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Mit Strom gegen den Wolf

Giulia Kriegel (l.) und Velaska de Pellegrini, seit 1. Juni 2017 Wolfsbeauftragte in Brandenburg
Giulia Kriegel (l.) und Velaska de Pellegrini, seit 1. Juni 2017 Wolfsbeauftragte in Brandenburg © Foto: MOZ
Mathias Hausding / 14.06.2017, 19:51 Uhr
Potsdam (MOZ) Seit wenigen Tagen hat Brandenburg zwei Wolfsbeauftragte. Die beiden Frauen haben sich unter 100 Bewerbern durchgesetzt. Ihre Hauptaufgabe ist die Beratung von Tierhaltern. Sie wissen, wo der Hebel anzusetzen ist.

"Zäune sollten so eingerichtet sein, dass der Wolf gar nicht erst lernt, sie zu überwinden. Strom ist dabei das Allerbeste." Das sagt Giulia Kriegel, seit dem 1. Juni eine der beiden Wolfsbeauftragten des Landes. Die sogenannten Beutegreifer würden an einer Weide zumeist mit ihrem Kopf testen, was sie vor sich haben. "Wenn sie von dem Elektrozaun eins auf die Nase bekommen, schreckt sie das ab", erklärt die 36-Jährige.

Lösungen dieser Art wird sie vorschlagen, wenn die Expertin künftig über das Land fährt, um Bauern zu beraten und sie bei der Beantragung von Mitteln für den Herdenschutz zu unterstützen. Genauso wie ihre Kollegin Valeska de Pellegrini hat sie genaue Vorstellungen davon, wie ein Zaun aufgebaut sein sollte, der das Risiko von Schäden minimiert. "Hundertprozentigen Schutz gibt es nicht, und jeder Wolf ist anders", räumt Giulia Kriegel ein. "Aber es gibt Dinge, die sich bewährt haben."

Die gebürtige Münchnerin hat eine Ausbildung als Zootierpflegerin gemacht und anschließend Wald- und Forstwirtschaft studiert. In der Schweiz hat sie Erfahrungen im Wildtiermanagement gesammelt und in Bayern zwei Jahre lang Nutztierhalter im Umgang mit dem Wolf beraten. "Ich kenne die Sorgen der Landwirte, und ich kann sie sehr gut nachvollziehen", sagt Giulia Kriegel.

Konfrontiert man sie mit dem Argument mancher Bauern, wonach der Wolf zwar nicht wieder ausgerottet, aber mit Waffen zurückgedrängt werden sollte, verweist sie auf die Gesetzeslage, die dies nicht zulasse. Mit ihrer Kollegin stimmt sie zudem darin überein, dass der Nutzen eventueller Abschüsse fraglich sei. "Einen Wolf aus einer Gruppe herauszuschießen, verändert die Struktur dieser Gemeinschaft. Das kann dann zu höheren Schäden führen", gibt Valeska de Pellegrini zu bedenken.

Die 39-Jährige stammt ebenfalls aus München, hat an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde studiert und fühlt sich längst als Brandenburgerin. Sie lebt in der Nähe von Neustadt (Dosse) in Ostprignitz-Ruppin und war den Wölfen dienstlich schon in Rumänien, Portugal und Sachsen-Anhalt auf der Spur. Ihr Credo: "Guter Herdenschutz lohnt sich." Dafür wolle sie im Rahmen ihres zunächst auf zwei Jahre befristeten Jobs als Wolfsbeauftragte werben. "Es geht um Aufklärung und Unterstützung der Landnutzer. Wir dürfen dabei niemand allein lassen." Es sind Kleinigkeiten, auf die beide Expertinnen verweisen, wenn sie einen Zaun beschreiben, der Wölfe abschreckt, aber gleichzeitig nicht zu teuer ist und das Landschaftsbild nicht zu stark beeinflusst. Eine berechtigte Sorge von Bauern sei etwa, dass am Zaun wachsendes Grün den Strom ableite, also dafür sorge, dass der Zaun nicht mehr "scharf" ist, erklärt Valeska de Pellegrini. "Es ist verständlich, dass die Landwirte nicht aller zwei Wochen dort Gras mähen wollen."

Nun gebe es Ansätze, den Untergrund mit Mulch oder Lkw-Plane auszulegen, um das Gras klein und damit die Spannung im Zaun hochzuhalten. "Diese Ideen wollen wir weiterentwickeln, am besten in Zusammenarbeit mit Universitäten." Giulia Kriegel ergänzt, dass man auch über die Zaunhöhe diskutieren müsse. Zum Schutz von Schafen sei derzeit ein 90 Zentimeter hohes Flexinetz Standard. "Es könnten schon 15 Zentimeter mehr sein. Und 30 Zentimeter darüber noch einmal ein eventuell ebenfalls stromführendes Band", deutet die Expertin die Möglichkeiten an. Auch zusätzliche Flatterbänder hätten sich bewährt. "Was sich im Wind bewegt, wirkt für den Wolf zunächst unberechenbar", sagt Giulia Kriegel.

Zum Schutz von Kälbern regt sie an, die standardmäßig mit drei Litzen, also stromführenden Bändern ausgestatteten Zäune auf vier bis fünf Litzen aufzustocken. "Und alle Seiten der Koppel müssen zu sein. Ein Fluss zum Beispiel ist kein Hinderniss für den Wolf."

Und wenn das alles nichts nutzt, die Zahl der Wölfe und die der getöteten Nutztiere weiter steigt? "Man kann nicht ewig aufrüsten, das ist auch klar", sagt Giulia Kriegel. Also wird doch irgendwann auf Wölfe geschossen? Die Beauftragte verweist in ihrer Antwort darauf, dass die Landesregierung derzeit an einer Verordnung arbeite, die die Entnahme von Wölfen mit einem für Menschen problematischen Verhalten als ultima ratio vorsieht. "Brandenburg übernimmt damit eine Vorreiterrolle."

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