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Das Verführerische des Heckentheaters

Der Ort der Inspiration: Zusammen mit Kathrin Hauer ging Giorgio Madia die Ideen zum Szenen- und Kostümbild durch.
Der Ort der Inspiration: Zusammen mit Kathrin Hauer ging Giorgio Madia die Ideen zum Szenen- und Kostümbild durch. © Foto: MZV/Bandoly
Inez Bandoly und Christian Schönberg / 02.05.2017, 18:33 Uhr - Aktualisiert 03.05.2017, 22:00
Rheinsberg (MZV) Giorgio Madia gehört zu den namhaftesten Opernregisseuren in Europa. In diesem Jahr wird er in Rheinsberg "Carmen" inszenieren. Zu seinem Erfolgsgeheimnis gehört auch, dass er sich mit den Spielorten intensiv vertraut macht. Der RA war am Sonntag dabei.

Bis zum vorigen Sonntag kannte Giorgio Madia die Schloss-Hecke nur von Bildern. Bei seinem Besuch lernte er sie nun in natura kennen. Es war sein erster Ausflug nach Rheinsberg. Frank Matthus, künstlerischer Leiter der Kammeroper, führte ihn durch den Schlossgarten und speziell das Heckentheater. Madia war beeindruckt.

Der gebürtige Mailänder inszeniert mit "Carmen" eine der berühmtesten Opern: Melodien wie der Marsch der Toreros oder der Habenera "L'amour est un oiseau rebelle" gehören zum Weltkulturgut und beeindrucken selbst Musikliebhaber, die meinen, mit Oper nicht viel am Hut zu haben. Und dann die Geschichte: Jung, schön, wild und mit unbedingtem Freiheitswillen - so präsentiert sich Carmen. Die Männer erliegen dieser Aura.

Bizets Musik zeichnet die Situationen stimmungsvoll von der Leichtigkeit zu Beginn über Verführung und Spiel bis zum dramatischen Ende. Eine reizvolle Bandbreite für Giorgio Madia, dessen Inszenierungen der Ruf dynamischer Ausstrahlung und dramatischer gestischer Kraft vorausgeht. Sein Sinn für Raffinesse und die aufregenden Momente für Poesie und Ironie machen ihn zu einem gefragten Musiktheater-Regisseur. In Rheinsberg wird ihm als musikalischer Leiter Aurélien Bello zur Seite stehen. Er stammt aus dem Heimatland von George Bizet, hat anfangs in Lyon studiert, später aber auch an der Berliner Hochschule "Hanns Eisler". Seit 2009 ist Aurélien Bello ständiger Dirigent der Jungen Philharmonie Brandenburg.

Nachdem Giorgio Madia unter anderem den Fundus der Kostümabteilung in Rheinsberg inspiziert hatte, lief er mit Frank Matthus durch den Schlossgarten. Sein Schritt war beherzt, der Blick konzentriert - so als ginge er in Gedanken schon Details der Inszenierung durch. Am Heckentheater angekommen, stieg Madia über die sieben breiten Stufen der Zuschauerreihen. Oben stand er, staunend, blickte zur Bühne und hielt kurz inne. Dann atmete er tief durch und begann, das Gelände in alle Himmelsrichtungen abzuschreiten. Das alles nicht nur auf Fotos, sondern in Wirklichkeit zu erleben, und so die räumlichen Verhältnisse und Distanzen erkunden zu können, nannte der Musiktheater-Regisseur "seelische Vorbereitung". Die Kulisse und überhaupt der Schlossgarten beeindruckten Madia. Er meinte, dass dieses Ambiente bereits die Stimmung der Künstler sowie die des Publikums beeinflussen wird.

Behutsamer betrat Madia die Gänseblümchen-Wiese. Dort hielt er im Gespräch inne: Bühnen- und Kostümbildnerin Kathrin Hauer zeigte ihm dort einzelne szenische Aufstellungen. Florian Parkitny, der die Kostüme kreierte, begleitete sie dabei.

Giorgio Madia wurde ab 1976 zum klassischen Ballett-Tänzer an der berühmten Mailänder Scala ausgebildet. In seiner Geburtsstadt begann also seine Laufbahn. 1985 wurde er von Maurice Béjart als Solotänzer verpflichtet. Bejárt, der 2007 verstorben ist, etablierte das sogenannte "spectacle total" - zu deutsch: "Totaltheater", dem sich auch Madia in seinem Schaffen verbunden fühlt. Hinter diesem Begriff steckt unter anderem der Anspruch, auf der Bühne verschiedene künstlerische Ausdrucksweisen zur Sprache kommen zu lassen und miteinander zu verbinden - ob es Regie, Spiel oder Musik ist. Gearbeitet hat Madia auch unter dem berühmten Rudolf Nurejew. Der Balletttänzer tatarischer Abkunft gilt als bedeutendster seines Fachs im 20.Jahrhundert und starb 1993 an Aids.

Ab 1997 widmete sich Madia der Arbeit als Ballettmeister und Pädagoge beim Baseler Ballett, sodann beim Berliner Ballett an der Komischen Oper. Jetzt will er alles daran setzen, den frischen Zauber Rheinsbergs einzufangen, den er am Sonntag erlebt hat - für eine Inszenierung von nachhaltiger Wirkung.

Am 4. August um 20Uhr ist Premiere von "Carmen" - und es folgen sieben weitere Aufführungen: am 5., 6., 8., 9., 11., 12. und 13.August, an den Sonntagen ab 18, sonst ab 20Uhr.

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