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Report aus der Raserhochburg

Julia Lehmann / 29.05.2017, 07:00 Uhr
Niederfinow (MOZ) Die Geduld scheint am Ende. Die Gemeinden Niederfinow, Hohenfinow und Liepe sowie Amtsdirektor Jörg Matthes präsentierten sich am Sonnabend geschlossen, als der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) zu einem Bericht zu Biker-Lärm und Raserei angereist ist.

Es ist ein leidiges, weil langanhaltendes Thema: Während der Sommermonate scheinen die Anwohner an den bei Motorradfahrern beliebten Strecken durch Niederfinow, Hohenfinow, Liepe, aber auch Oderberg, nicht so recht zur Ruhe zu kommen. Zu laut, zu schnell durchqueren die Biker ihre Ortschaften.

Nach der Kleinen Anfrage an die Landesregierung Brandenburg durch Péter Vida (BVB/Freie Wähler), Abgeordneter im Landtag, hat nun auch der Rundfunk Berlin-Brandenburg von dem Thema Wind bekommen und sich der Problematik im Rahmen seiner Robur-Tour - nur diesmal ohne Bus - angenommen. Es war ein Hilferuf, wird man der Angelegenheit auf kommunaler Ebene einfach nicht Herr.

Ein gutes Stück Aufmerksamkeit hat es allemal gebracht. Am frühen Sonnabendnachmittag positioniert sich das Fernsehteam vor dem Schiffshebewerk in Niederfinow - eines der am meist betroffenen Gebiete, weil es durch Ausflügler stark frequentiert ist. In der Freitagsausgabe der Nachrichtensendung "Brandenburg Aktuell" hatte der Sender einen Aufruf gestartet, um am Sonnabend möglichst viele Anwohner, Gemeindevertreter und andere Betroffene zu diesem Thema befragen zu können. Eine kleine Talkrunde, ausgestrahlt am Sonntagabend, sollte das Ergebnis sein.

Neben Amtsdirektor Jörg Matthes waren auch Günter Gollner, Bürgermeister von Niederfinow, Ronny Püschel, Bürgermeister von Hohenfinow, Klaus Marschner, Liepes Bürgermeister sowie Péter Vida und Vertreter der Polizeiinspektion Barnim aus Bernau erschienen. Etwa 30 Anwohner waren gekommen. "Ich habe mit ein paar mehr gerechnet", sagt Michel Nowak. Die Anwesenden teilen dem RBB-Reporter aber ungehemmt mit, worum es ihnen geht: "Das ist Lärm, der schon an Körperverletzung grenzt", sagt jemand.

Im Gespräch mit den Anwohnern wird schnell klar, sie wünschen sich in erster Linie stärkere Kontrollen durch die Polizei. Aber nicht durch Laser oder Blitzer - da sind Motorradfahrer kaum angreifbar. Man könne nicht an jedem Wochenende vor Ort sein, argumentiert wiederum Ingo Heese, Pressesprecher der Polizeidirektion Ost.

Viele der Anwesenden, darunter Niederfinows Bürgermeister Günter Gollner, halten ein Tempolimit für Motorräder bei 30 Stundenkilometern in der gesamten Ortschaft für angebracht. Einige Anwohner gehen weiter und sprechen von einem Motorradverbot. Auch Schallmessungen seien notwendig, sagen einige.

Dass diese Störquelle wahrhaftig existiert, daran zweifelt an diesem Sonnabend niemand. Während der Dreharbeiten brausen etliche Motorräder mit entsprechendem Lärm vorbei. "Die Frage ist, welche Schritte nun folgen können", sagt Péter Vida. Man wolle dabei mit allen Instanzen zusammenarbeiten. Dafür sei Druck nötig.

"Wir versuchen gemeinsam eine Änderung herbeizuführen", so Amtsdirektor Jörg Matthes. Ziel sei es, konstruktive Gespräche mit dem Straßenverkehrsamt und der Polizei voranzutreiben. Torsten Kulig bestätigt: "Auf den Strecken zwischen Eberswalde, Niederfinow und Liepe gibt es eine Unfallhäufungsstelle." In diesem Jahr habe man in der Region 17 Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt. 7500 Fahrzeuge aller Art haben diese dabei durchquert, 400 davon waren zu schnell, darunter 40 Motorradfahrer. Allein am Sonntag nach den Dreharbeiten habe es in Liepe und Niederfinow drei Unfälle mit Motorradfahrern gegeben, berichtet Ronny Püschel. Einer davon mit Todesfolge.

"Die spielen wilde Sau", beschreibt es ein Mann, der am Ortsausgang von Liepe in Richtung Oderberg wohnt. Öfter schon habe er Unfälle miterlebt. Ähnlich empfindet das auch Monika Gärtner, die seit 30 Jahren am Hebewerk ein Bistro betreibt. Die Biker bringen ihr Umsatz, deshalb ist sie zwiegespalten. Trotzdem: "35 Prozent der Biker schnallen ihr Hirn hinten mit aufs Motorrad", sagt sie. Diana W. aus Frankfurt (Oder) fährt seit Jahren. Sie versteht die Sorgen der Anwohner: "Laut sind viele Motorräder allemal."

Reporter Michel Nowak ist vor allem die Geschlossenheit der Akteure aufgefallen. Nur mit welchem Mittel man das Problem angehen will, darüber herrsche Uneinigkeit. Welche Wirkung der Beitrag zeigen werde, könne er nicht abschätzen. Mit etwa einer Viertelmillion Zuschauer wird das Thema aber Öffentlichkeit finden.

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