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Lehrer wehrt sich im Streit um das Mathe-Abi

Umstritten: Hier ein Ausschnitt der Aufgabe 2.1 im Mathe-Abi, die vielen Schülern Kopfzerbrechen bereitete.
Umstritten: Hier ein Ausschnitt der Aufgabe 2.1 im Mathe-Abi, die vielen Schülern Kopfzerbrechen bereitete. © Foto: privat
Mathias Hausding / 11.05.2017, 19:10 Uhr
Potsdam (MOZ) Wer ist dafür verantwortlich, dass Brandenburger Schüler beim schriftlichen Mathe-Abi in der vergangenen Woche Aufgaben lösen sollten, die zuvor nicht im Unterricht behandelt worden waren? Während das Brandenburger Bildungsministerium die Schuld bei den Schulleitern sieht, die angeblich dafür hätten sorgen müssen, dass der fragliche Stoff unterrichtet wird, weil er verbindlicher Teil des Lehrplans sei, sieht das ein betroffener märkischer Mathematiklehrer anders. "Ursache für die immensen Probleme war ein hausinterner Fehler im Ministerium", sagte der Pädagoge, der anonym bleiben möchte, im Gespräch mit dieser Zeitung.

Er verweist darauf, dass es in der strittigen Prüfungsaufgabe 2.1 nicht um eine bloße natürliche Logarithmusfunktion gegangen sei, sondern um eine sogenannte Kurvenschar. "Das wurde in den bisherigen Diskussionen über die Probleme der Schüler gar nicht thematisiert", betont der Lehrer. Die Unterscheidung sei aber wichtig, um zu verstehen, was schiefgelaufen ist. So sei die Beschreibung einer solchen Kurvenschar schon deutlich anspruchsvoller, aber grundsätzlich auch kein Problem für Schüler des Mathe-Leistungskurses.

Der Lehrplan habe den Schulen nun vorgegeben, dass von vier zu behandelnden Funktionsklassen lediglich zwei als Kurvenscharen vermittelt werden. "Weitere Auflagen wurden nicht gemacht", sagt der Lehrer. Sowohl die Fachkonferenz seiner Schule "als auch alle anderen mir bekannten" hätten sich für zwei jener vier Funktionsklassen als Kurvenscharen entschieden, die in den vergangenen Jahren immer Teil der Abiprüfungen gewesen seien - und gegen die natürliche Logarithmusfunktion als Kurvenschar, die nun unerwartet Abi-Thema war.

Als "groben Fehler" des Ministeriums bei der Vorbereitung des Abiturs wertet der Lehrer, dass in den übermittelten Mathe-Prüfungsschwerpunkten keine verbindliche Festlegung auf jene Kurvenschar erfolgte, die schließlich Thema wurde. "Das wäre zwingend notwendig gewesen, da der Lehrplan den Schulen eine Auswahl ermöglichte."

Ihm tue es sehr leid, dass die Schüler bei dieser so wichtigen und auch in anderen Themenbereichen ungewöhnlich schwierigen Klausur Opfer von Fehlern geworden seien, die jedoch nicht in der Verantwortung der Schulen liegen, so der Pädagoge.

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Horst Gregor 12.05.2017 - 11:52:22

@Alex Mayer

"... Die zu große Bandbreite im Leistungsspektrum der Schüler ist sicher schwierig für die Lehrer, aber wäre es nicht eine Lösung, den leistungsstarken eben mal Extraaufgabe zu geben, die ein wenig anspruchsvoller sind, z.B. als Hausaufgabe?" Sicher, das werden die meisten auch getan haben und nicht nur als Hausaufgabe sondern auch als Differenzierungsmaßnahme im Unterricht. Es ist ja auch fraglich, ob wirklich die Mehrheit der Mathelehrer in Brandenburg diese dargestellte Meinung vertritt.

Alex Mayer 12.05.2017 - 11:39:52

Wenn das die besagte Aufgabe ist, dann lach ich mal laut los.

Mein Abi ist jetzt 11 Jahre her und das letzte mal Kurvendiskussion habe ich vor gut 5 Jahren mal benötigt. Trotzdem kann ich gut 2/3 der gestellten Aufgaben vollständig und richtig lösen. Wer sein Abitur in Mathematik schreibt und vorher eine 1 oder 2 hatte, sollte diese Art von Aufgabe lösen können. Die zu große Bandbreite im Leistungsspektrum der Schüler ist sicher schwierig für die Lehrer, aber wäre es nicht eine Lösung, den leistungsstarken eben mal Extraaufgabe zu geben, die ein wenig anspruchsvoller sind, z.B. als Hausaufgabe?

Horst Gregor 12.05.2017 - 10:22:44

Ergänzung

Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich sehe hier durchaus Handlungsbedarf auf Seiten des Brandenburgischen Bildungsministeriums. Aber nicht, was die Struktur und den Inhalt der Abiturprüfungsaufgabe betrifft, die finde ich völlig korrekt, sondern Handlungsbedarf besteht meiner Ansicht nach hinsichtlich der Struktur der GOST (daran arbeitet man ja auch offensichtlich). Die Probleme im Matheabitur sind doch nicht neu und haben mAn ihre Ursache in der Zusammensetzung der Mathekurse. In BB müssen alle Schüler einen MA-LK belegen, d.h. ich habe in diesen Kursen Schüler, die selbst mit dem Grundkursniveau ge- oder sogar überfordert wären und Schüler, die dem LK-Anspruch gerecht werden. Hier als Lehrer den Spagat zu schaffen zwischen dem Anspruch, keinen Schüler zurück zu lassen, gleichzeitig aber auch die Schüler auf eine anspruchsvolle Prüfung vorzubereiten, ist schlichtweg unmöglich. Also senkt man das Niveau und reduziert Inhalte in der Hoffnung, dass diese in der Prüfung nicht relevant sein werden.

Horst Gregor 12.05.2017 - 10:05:35

Ziel: Allgemeine Hochschulreife?

"...hätten sich für zwei jener vier Funktionsklassen als Kurvenscharen entschieden, die in den vergangenen Jahren immer Teil der Abiprüfungen gewesen seien ..." Genau hier liegt eine Ursache für das Problem. Wir trainieren unsere Schüler, um anstehende Prüfungsaufgaben bewältigen zu können, egal ob das nun Pisa-Test oder Abitur heißt. Vernachlässigt wird dabei aber die Fähigkeit der Schüler, ihr erworbenes Wissen auch auf andere,ähnliche Sachverhalte anzuwenden. Wenn man der Argumentation des besagten Lehrers folgen würde, dürfte man in der Brandenburger Abiturprüfung eigentlich überhaupt keine Funktionsscharen mehr abprüfen, da man ja Gefahr läuft, dass irgendeine Schule diese Klasse von Funktionen nicht behandelt hat. Wenn man sich die Aufgabe näher anschaut, wird man ohnehin feststellen, dass diese Fähigkeiten ausschließlich in den Teilaufgaben a bis c verlangt werden und auch dort nur an ganz elementaren Eigenschaften der Funktion, die man auch ohne großartige Kenntnisse von Funktionsscharen bewältigen können sollte.

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