzlos sieht Angela Friesse den Versuch dennoch nicht. Da es vorher keinerlei Erfahrungen gab, sei ein Test nötig gewesen. Nur so habe man belastbare Zahlen erhalten.

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