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Poetry-Slam im Weinkontor

Die Neuntklässler Niclas Schweidler (l.) und Jonas Schüler tragen ihren unbetitelten Beitrag vor.
Die Neuntklässler Niclas Schweidler (l.) und Jonas Schüler tragen ihren unbetitelten Beitrag vor. © Foto: MOZ/Simon Rayß
Simon Rayß / 22.05.2017, 07:55 Uhr
Eberswalde (MOZ) Ganz am Anfang steht eine Anmache, die gründlich schiefläuft. "Willst du mit mir gehn?", fragt Joshi Dashi. "Nein, ich bleib hier lieber stehn", kommt es von Helen Altvater gereimt zurück. Die beiden Siebtklässler eröffnen damit den Reigen von rund 20 Texten, die die Humboldt-Schüler im Weinkontor vortragen.

Geboren wurde die Idee des sogenannten Poetry-Slams - eines Dichterwettstreits - 2016 im Deutschkurs von Karsten Bunsas. Schon zuvor habe es am Humboldt-Gymnasium einen Rezitationswettbewerb gegeben, berichtet der Lehrer und Tutor, "aber der war ziemlich ausgelutscht". So sei die Idee geboren worden: "Wir machen einen Slam-Wettstreit und gehen aus der Schule raus."

Auch dem Ehepaar Maaß, das in der alten Ofenfabrik das Weinkontor betreibt, gefiel der Plan. Sowohl 2016 als auch für die zweite Auflage am Freitag haben sie ihr Lokal zur Verfügung gestellt. Während im Hof der Grill für die Abi-Kasse der Elftklässler glüht, folgen die rund 100 Gäste im Keller den Dichtkünsten der Teilnehmer. Gelächter, Applaus, hin und wieder auch Jubel hallen von den rohen Wänden wider.

Hannes Reutters' Text mit dem Titel "Über den Wert von Details" kommt gut an. Der Achtklässler lässt das Publikum an der Qual des Hausaufgabenmachens teilhaben. Lustig geht es auch bei Niclas Schweidler und Jonas Schüler aus der 9/1 zu, die einen betont lockeren Exkurs zum Thema mehr oder weniger gesunde Ernährung abliefern. Derart leichtgewichtig geht es nicht immer zu: Der Beitrag der Neuntklässlerin Lilly Fischer "Weltansicht trifft Welt an sich" ist ein grimmiger Rundumschlag, der vom Brexit über den Terror bis zu Donald Trump kaum ein weltpolitisches Thema ausspart.

Die Bandbreite der Vorträge macht es der Jury - drei Schülern, zwei Lehrerinnen und einem Elternteil - nicht einfacher in ihrer Entscheidung. "Viele finde ich mutig", sagt Humboldt-Lehrerin Andrea Weiner, die auch 2016 unter den Juroren war. "Es gibt wieder ganz viele Überraschungen und viele Emotionen." Aber wie kritisch wollen die Sechs mit den jungen Dichtern ins Gericht gehen? "Och, wir sind doch eine Schule", sagt die 16-jährige Antonia Bucholski, "da sind wir ganz lieb."

Nach rund zwei Stunden haben sie alle Beiträge gehört und nach den Kriterien Inhalt, Sprache, Körpersprache und Performance insgesamt bewertet. Und siehe da: Das Auftakt-Paar Helen Altvater und Joshi Dashi hat bei den Jüngeren, den Fünft- bis Achtklässlern, die Nase vorn mit seinem Text "Liebe heutzutage". Bei den Neunt- bis Elftklässlern kann Jannis Goebel mit "Hörbuch" besonders überzeugen.

Als Sieger bekommen sie 30-Euro-Gutscheine für einen Klamottenladen. Aber damit nicht genug: "Die zwei Gewinnertexte werden wir auf jeden Fall fürs Jahrbuch einreichen", sagt Karsten Bunsas. Außerdem überlegen die Organisatoren, ob das Duo Altvater-Dashi 2018 nicht noch einmal ihre verkorkste Anmache vorspielt. Als Einstimmung, wenn der Poetry-Slam des Humboldt-Gymnasiums in seine dritte Runde geht.

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