Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Mehr Busse zur Gedenkstätte würden auch mehr Belastungen für Anwohner bedeuten

Unzureichende Verbindung: Nur stündlich verkehren in der Woche OVG-Linienbusse vom Bahnhof Oranienburg zur Gedenkstätte Sachsenhausen
Unzureichende Verbindung: Nur stündlich verkehren in der Woche OVG-Linienbusse vom Bahnhof Oranienburg zur Gedenkstätte Sachsenhausen © Foto: OGA
Friedhelm Brennecke / 04.05.2017, 06:30 Uhr
Oranienburg (OGA) Bessere Busverbindungen vom Bahnhof zur Gedenkstätte Sachsenhausen sind das eine. Die Interessen der Anwohner, die sich zunehmend durch den erheblich angewachsenen Besucherverkehr belästigt fühlen, das andere. Beides kam in einer zweiten Anliegerversammlung erneut zur Sprache.

Die Anlieger ließen keinen Zweifel daran, dass über die Infrastruktur rund um die Gedenkstätte nachgedacht werden müsse. Was bei 200 000 Besuchern im Jahr 1993 vielleicht ganz gut funktionierte, klappe bei 700 000 Besuchern 24 Jahre später eben nicht mehr reibungslos. "Wir erwarten endlich, dass sich hier sichtbar und spürbar etwas verbessert", sagte Falko Hoppe, der seit zehn Jahren am Schäferweg zu Hause ist.

Ihn nerven vor allem die Reisebusse, die einen Großteil der Besucher zur Gedenkstätte bringen. "Die Fahrer lassen auf dem Parkplatz, der dicht am Wohngebiet liegt, oft minutenlang die Motoren laufen. Das ist unerträglich", so Hoppe. Andere Anlieger beklagten sich darüber, dass Busse häufig zu schnell über die gepflasterte Straße der Nationen donnerten, sodass die Gläser im Schrank klirrten. Gefährliche Manöver gebe es zuweilen, wenn Busse bei Begegnungsverkehr in der schmalen Straße der Nationen zurücksetzen müssten.

"Wann endlich nimmt sich jemand dieser Probleme an?", fragte Hoppe. "Wir bemühen uns mit der Gedenkstätte schon seit Jahren darum, einen Parkplatz für Reisebusse weiter weg von der Wohnbebauung anzulegen", sagte Baustadtrat Frank Oltersdorf (SPD). Doch bisher sei das am Erwerb der dazu nötigen privaten Flächen gescheitert.

Reisebusse sollten nach Vorstellung des Stadtverordneten Heiner Klemp (Grüne), der an der Versammlung teilnahm, nur noch zum Ein- und Aussteigen vorfahren dürfen. Sie müssten aber an anderer Stelle parken.

Der Ausbau der Straße der Nationen hat für die Stadt bisher keine Priorität. "Dabei könnte eine Asphaltierung dieser Straße sicher manche Probleme der Anwohner lösen", betonte Dr. Horst Seferens, Pressesprecher der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten. Priorität hätten in Oranienburg laut Beschluss der Stadtverordneten aber jene Straßen, die von Bomben befreit werden müssen. Anlieger würden an den Kosten des Straßenausbaus im Übrigen beteiligt werden, betonte der Baustadtrat.

Eine Verlängerung der Buslinie 824 bis zur Gedenkstätte sei zu teuer, sagte Susann Cersovsky von der Oberhavel Verkehrsgesellschaft (OVG). Sollte allerdings eine Zugangsmöglichkeit vom Heinrich-Grüber-Platz zur Gedenkstätte geschaffen werden, könnte die an der Bernauer Straße vorbeiführende Buslinie ihrerseits Zubringerdienste von und zur Gedenkstätte übernehmen. Damit ließe sich relativ schnell ein 30-Minuten-Takt zur Gedenkstätte verwirklichen, so Susann Cersovsky.

Den gesamten Linienbus-Verkehr zur Gedenkstätte über den Heinrich-Grüber-Platz zu führen, hatten bereits Verena und Henning Schluß aus der Straße der Nationen angeregt. Damit wären die gravierendsten Verkehrsprobleme aus dem Wohngebiet verbannt, so ihre Überzeugung. Christian Wollank, der seit fünf Jahren Anlieger der Gedenkstätte ist, hatte vorgeschlagen, die Gedenkstätte über die Carl-Gustav-Hempel-Straße anzubinden. Denn dort wohne niemand. "Das ist unsere einzige Chance, noch etwas vor dem Bau des neuen Besucherzentrums zu verändern", sagte Wollank.

Horst Seferens stellte für die Gedenkstätte hingegen unmissverständlich klar, dass sich Besucherströme nicht ohne Weiteres umleiten ließen. Die Topografie der Gedenkstätte dürfe nicht verändert werden. "Das Besucherzentrum und auch dessen geplante Erweiterung ist nun mal von der Straße der Nationen aus zugänglich. Und alle Besucher müssen wir durch dieses Zentrum in die Gedenkstätte leiten. Das ist gesetzt, daran können wir nicht rütteln", sagte Seferens.

"Wir kommen bei der Komplexität der angesprochenen Probleme nur gemeinsam weiter", schlug Frank Oltersdorf einen runden Tisch vor, an dem Vertreter der Stadt, des Landkreises, der OVG und natürlich der Gedenkstätte an Lösungen arbeiten sollten. "Es wird sicher nicht den großen Wurf geben, aber Verbesserungen sind aus meiner Sicht sehr wohl möglich", sagte Oltersdorf. Bei ersten greifbaren Ergebnissen werde darüber informiert. Für Axel Heidkamp, Kreistagsabgeordneter der "Grünen Piraten", der zu den Versammlungen eingeladen hatte, ist das ein erster Schritt in die richtige Richtung. "Ich bleibe an dem Thema dran", versicherte Heidkamp.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG