Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Der "alte Friedhof" in Beeskow hat nur noch zwei Ruhestätten, eine davon ist kaum noch sichtbar

Stumme Zeugen der Geschichte

Ruth Buder / 26.05.2017, 19:48 Uhr
Beeskow (MOZ) Friedhöfe, alte Grabstätten haben für viele Menschen etwas Faszinierendes. Das Oder-Spree Journal hat für sie Geschichten rund um Friedhöfe recherchiert: Heute besuchen wir die Grabstätten von zwei prominenten Beeskowern.

Die Beeskower nennen ihn den "alten Friedhof", obwohl er schon vor mehr als 140 Jahren geschlossen wurde. Kaum noch etwas deutet auf seine frühere Nutzung hin. Auf der großen Wiese umrankt von Bäumen kann man spazieren gehen oder einfach nur verweilen. Nur zwei Grabstätten sind mehr oder weniger noch sichtbar. Sie zeugen von zwei Persönlichkeiten dieser Stadt: Jean Pierre Barthelemy Rouanet (1747-1837) und Siegfried Wilhelm von Maltitz (1739-1808). Wie bedeutend sind diesen Herren für die Stadtgeschichte, dass man ihre Gräber nicht einfach eingeebnet hat?

Jean Pierre Barthelemy Rouanet war nicht nur Stadtkämmerer in Beeskow, sondern auch der Großvater von Emilie, der späteren Ehefrau des märkischen Dichters Theodor Fontane. Als der Franzose 1781 aus der preußischen Armee ausschied und in Beeskow eine Stelle zugewiesen bekam, soll er bei Bürgermeister und Magistrat höchst unwillkommen gewesen sein.

Das änderte sich erst 25 Jahre später mit seinen großen Verdiensten während des napoleonischen Krieges und der französischen Besatzung der Stadt (1806-1813). In dieser Zeit soll Rouanet viel für Beeskow und seine Bewohner getan haben. "Mit viel Geschick und Diplomatie konnte er die Kriegslasten für die Stadt und auch Scharmützel verhindern", berichtet Stadthistoriker Dieter Gutsche.

Der Name Jean Pierre Barthelemy Rouanet wird in Beeskow noch heute in Ehren gehalten, eine Straße und das Gymnasium tragen seinen Namen. Immer die jeweiligen Siebentklässer des Gymnasiums halten die Grabstätte sauber und pflanzen von Zeit zu Zeit frische Blumen. Sein Grab entdeckt man von der Breitscheidstraße, wenn man am Alten Hospital (heute Seniorentreff) vorbeigeht.

Die letzte Ruhestätte von Siegfried Wilhelm von Maltitz ist kaum noch zu erkennen. Nur noch die kleine Anhöhe aus Feldsteinen zwischen den umrankten zwei Ulmen, deuten darauf hin, dass hier mal ein Grabstein stand. Wegen der Umsturzgefahr ist er eingelagert worden, heißt es aus der Stadtverwaltung Beeskow. Ob er noch mal aufgestellt wird, ist ungewiss.

Und wer war Siegfried Wilhelm von Maltitz? Dieter Gutsche weiß es: Er war von 1782 bis 1808 Landrat und leitete die Geschicke des Kreises Beeskow/Storkow. Zudem war Maltitz Besitzer des Rittergutes Kummerow und Inhaber der Posthalterei." Auch über die Verdienste Maltitz' weiß Gutsche etwas zu berichten: "Die Beeskower haben ihm die Schützenstraße zu verdanken. Er ließ den Weg zwischen Luch- und Kaiser-Wilhelm-Straße entlang der Kasernenställe anlegen." Von der Gattin des Landrates, Christiana Dorothea Rosine (gestorben 1809), ist überliefert, dass sie ein Herz für Arme und Kranke hatte und in ihrem Testament 1000 Taler dem Hospital vermachte Dieter Gutsche, der den umgestürzten Grabstein, bevor er abtransportiert wurde, noch gesehen hat, konnte darauf Folgendes lesen: "Der Landrat und Direktor des Beeskowschen Kreises Herr Siegfried Wilhelm von Maltitz gebohren den 24ten Juli 1739. Gestorben den 1ten Februar 1808 und Frau Christiana, Dorothea von Maltitz gebohrene von John... Gestorben dt. 9ten Oktober 1809". Die Rückseite enthielt das Geburts- und Sterbedatum der Tochter. "Es war ein Gedenkstein für die ganze Familie.", weiß Gutsche.

Der Stadthistoriker und Stadtführer würde sich freuen, wenn der Maltitz-Grabstein restauriert wieder an seine alte Stelle zurückkehren könnte "Sie erzählen auch immer Geschichten", so Gutsche. Einige Beeskower überlegen indes, aus dem, "alten Friedhof" einen Hundeauslaufplatz zu machen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG