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Interesse an der einstigen Raketenbasis

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CHENDRICHN / 02.03.2009, 06:57 Uhr
Harnekop/Sternebeck Schon die beiderseits der Straße in langen Reihen parkenden Fahrzeuge mit MOL-, BAR-, LOS- und Berliner Kennzeichen waren Ausdruck des Besucheransturms zur Saisoneröffnung im Bunker Harnekop. Genau am 1. März, einst Tag der Nationalen Volksarmee (NVA), begeisterten interessierte Laien ebenso wie solche, die selbst einmal auf sensiblen Militärobjekten gedient haben, die vielfältigen Einblicke in die Vergangenheit. Schon zum Start des Vormittags schoben sich bei drei Führungen mehr als 100 Gäste durch den Atombunker, um anderthalb Stunden später beladen mit Informationen und Eindrücken wieder aufzutauchen.

Viele nutzten die Gelegenheit, anschließend mit Suppe, Wurst und Kaffee einen stärkenden Imbiss zu sich zu nehmen, bevor sie ihre Erkundung auf dem vorderen Teil des Areals fortsetzten, wo Lothar Brunner seine Fahrzeugsammlung präsentierte. Natürlich war dieser persönlich zur Stelle, um die Geschichten, die sich um das eine oder andere Exemplar entweder mit früheren Nutzern oder der Beschaffung ranken, zum Besten zu geben. Hendrik Sage aus Eiche war mit seinen Jeep sowjetischer Produktion auf den Hof gerollt. Ein GAS 67 B-400. Von 1947 stammt das gute Stück, das er selbst seit drei Jahren sein eigen nennt.

Vor dem Eingang zu Brunners Grundstück hatten sich wiederum Aussteller und Händler mit verschiedenen Militaria vor allem aus NVA-Tagen an Ständen postiert. Unter den Besuchern des Tages war auch Jörg Schenk vom Verein "Die Tuchebander". Eine Arbeitsgruppe dort organisiert vom 15. bis 17. Mai in Alt Tucheband das vierte Militärfahrzeugtreffen. Die Akteure könnten Teil des Netzwerkes werden, das der Bunkerverein ausbauen will.

Vielleicht am reizvollsten war für viele das, was es an diesem Tag erstmals gab: Eine Führung über die einstige Raketenbasis im benachbarten Sternebeck, die heute vom Strausberger Paintballverein Hot Guns genutzt wird. Prötzels Bürgermeister Rudolf Schlothauer, zur Wende letzter Kommandant der Anlage, die am 31. Dezember 1991 geschlossen wurde, und Horst-Dieter Buckow, damals Spieß der Startbatterie und seit 1972 dort stationiert, standen als versierte Gesprächspartner zur Verfügung. Raketen mit einer kurzen Reichweite von 20 bis 24 Kilometern für tieffliegende Ziele waren gab es in Prötzel, während die auf 260 Kilometer ausgelegten S-200 in Gransee stationiert waren. Die amerikanischen S-71, die von Dänemark über Hamburg auf die Luftwaffenbasis Ramstein flogen, behielten die Soldaten der Prötzeler Stellung im Auge. Wäre eine Maschine vom Kurs abgewichen und hätte DDR-Territorium überflogen, hätte man die Raketen gestartet. Eine Minute betrug die Zeit, um in einem solchen Fall zu reagieren. "Sechs Raketen konnten unmittelbar abgeschossen werden, sechs weitere lagen bereit", so Schlothauer. Allerdings dauerte das Nachladen zwei Minuten.

Was der Ex-Kommandant über sein 1977 im sowjetischen As­trachan erlebtes Praxistraining unter Gefechtsbedingungen berichtete, sommers in der Wüste bei 60 Grad mit sehr gewöhnungsbedürftiger Verpflegung, konnte einer der Zuhörer bestätigen. "Ich war 1966 dort", so Bernd Höhne. Der grauhaarige Berliner wollte nach vielen Jahren nun mit seiner Frau noch einmal eine solche Anlage besuchen, "wo wir damals unnütz viel Lebenszeit verbracht haben".

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