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Wachschützerin hilft bei Geburt

Anstoßen auf den Erfolg: Lars Resenberger und Matthias Bröse von City Schutz freuen sich mit Antje RückerEisenhüttenstadt
Anstoßen auf den Erfolg: Lars Resenberger und Matthias Bröse von City Schutz freuen sich mit Antje RückerEisenhüttenstadt © Foto: MOZ/Gerrit Freitag
Janet Neiser / 07.06.2017, 06:59 Uhr
Eisenhüttenstadt (MOZ) Deutschlands bester Sicherheitsdienstmitarbeiter ist eine Frau, und zwar aus Eisenhüttenstadt. Antje Rücker, die bei der City Schutz GmbH arbeitet, hatte im vergangenen Jahr in einer Asylbewerberunterkunft bei der Geburt eines Kindes geholfen. Dafür wurde sie nun ausgezeichnet.

Es war ein Tag Ende August. Antje Rücker hatte gerade ihre Nachtschicht in der damaligen Asylunterkunft in der Karl-Marx-Straße in Eisenhüttenstadt angetreten. "Es muss so gegen 19 Uhr gewesen sein, als ein Frau aus Tschetschenien über Bauchschmerzen klagte", erinnert sich die 47-jährige Sicherheitsmitarbeiterin, die das alles zunächst nur am Rande mitbekam. Alles halb so wild, signalisierte ein Kollege da noch. "Doch dann spitzte sich die Lage zu", erzählt Antje Rücker. Zwar habe man gesehen, dass die Frau schwanger war, aber der Bauch sei nicht so dick gewesen, dass man eine Geburt gedacht hätte.

Trotzdem blieb Antje Rücker bei ihr, kümmerte sich um sie. Als Frau sei das in diesem Fall sicherlich besser gewesen. Die meisten Tschetschenen würden nämlich sehr eifersüchtig reagieren, wenn ihre Frauen von anderen Männern angefasst werden, sagt sie. Und Antje Rücker musste die Schwangere anfassen und sie später sogar auffordern, sich teilweise zu entkleiden. Als die zwei im Eingangsbereich der Flüchtlingsunterkunft angekommen waren, ging nichts mehr. Die Frau setzte sich auf den Boden. "Und dann war auch schon das Köpfchen zu sehen." Sie zittere heute noch, wenn sie an diesen Moment denke, sagt die Eisenhüttenstädterin. Noch bevor der Rettungswagen eintraf, hielt sie das Kind schließlich in ihren Händen. "Ich habe es mehr oder weniger aufgefangen, dass es nicht auf dem dreckigen Boden landet." Denn das kleine Mädchen hatte es so eilig, dass es nicht mal mehr möglich war, eine Decke unterzulegen oder Handschuhe anzuziehen. "Ich habe das Kind dann in die Hose der Mutter eingepackt und bin ganz nah bei beiden geblieben." Die Nabelschnur sei schließlich von den Rettungssanitätern durchtrennt worden.

Immer wenn sie die nun siebenköpfige Familie später in der Unterkunft traf, habe ihr der Vater dankend auf die Schulter geklopft, erzählt Antje Rücker, die sich im Backwarenkombinat Eisenhüttenstadt einst zur Bäckerin ausbilden ließ und seit etwa zehn Jahren in der Sicherheitsbranche arbeitet. "Und das kleine Mädchen war richtig süß", betont sie. Mittlerweile seien die Tschetschenen in einer anderen Stadt, Kontakt bestehe keiner. "Aber ich bin froh, dass ich helfen konnte."

Aufgrund des ungewöhnlichen Einsatzes schickte Antje Rückers Arbeitgeber, die City Schutz GmbH, die für sämtliche Objekte der Erstaufnahme für Asylbewerber in Eisenhüttenstadt und Frankfurt zuständig ist, eine Bewerbung für den Mitarbeiter des Jahres zum Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW). Dort war die Eisenhüttenstädterin schließlich neben einem Düsseldorfer und einem Hamburger Kollegen nominiert für die ersten drei Plätze. Und sie wurde letztlich zur Besten gekürt, erhielt eine Urkunde und ein Geldgeschenk. "Wir hätten nie daran gedacht, dass das was werden könnte", sagt Lars Resenberger, Unternehmenssprecher von City Schutz, am Dienstag bei einer kleinen Feier im Bollwerk 4 im Deutschen Haus in Fürstenberg. Schließlich sei City Schutz neben den großen Namen wie Securitas und Kötter ein eher kleines Licht im Bundesverband der Sicherheitswirtschaft. Nun kennt jeder in der Branche das Unternehmen, das seinen Sitz in Sachsen-Anhalt und die beste Sicherheitsmitarbeiterin des Jahres hat.

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Sabine Scheuer 07.06.2017 - 08:46:34

Och das ist aber fein

Warum wird eigentlich nicht von dem Raubüberfall auf einen 54Jährigen Eisenhüttenstädter berichtet? Keine Kippen rausgerückt->Messer ziehen->versuchen einzustechen. Liegt es daran dass das warscheinlich kein Jan,Stefan Christian war? https://www.morgenpost.de/berlin/polizeibericht/article210818179/Kinder-erpressen-Radler-mit-Messer.html

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