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Neue Verkehrslösungen für Gedenkstätte gesucht

Schwierige Orientierung: Die Beschilderung am Bahnhof soll verbessert werden.
Schwierige Orientierung: Die Beschilderung am Bahnhof soll verbessert werden. © Foto: MZV
Klaus D. Grote / 06.04.2017, 06:05 Uhr
Oranienburg (OGA) Während seiner Besucherbefragung hat der Kreistagsabgeordnete Axel Heidkamp auch mit Anwohnern der Gedenkstätte Sachsenhausen gesprochen. Weil sie sich über viele Dinge beschwerten, die durch die steigenden Besucherzahlen entstehen, lud Heidkamp am Dienstagabend zu einer Anwohnerversammlung ein.

Der Auslöser für Heidkamps Initiative war die hupende Alarmanlage eines BMW. Die durch einen vorbeifahrenden Linienbus verursachten Erschütterungen lösten offenbar den Signalton an dem geparkten Auto aus. Inzwischen hat sich Heidkamp über den Abbau von Schwingungswellen auf großem und kleinem Straßenpflaster informiert. Die kleinen, in der Straße der Nationen verlegten Steine lösten länger anhaltende Schwingungen aus. Mehrere Anwohner sprachen vom Klappern der Tassen im Schrank, wenn Busse fahren. "Ausschlafen am Wochenende geht nicht. Wenn der erste Bus kommt, sind alle wach", sagte Heidkamp.

Angesichts der angestrebten Taktverdichtung auf der Buslinie 804 forderten Anwohner am Dienstagabend deshalb eine glatt asphaltierte Oberfläche für ihre Straße. Baustadtrat Frank Oltersdorf erklärte, dass sie in diesem Fall an den Kosten beteiligt würden. Bei einer Heraufstufung zur Zubringerstraße müsste ein aufwändigerer Ausbau geplant werden, der dann auch teurer werden würde, so Oltersdorf.

Umbaupläne für die Straße der Nationen gibt es derzeit nicht. Die Stadt hat andere Prioritäten. Mehr als die Hälfte, nämlich rund 200 Kilometer Straße in Oranienburg sind noch unbefestigte Sandpisten, sagte Oltersdorf. Einige Anwohner sahen allerdings nicht ein, warum sie für den Straßenausbau überhaupt zur Kasse gebeten würden. Sie hätten ja bereits für die Gehwege gezahlt, die für die Gedenkstättenbesucher ausgebaut worden seien. An den Kosten wurde die Gedenkstätte jedoch entsprechend ihres zehn Hektar großen Areals beteiligt, sagte Oltersdorf.

Es gab noch andere Ideen zur Entlastung der Anwohner vom Busverkehr. Zum Beispiel könnten die Busse doch an der Straße der Einheit halten. Die Besucher müssten dann die 390 Meter lange Straße der Nationen zu Fuß bewältigen. Das machen schon jetzt viele Gäste, die nicht mit dem Bus kommen. Diese Gruppen würden dann ihren Müll in die Vorgärten der Anwohner werfen, hieß es mehrfach. Auch Anwohner der Hans-von-Dohnanyi-Straße beklagten dieses Problem. Dorthin würden sich viele Gruppen verlaufen oder Busse und Pkw verfahren, um dann wenden zu müssen. Auch davon sind die Anwohner genervt. Einige Gruppenguides würden bewusst die Route über die Hans-von-Dohnanyhi-Straße wählen, um ihnen "Hitler-Häuser" zu zeigen und andere "Unwahrheiten" zu erzählen. "Unser Haus wird fotografiert", klagten mehrere Anwohner. Einer sagte, er würde deshalb sonnabends seinen Vorgarten nicht mehr betreten. Ein älterer Mann stellte die gesamte Gedenkstätte in Frage, seine Frau schlug vor, die Anwohner sollte die Straße der Nationen mit ihren Autos blockieren. Vorgeschlagen wurde auch ein durchgängiger Einbahnstraßenverkehr über Sandhausener Weg und Straße der Nationen. Der gilt zwar teilweise bereits jetzt, doch würden sich gerade die Reisebusse nicht daran halten.

Überhaupt die Reisebusse: Fahrer würden die Motoren laufen lassen, dass es lärmt und stinkt. Ihren Müll würden sie in den viel zu kleinen Papierkörben am Parkplatz entsorgen. Häufig würden sie Einfahrten zuparken, ohne dafür vom Ordnungsamt belangt zu werden. Die städtischen Kontrolleure kämen ohnehin viel zu selten, am Wochenende gar nicht und würden manches auf ihren Streifzügen übersehen, hieß es.

Langfristig müsse die Gedenkstätte über die Carl-Gustav-Hempel-Straße angeschlossen werden, weil es dort keine Anwohner gibt, die vom Fahrzeugverkehr beeinträchtigt würden, schlug ein Anwohner vor. Dies würde eine komplette Umgestaltung des Eingangsbereichs der Gedenkstätte erfordern. Derzeit wird eine Erweiterung des Besucherzentrums vorbereitet. Der geplante Neubau steht noch näher an der Straße der Nationen. Auch über den Zugang vom Finanzamt aus - die Busse könnten am Heinrich-Grüber-Platz wenden - wurde diskutiert.

Auf welcher Route die Besucher auch immer zur Gedenkstätte gelangen - die Wege müssten besser ausgeschildert werden, damit sich die Besucher nicht in den Nebenstraßen verirren und Autos nicht falsch abbiegen. "Meinetwegen alle 30 Meter ein Schild aufstellen", schlug eine Anwohnerin vor. Frank Oltersdorf kündigte eine bessere Beschilderung zum bevorstehenden Umbau des Bahnhofsplatzes an. Der dort bestehende Wegweiser vor der Post ist sehr unübersichtlich.

Auch über das ursprüngliche Problem, die Taktverdichtung zur besseren Anbindung der Gedenkstätte wurde schließlich noch gesprochen. OVG-Chef Klaus-Peter Fischer schließe eine Verlängerung des 824er Busses, der im 20-Minuten-Takt fährt, zur Gedenkstätte definitiv aus. "Der Bus ist perfekt getaktet", sagte Heidkamp. Statt der von Landesregierung, Kreis und Gedenkstätte beschlossenen Erhebung der Fahrgäste schlug Heidkamp vor, für weniger Geld probeweise im Mai einen Pendel-Bus zwischen Bahnhof und Gedenkstätte fahren zu lassen. Dann könnte der tatsächliche Bedarf am besten festgestellt werden, ist sich Heidkamp sicher.

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