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Der Ruf der Freiheit

Die Firma Paul Camper gibt es so nicht noch einmal in Deutschland, auf dem Bild Dirk Fehse.
Die Firma Paul Camper gibt es so nicht noch einmal in Deutschland, auf dem Bild Dirk Fehse. © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Patrizia Czajor / 17.06.2017, 21:08 Uhr
Bernau (MOZ) Was macht mich zufrieden? Diese Frage konnte Dirk Fehse lange nicht beantworten, bis er zum ersten Mal mit einem Camper den australischen Kontinent bereiste. Was er lernte war, dass es für das Glück nicht viel brauchte. Und mit dieser Erkenntnis war auch eine erfolgreiche Geschäftsidee geboren worden.

Sein Werdegang erzählt die Geschichte eines unternehmerischen Durchbruchs, die Geschichte eines Aufsteigers. Mit dem Unterschied, dass Dirk Fehses Aufstieg dort beginnt, wo andere vielleicht ankommen möchten. Sein erfolgreich abgeschlossenes BWL-Studium ging nahtlos in einen gut bezahlten Job als Wirtschaftsprüfungsassistent über.

Mit Anzug und Krawatte kann man sich den 35-Jährigen mit dem "Yes, we camp"-T-Shirt und der kurzen Hose, der in einem Dorf nahe der brandenburgischen Stadt Herzberg aufgewachsen ist, heute hingegen nicht mehr vorstellen. Es habe jedoch gedauert, bis auch er selbst das verstanden hat. Dann hat es ebenso lange gedauert, bis auch seine Umwelt eingesehen hat, dass dieser Weg ihn nicht glücklich macht. "Meine Freunde dachten, dass ich doch alles habe", sagt der junge Mann. Doch es sei das Leben gewesen, dass ihm zu kurz gekommen sei.

Heute ist er oben angekommen - in seiner persönlichen Definition vom Oben zumindest. Dieses Oben hat viel mit persönlicher Entwicklung und Zufriedenheit und weniger mit Reichtum zu tun. Begonnen hat dieser Weg vor etwa vier Jahren, als Fehse die erste Sharing-Plattform für Wohnmobile in Deutschland gründete - das Airbnb der Wohnwagenvermittlung quasi. Mittlerweile besteht das Team von PaulCamper, wie sein Unternehmen heißt, aus 30 Mitarbeitern. Mit diesem Team ist der junge Gründer im September des vergangenen Jahres in sein neues Büro in Bernau gezogen. Betritt man die Räumlichkeiten an der Berliner Straße, sticht sofort ein großes Banner mit dem firmeneigenen Logo ins Auge. Vollgekritzelte Flip-Charts mit englischen Marketingbegriffen verleihen dem Büro die gewisse Portion Start-Up-Flair.

Aus diesem Begriffs-Pool schöpft auch Fehse als ehemaliger BWLer, wenn er von seinem persönlichen sogenannten Learning, also dem Moment seiner persönlichen Erkenntnis, spricht. Während er nach den richtigen Worten sucht, lehnt er sich in seinem braunen Drehsessel zurück. Er blickt auf das große Plakat, das hinter seinem Schreibtisch hängt. "Verändere die Welt" - ist einer von vielen Sprüchen, die dort zu lesen sind. Oder "Beweise Mut", der für den jungen Gründer sogar noch entscheidender war. "Ich habe mich eine lange Zeit nicht einmal getraut zu denken, dass ich ein Unternehmer werden würde." Was also ist passiert?

"Es hat Bang gemacht und dafür bin ich extremst dankbar", erzählt der junge Mann. In dieser persönlichen Lebenskrise trennte er sich schließlich von dem, was ihn nicht glücklich machte, von seiner Freundin sowie seinem Job. Ausschlaggebend dafür war eine Reise, die er Jahre zuvor unternommen hatte. 2007 ist er drei Monate lang mit einem Camper über den australischen Kontinent gereist, 17074 Kilometer. Eingepfercht auf sieben Quadratmetern, ausgestattet mit nur einem Bett, Gaskocher sowie zwei Camping-Stühlen, kam er zu der Erkenntnis, dass es nicht viel brauchte, um glücklich zu sein. "Wenig Komfort, aber volle Freiheit", so fasst Fehse das Gefühl von damals zusammen.

Es musste jedoch etwas Zeit vergehen, um diese Eindrücke auf sein eigenes Leben zu übertragen. Doch der erste Schritt war getan. Weil die klassischen Wohnmobilvermietungen ihm zu teuer und vor allem zu luxuriös waren, kaufte sich Fehse kurzerhand einen VW-Transporter, den er zu einem Camper umbaute. Das war Paul, den er fortan über lokale Stellenanzeigen vermietete, bis er merkte, wie dankbar ihm die Menschen dafür waren. "Nicht für den Camper, sondern für die Zeit, die sie erlebt haben." Es ist der Moment, in dem die Idee zu PaulCamper geboren wird.

Mit seinem Unternehmen ist Fehse mittlerweile Marktführer in Deutschland und außerdem auch schon in den Niederlanden und Österreich aktiv. 1300 Wohnmobile stehen auf der Plattform zur Vermietung bereit. 10000 Mietgeschäfte wurden nach Fehses Angaben in diesem Jahr schon über die Plattform abgeschlossen. "10000 Menschen, die wir glücklich machen", sagt er. Und weiterhin dabei: Der Camper des Geschäftsführers.

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