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Schlachten mit Fantasie-Armeen

Ellen Werner / 24.04.2017, 06:23 Uhr
Eberswalde (MOZ) Tabletop heißt das Zauberwort für sie. Leute wie Max Kuchcinski und Mario Kracht hat die Leidenschaft fürs Strategiespiel voll im Griff. Im Vordergrund steht für die Eberswalder dabei nicht mal das Zocken. Sie reizt vor allem das Erschaffen ganz eigener Welten und Figuren.

Da stehen sie versammelt in einer Vitrine: Grüne Orks und Elfen, Untote und Rattenmenschen, Zwerge und Chaos-Dämonen. Allesamt die besten ihrer Art, die den Leuten von der Tabletop-Gruppe bislang gelungen sind. Erschaffen, um kleine und große Schlachten zu schlagen - auf dem Spieltisch.

Tabletop, englisch für Tischplatte, steht für Strategiespiele, bei denen Miniaturfiguren auf vorzugsweise selbstkreierten Spielbrettern gegeneinander ins Feld ziehen. Das Großartige daran, findet Max Kuchcinski, ist es, alles selbst zu machen, von den Figuren bis zur Landschaft. "Ich habe eigentlich als kleiner Knirps schon angefangen mit Modellbau", erklärt der 27-Jährige seine Leidenschaft. Mit seinem Vater hatte er mal die Modellanlagen mit Panzern an den Seelower Höhen bewundert. Später baute er selbst Modelleisenbahnen und andere Anlagen auf. Mit all den Objekten auch zu spielen, war die logische Fortsetzung des Hobbys, das er als einen Mix aus Fantasy, Modellbau und Rollenspiel beschreibt.

"Es geht darum, Szenarien zu spielen", erläutert Kuchcinski, der als Heilerziehungspfleger arbeitet. In den Kampagnen, wie er sie nennt, können sich die selbst erschaffenen Helden von Runde zu Runde entwickeln. "Das ist eigentlich wie bei Strategiespielen auf dem Computer - nur auf dem Brett." Die Charaktere können Erfahrungen sammeln, neue Fähigkeiten oder Ausrüstungen bekommen. "Es gibt schier endlose Möglichkeiten", sagt der Eberswalder enthusiastisch.

Tabletop-Spiele gehen auf die Zinnsoldaten zurück, mit denen einst Schlachten vorgedacht wurden, erläutert Maik Scholz, der wie Max zur Tabletop-Gruppe in den offenen Räumen des Hebewerk-Vereins im Brandenburgischen Viertel gehört. "Sobald man zwei Armeen hat, kann jeder dazu kommen und mitspielen." Wobei nicht das Militärische im Vordergrund stehe, sondern die Strategie, betont er. Theoretisch sind auch die Möglichkeiten für die Spielwelten unerschöpflich. Es kann um Fantasy gehen wie bei den Orks aus dem "Herr der Ringe" , um Schlachten im Weltraum oder in der Steinzeit. Es gibt diverse Spielsysteme wie "Warhammer" oder "Saga" - was bei der Gruppe in der Havellandstraße wegen der einsteigerfreundlichen Regeln und der in die Wikingerzeit verlegten Story gerade gut läuft.

Bevor Max Kuchcinski vor einem Jahr mitbekommen hatte, dass die Brettspielfans dort an jedem Freitagabend zusammenkommen, dachte er, er sei mit dem Faible in Eberswalde allein. Inzwischen hat die Gruppe zehn Mitglieder. Und immer mal schaut jemand Neues vorbei. Wie gerade am Freitag der junge Mann, der gleich mal einen Pinsel in die Hand gedrückt bekommt. Vor allem das Bemalen der winzigen Figuren, die die Spielefreaks im Bausatz als blaue Plastikmännchen kaufen, ist essentieller Bestandteil der gemeinsamen Leidenschaft. "Es ist halt ein zeitintensives Hobby", sagt Mario Kracht. Deshalb ist der 30-jährige Ex-Eberswalder, der dafür extra aus Berlin anreist, auch nicht allzu oft dabei.

Jeder hier habe so seine Vorlieben, sagt Kracht. Ist es für manche die Gestaltung der Figuren, lieben andere das Frickeln an der Spiellandschaft mit Details bis zum Toilettenhäuschen auf dem Schlachtfeld. "Es gibt auch Leute, die spielen gar nicht, die stellen sich das nur in die Vitrine", sagt er süffisant - Spieltage gibt es auch bei der Eberswalder Gruppe noch selten.

Wenn doch, "dann tauchen die Jungs komplett in diese Welt ab", sagt Anastasia Duckert. Sie selbst macht gar nicht mit, hat aber von ihrem Platz in der Nähwerkstatt aus schon bei einigen Spielen zugesehen. "Man kann sich komplette eigene Geschichten ausdenken - die Jungs schlüpfen direkt in die Rollen hinein."

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