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Für den Notfall gerüstet

Herzdruckmassage: Hans Joachim Wünschel (l.) und Gordon Wühler am Modell.
Herzdruckmassage: Hans Joachim Wünschel (l.) und Gordon Wühler am Modell. © Foto: MOZ/Josefine Jahn
Josefine Jahn / 23.04.2017, 07:23 Uhr
Seelow (MOZ) Wer einen Führerschein besitzt, hat auch einen Erste-Hilfe-Kurs besucht. Allerdings liegt dieser mitunter schon lange zurück. Das Programm "Sicher mobil" des ADAC lädt gezielt ältere Verkehrsteilnehmer dazu ein, ihr Wissen wieder aufzufrischen.

"Achtung! Notruf veranlassen, gesamte Kleidung entfernen", ertönt die Anweisung einer weiblichen Stimme aus dem Defibrillator. Das portable Gerät ist mittlerweile in vielen öffentlichen Einrichtungen zu finden und kann - durch die Sprachanweisungen - von jedem Laien bedient werden.

Als Hans Joachim Wünschel seinen Führerschein ablegte, gab es diese Technik noch nicht. "Das ist schon lange her", sagt der 82-Jährige. Um sein Wissen zur Ersten Hilfe aufzufrischen und Neues dazuzulernen, besucht er den Kurs, der gemeinsam vom DRK-Kreisverband Märkisch-Oderland und der Fahrschule Wühler angeboten wird.

Er fahre noch Auto, bis es eben nicht mehr geht. "Ganz so gebrechlich sind wir ja noch nicht", sagt der Seelower und stellt das sogleich bei einer Herzdruckmassage an der Übungspuppe unter Beweis. "Schock wurde abgegeben. Herzmassage mit zwei Beatmungen abwechselnd durchführen", lautet die nächste Anweisung aus dem Defibrillator.

Heike Naumann, zuständig für die Aus- und Weiterbildung in Erster Hilfe beim DRK in Seelow, erklärt den 14 Teilnehmern, wie der Defibrillator funktioniert. "Stellt euch vor, der Dirigent eines Orchesters fällt um. Dann spielt das Orchester wirr weiter." So sei es auch mit den menschlichen Organen, wenn das Herz aufhöre zu schlagen. "Das Gerät gibt elektrische Impulse und untersucht mithilfe der Elektroden, ob das Herz Kammerflimmern hat", sagt Heike Naumann.

Wenn kein Defibrillator in der Nähe sei, gelte weiterhin die Herz-Lungen-Wiederbelebung. Dabei wird eine Herzdruckmassage durchgeführt - das Brustbein des Bewusstlosen wird 30 Mal nach unten gedrückt - und eine Atemspende gegeben, wobei der Hals überstreckt und die Nase zugehalten werden muss. Das öffnet die Atemwege und verhindert das Ausdringen der zugeführten Luft durch die Nase.

Der Vorgang soll im Rhythmus 30 zu 2 solange wiederholt werden, bis die Person wieder bei Bewusstsein ist oder der Notarzt eintrifft. "Am besten ist man dabei zu zweit. Es hilft oft, laut um Hilfe zu rufen, wenn man allein ist", empfiehlt Heike Naumann.

Neben der Tatsache, dass bei vielen der Erste-Hilfe-Kurs lange zurück liegt, komme die Aufregung hinzu, wenn man an einer Unfallstelle Hilfe leisten soll, weiß Fahrlehrer Gordon Wühler. Er hat beim ADAC im Zusammenhang mit dem Programm "Sicher mobil" einen Moderatorenkurs absolviert. "Am schlimmsten sind Gaffer", sagt er. Viele seien nicht einmal sensationslustig, sondern wüssten einfach nicht, was am Unfallort zu tun ist. In dem Fall solle man Personen konkret ansprechen und Aufgaben verteilen. "Sie in der roten Jacke setzen den Notruf ab, Sie in der schwarzen Jacke stellen das Warndreieck auf", könne etwa eine Anweisung lauten. Ruhe bewahren und sich selbst nicht in Gefahr bringen sei wichtig. Deswegen werden im Kurs auch noch einmal die Schritte wiederholt, nach denen bei der Hilfeleistung gehandelt werden soll.

"Wenn ich an einen Unfallort komme, was mache ich zuerst?", fragt Heike Naumann die Teilnehmer. "Warnblinkanlage anstellen und Warnweste anziehen, dann das Warndreieck aufstellen", tragen die Frauen und Männer zusammen. Es komme leider häufig vor, so Gordon Wühler, dass die eigene Sicherheit in der Schrecksituation vergessen und Ersthelfer verletzt werden. "Mein Tipp: Die Warnweste im Innenbereich des Autos aufbewahren, um sie griffbereit zu haben", wirft Heike Naumann ein. Nachdem man sich einen Überblick verschafft hat, kann der Notruf abgesetzt werden. Die W-Fragen sind dabei wichtig: "Wo ist was passiert, wie viele Verletzte gibt es und welche Verletzungen sind das?", wiederholt Wühler. Sein Tipp für die Orientierung in einer fremden Umgebung: "Jeder fünfte Leitpfosten, sowohl an Autobahnen als auch an Landstraßen, ist mit einer Standortmarke versehen."

Noch wenige freie Plätze gibt es für den nächsten, kostenlosen Kurs am 16. Mai, ab 18 Uhr. Anmeldung bei Gordon Wühler unter Tel. 0152 26048366

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