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In dem Ort Wandern, wo schon die Wehrmacht stationiert war, trainieren jetzt Nato-Soldaten / Auch paramilitärische Einheiten werden ausgebildet

Truppenübungsplatz östlich der Oder wird ausgebaut

Amerikanische und polnische Soldaten
Amerikanische und polnische Soldaten © Foto: dpa
Dietrich Schröder / 20.05.2017, 08:33 Uhr
Wedrzyn (Wandern) (MOZ) Das kleine Örtchen Wedrzyn, das rund 60 Kilometer östlich von Frankfurt (Oder) liegt, hat eine große militärische Vergangenheit. Südlich des Ortes - zwischen Wäldern und Seen - befindet sich einer der größten Truppenübungsplätze Polens. Schon im 16. Jahrhundert waren hier zeitweilig preußische Truppen stationiert, woraus sich auch der deutsche Ortsname "Wandern" abgeleitet haben soll, weil das Dorf immer nur für einige Monate des Jahres bewohnt war.

Im 20. Jahrhundert führte hier zunächst die Wehrmacht ihre Übungen durch, die 1939 schließlich in den Angriff auf Polen mündeten. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen polnische und sowjetische Truppen das Gelände. Und von 1970 bis 1989 wurden in einer gesondert abgesperrten Zone sogar sowjetische Atomsprengköpfe und Trägerraketen gelagert. Dieser Teil des Militärareals nördlich des beliebten Kurorts Lagow wurde inzwischen übrigens zum Naturschutzgebiet erklärt.

Auf dem Übungsplatz fanden jedoch schon vor Polens Nato-Beitritt die ersten gemeinsamen Übungen mit der Bundeswehr sowie britischen und auch amerikanischen Soldaten statt. Schon 1995 gab es das erste polnisch-amerikanische Manöver unter dem Codenamen "Double Eagle 95". Und während des Manövers "Anakonda 16", an dem im Juni 2016 mehr als 31000 Soldaten aus 24 Nato-Staaten sowie der Ukraine und Georgien teilnahmen, war auch Wedrzyn einer der Schauplätze. Die seit Januar dieses Jahres in Polen stationierte US-Panzerbrigade hat den Übungsplatz auch schon inspiziert und genutzt.

Jetzt wurde bekannt, dass die Infrastruktur des Geländes für umgerechnet 25 Millionen Euro modernisiert werden soll. Darüber, dass das Geld vor allem in High-Tech-Schießanlagen investiert werden soll, berichtet die Zeitung "Gazeta Lubuska". "Es wird auch eine siedlungsartige Anlage entstehen, in der man das Schießen mit scharfer Munition in bebautem Gelände trainieren kann", erklärte Major Slawomir Sawala vom zuständigen Militärstab dem Blatt.

Außerdem sollen hier künftig auch jene paramilitärischen Einheiten zur Landesverteidigung trainieren können, deren Bildung der politisch umstrittene Verteidigungsminister Antoni Macierewicz gegenwärtig vorantreibt. Diesen Heimatschutzbrigaden sollen landesweit 50000 Freiwillige angehören, die nach den Vorstellungen von Macierewicz regelmäßige Übungen mit den regulären Armee-Einheiten durchführen sollen.

Die Nachricht über die Investition löst in der Region auch Hoffnung auf neue Arbeitsplätze aus. Schon jetzt ist das Dorf Wedrzyn eine Art Mustersiedlung für Offiziere, Unteroffiziere und deren Familien. "Doch jetzt werden auch neue zivile Jobs entstehen", versichert Major Sawala.

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