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Energie trifft Figürlichkeit

Julia Lehmann / 06.05.2017, 06:19 Uhr
Niederfinow (MOZ) Die Kirche Niederfinow als Bindeglied internationaler Künstler: In Kooperation mit dem Kirchenverein zeigt René Cadena Ayala dort seit Sonnabend seine Kunst. Zu sehen sind auch Arbeiten der niederländischen Fotografin Els Botman und Cecilia Lampo aus Bolivien.

Eigentlich hängt alles schon am richtigen Platz. Seit Freitagmorgen bereitet der Künstler René Cadena Ayala die zweite Kunstausstellung in der Dorfkirche Niederfinow unter seiner Leitung vor. Eine internationale Kunstausstellung, wie er das Vorhaben, das gemeinsam mit der Kirchengemeinde organisiert wurde, überschrieben hat. Die Malereien von Cecilia Lampo, die wie Cadena Ayala aus Bolivien stammt, bei der Ausstellung aber nicht anwesend sein kann, sind auf dem Postweg in Köln steckengeblieben. Zu dem Künstler würde es nicht passen, in einer solchen Situation beunruhigt zu sein. "Bis zum Nachmittag ist alles da", ist sich der 53-Jährige sicher.

Bei der ersten Ausstellung im September füllte Cadena Ayala, der in Bolivien und Potsdam Kunst studiert hat, die kleine Kirche noch allein mit seinen Werken. Diesmal soll es international zugehen. Einige Werke sind Gemeinschaftsprodukte mit der niederländischen Fotografin Els Botmann. Eine durchaus weitgereiste Frau, die dem beruflichen Werdeganges ihres Mannes bis nach Bolivien und Berlin gefolgt ist, wo auch je eine ihrer Töchter geboren wurde. Ihre Kunst verbindet Botman und Cadena Ayala schon länger, die gemeinsame Ausstellung ist allerdings Premiere. Dabei könnten die beiden unterschiedlicher kaum sein - allein durch die Art, wie sie Kunst umsetzen.

Das Ausgangsmotiv wird bei der 44-jährigen Niederländerin mittels Technik völlig verfremdet. Aus Fotos fertigt die Künstlerin Kollagen, die sie digitalisiert und anschließend in die Länge zieht. Angefangen habe Botman, die an der Photo Academy of Amsterdam studiert hat, mit der Fotografie von Bäumen. Zu Beginn figürlich noch präzise erkennbar - wenngleich Botman eine Vorliebe für Unschärfe hat - haben ihre neueren Werke diese klaren Strukturen verlassen. Warum Bäume? "Von ihnen geht eine starke Energie aus", findet Els Botman.

Diese Sensibilität für das Nicht-Sichtbare ist heute Grundlage für all ihre Arbeiten: "Mein Ziel ist es, Energien durch Bewegung visuell darzustellen." Nicht zu wissen, was genau man sieht, wird dabei zum Prinzip erklärt. "Kunst wird oft nur als Dekoration verstanden. Ich hasse das", sagt sie. Für sie stehe die Auseinandersetzung damit im Vordergrund. In ihrem "Sun Project", für das sie über drei Jahre hinweg die Sonne immer wieder fotografiert hat, nutzt Botman die Kraft der Farben, um Energien freizusetzen.

Wie weit sie diese Streckung treibt, wird besonders anhand zweier Werke erkennbar, die zur Ausstellung gehören. Ein Gemeinschaftswerk, hat doch René Cadena Ayala die etwa zwei Meter langen, schmalen Drucke mit seinen Zeichnungen erweitert. "Seine Welt geht in meine über", beschreibt es Els Botman.

Diese Figürlichkeit, mit der sie einst begonnen hat, findet sich in den jüngsten Werken von Cadena Ayala wieder. Der Bolivianer arbeitet zwar auch international als freischaffender Kommunikationsdesigner - zeichnet und malt demnach auch digital - legt sich aber in der Form der künstlerischen Umsetzung nicht fest. "Je nach Impuls", sagt Cadena Ayala. Seitdem er aber im vergangenen Jahr nach Niederfinow gezogen war, hat er die umliegende Landschaft zu seinem Lieblingsmotiv erklärt. In schweren, oft pastelligen Acrylfarben hat er das Oderbruch mit seinen Tälern und Bäumen auf Leinwand eingefangen und sich damit einer für ihn traditionellen Art der Kunst bedient. Die Werke beider Künstler sind Ausgangspunkt für den jeweils anderen und entwickeln etwas Ergänzendes, sobald sie sich in der kleinen Kirche gegenüberstehen.

Und noch etwas anderes verbindet die beiden: René Cadena Ayala lebt seit 25 Jahren in Deutschland. Im Gebäude der alten Schule hat er Heim und Arbeitsstätte eingerichtet. Während der brandenburgweiten Tage des offenen Ateliers an diesem Sonnabend und Sonntag öffnet er seine Räume für Besucher der Ausstellung. Seinen in 4000 Meter Höhe gelegene bolivianischen Heimatort hat er also vor vielen Jahren bereits verlassen.

Trotzdem fühlt er noch immer eine tiefe Verbundenheit zu diesem Land, die auch Els Botman teilt. Die 44-jährige Niederländerin hat drei Jahre lang dort gelebt, kennt das Land, die Menschen. In Berlin, wo René zuletzt zuhause war, kreuzten sich die Wege der beiden zum ersten Mal. Für den Künstler hatte die Dichte der Großstadt etwas Beklemmendes entwickelt. Und auch für Els war Berlin nur eine Zwischenstation auf ihrer Suche nach Energien. Sie lebt inzwischen wieder in den Niederlanden, damit ihre Töchter dort aufwachsen.

Internationale Ausstellung in der Dorfkirche Niederfinow, Choriner Straße 14; geöffnet vom 6. bis 14. Mai, immer von 11 bis 16 Uhr, Eintritt frei

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