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Für 25 Euro pro Jahr können Brandenburger Angler auch in Polen ihrem Hobby nachgehen

Zander und Wels ohne Grenzen

© Foto: dpa
Dietrich Schröder / 20.06.2017, 07:24 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Seit 15 Jahren gibt es eine gemeinsame Angelberechtigung zwischen dem polnischen Anglerverband und dem Landesanglerverband Brandenburg. Inzwischen wird sie von mehr Polen als Deutschen genutzt.

Für 25 Euro im Jahr eine Angelberechtigung für rund 100000 Hektar Gewässerfläche zu erhalten - das ist für Petrijünger eine verlockende Vorstellung. Zumal, wenn es sich um so fischreiche und oft naturnahe Seen und Flüsse wie in Polen handelt.

"Es war nicht ganz einfach, die Regularien dafür auszuhandeln", erinnert sich der Hauptgeschäftsführer des Landesanglerverbandes, Andreas Koppetzki, an Gespräche, die er dazu zunächst mit Kollegen aus der unmittelbaren Grenzregion des Nachbarlandes geführt hatte. Und fügt stolz hinzu: "Bis heute gibt es in ganz Europa keine ähnliche Vereinbarung."

Mittlerweile ist daraus ein Erfolgsmodell geworden. In Polen hat sich die Hälfte aller Bezirksverbände des Anglerverbands PZW (Polski Zwiazek Wedkarski) angeschlossen, sodass der Schein auch entlang der Ostseeküste und in zahlreichen weiteren Regionen gilt. Auf deutscher Seite ist der Landesverband Mecklenburg-Vorpommern hinzugestoßen. Vertreter all dieser Verbände feiern das kleine Jubiläum der Vereinbarung heute in dem polnischen Kurort Lagow östlich von Frankfurt (Oder).

Die Tatsache, dass man hierzulande seltener gewordene Fischarten wie etwa den Zander, der immer etwas trübere Gewässer braucht, in Polen häufiger als in Brandenburg findet, ist für Andreas Koppetzki nur einer der Reize am Angeln im Nachbarland. In einigen Flüssen Pommerns ist zudem auch der Lachs wieder heimisch geworden. "Es finden auch öfters gemeinschaftliche Veranstaltungen statt", sagt Koppetzki und umschreibt damit vornehm, dass es hierzulande reine Angel-Wettkämpfe aus Naturschutzgründen nicht mehr gibt. Außerdem wissen viele Petrijünger zu schätzen, dass man in Polen an viele Gewässer mit dem Auto fahren kann.

"Als wir die Vereinbarung vor 15 Jahren unterschrieben, hatte ich ein etwas schlechtes Gewissen, weil ich mit einer recht einseitigen Nutzung rechnete", gesteht Koppetzki heute. Inzwischen sei jedoch das Gegenteil eingetreten. Während für dieses Jahr knapp 300 Brandenburger Angler und Anglerinnen die Berechtigung für das Nachbarland erwarben, waren es umgekehrt doppelt so viele Polen. "Probleme hat es in all den Jahren so gut wie gar nicht gegeben", berichtet der Funktionär. Nur in zwei Fällen - jeweils einer in beiden Ländern - seien Angler aufgefallen, die mit ihren Autos durch geschützte Gebiete gefahren waren.

Wer als nicht organisierter Angler einfach mal östlich von Oder und Neiße seine Ruten auswerfen will, muss dafür - genau wie in Deutschland - eine Tages- oder Wochenkarte kaufen. Die Preise variieren je nach Region und Gewässer. Wer schwarz angelt, kann wie hierzulande wegen Fischwilderer bestraft werden. Außerdem gibt es zahlreiche Teichwirtschaften, in denen man die Fische fast wie am Fließband fängt und für deren Gewicht bezahlt. "Dabei handelt es sich aber nicht um Angeln, sondern um eine besondere Form der Entnahme von Lebensmitteln aus dem Wasser", sagt Andreas Koppetzki etwas verächtlich.

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