Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Experten kritisieren mangelnde Bereitschaft mancher Lehrer zur Teilnahme an Fortbildungen

Abi-Skandal als Summe vieler kleiner Missgeschicke

© Foto: dpa
Mathias Hausding / 01.06.2017, 20:48 Uhr
Potsdam (MOZ) Es sind viele kleine Missgeschicke zusammengekommen. So lautet der Tenor des Gutachtens zweier Potsdamer Professoren zum Skandal rund um das Brandenburger Mathe-Abi. Statt das schöne Wetter genießen zu können, bereitet sich derzeit fast jeder zweite märkische Abiturient auf die Wiederholung der schriftlichen Prüfung am 12. Juni vor, weil beim Termin am 3. Mai Dinge Thema waren, die zuvor im Unterricht nicht vermittelt wurden.

Wie konnte es dazu kommen? Die Professoren Ulrich Kortenkamp und Andreas Borowski haben die Rückmeldungen von Schulen sowie Stellungnahmen aus dem Ministerium und dem Schulinstitut Lisum unter die Lupe genommen und am Donnerstag im Bildungsausschuss des Landtags ihr Fazit samt Anregungen für die Zukunft vorgestellt. Von einem Gesamt-Versagen des Prüfungssystems könne man nicht sprechen, stellten sie klar.

Aber zum Beispiel hätten manche Pädagogen Lehrplan-Vorgaben zu den umstrittenen Logarithmusfunktionen schlichtweg falsch interpretiert und geschlussfolgert, dass jene Aufgabe, die vielen Schülern so große Probleme bereitete, nicht drankommt. Andere Lehrer hätten sich bei ihren Überlegungen zum Unterrichtsstoff auf veraltete Verordnungen bezogen. Hinzu kam, dass in einem viel genutzten Mathebuch jene natürlichen Logarithmusfunktionen nur am Rand Thema waren, ohne eine entsprechende Übungsaufgabe. "Das kann man kritisch sehen", sagte Kortenkamp, zumal es in der Berliner Ausgabe des Buches eine solche Übungsaufgabe gab.

Als problematisch betrachteten die Experten, dass ein Drittel aller Schulen keine Vertreter zu einer wichtigen Fortbildung zum neuen Lehrplan im Jahre 2014 entsandt hatte. "Manche Lehrer empfinden Fortbildungen leider als Last, obwohl sie ihnen das Unterrichten erleichtern", kritisierte Kortenkamp. Er zitierte aus der Einladung zu der Fortbildung. Demnach sei um Entsendung einer Fachkraft pro Schule gebeten worden. Diese Bitte sei gleichbedeutend mit einer Teilnahmepflicht, so der Professor. Auf die Frage, ob die Aufgaben dieses Jahr grundsätzlich sehr schwierig waren, wollte Kortenkamp nicht direkt antworten. Das hänge allein davon ab, wie gut man darauf vorbereitet war.

Für die Zukunft empfahl er, Lehrpläne klarer zu formulieren und die Kommunikation ihrer Inhalte zu verbessern. Bildungsminister Günter Baaske (SPD) konstatierte, es sei "dumm gelaufen". Auch das Lisum oder die Schulaufsicht hätten sich um eine bessere Information der Schulen bemühen sollen. Um Schüler besser zu rüsten, versprach Baaske, sich für eine schnelle Erhöhung der Mathe-Stunden in der Abiturstufe einzusetzen. Also noch vor dem Jahr 2019, ab dem das Leistungskurssystem ohnehin umgestellt wird. (Mit Adleraugen)

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Horst Gregor 05.06.2017 - 12:47:29

Ursache ist der blinde Aktionismus

Wenn Leute, die ein mehrjähriges Studium hinter sich haben, eine Fortbildung benötigen, um einen Rahmenplan zu verstehen, dann stimmt doch etwas nicht. Deshalb greift dieses Argument definitiv zu kurz. Von etlichen Medien wird es natürlich dankbar aufgenommen, schließlich hat ja auch schon Gerhard Schröder die Lehrer als das bezeichnet was sie sind - faule Säcke. Dass die Ursachen dann doch vielleicht etwas tiefer liegen, wird in dem Gutachten durchaus angesprochen, verschwindet dann aber selbst in der eigenen Zusammenfassung. Die Ursachen selbst gehen doch eher auf das Jahr 2009 zurück. Dort wurde die gegenwärtige Struktur der GOST beschlossen, konkret die Tatsache, dass alle BB Schüler Mathe als LK belegen müssen, in diesem aber 1 Wstd. weniger Unterrichtsstunden bekommen als vergleichbare anderer Bundesländer bei angestrebtem gleichen Abschlussniveau. Genau das ist aber mit insgesamt ca. 70 Unterrichtsstunden weniger nicht zu schaffen. Dieses Problem wurde auch oft genug angesprochen. Herrn Baaske kann man diese verfehlte Politik sicher nicht vorwerfen, seiner Partei hingegen schon. Inzwischen hat man ja festgestellt, dass die BB GOSTV nicht KMK-konform ist, weshalb nun wieder eine neue im Gespräch ist und dies wiederum ist brandenburgtypisch.. Bisher hat es keine GOSTV über wesentlich mehr als 10 Jahre gebracht, nach der ersten 1992 kommt nun schon die fünfte. Die BB Bildungspolitik ist von Aktionismus geprägt, gute Bildung setzt aber Kontinuität voraus. Genau hier ist mMn die Ursache allen Übels. @Kerstin Eckardt: Im Gutachten selbst wird die alternative Wahlaufgabe schon erwähnt (Zitat:"Aus dieser Aufstellung ergibt sich, dass bereits 2013 eine ähnliche Wahlmöglichkeit gegeben war. Auch verfängt die Argumentation nicht, dass Schülerinnen und Schüler, die eine der im Rahmenplan genannten Funktionsklassen vermeiden möchten, dennoch eine Wahl haben müssten."), in der Zusammenfassung erscheint dieses Argument dann jedoch nicht mehr. Warum, dürfte eigentlich klar sein. Folgt man nämlich dieser Argumentation, hätte kein BB Schüler einen Anspruch auf Wiederholung der Abiturprüfung und darauf hatte man sich ja schon recht frühzeitig (Warum eigentlich vor der erfolgten Überprüfung?) festgelegt.

Kerstin Eckardt 02.06.2017 - 07:17:53

Alternativaufgabe verschwiegen

Und erneut wird nicht erwähnt, dass es zu der strittigen Aufgabe 2.1. eine Alternativaufgabe 2.2. gab, die anstelle ersterer gelöst werden konnte und e-Funktionen zum Inhalt hatte, die durchaus Unterrichtsthema waren.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG