Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Lobeofsund: Zustand des Gnadenhofs von Rita Rapp in der Kritik

18.01.2011, 06:13 Uhr - Aktualisiert 18.01.2011, 06:13
lobeofsund Lobeofsund – Rita Rapp steht mit ihrem Gnadenhof und ihren 16 Pferden bald wieder alleine da. Anfang Dezember hatte sie noch öffentlich um Futterspenden und Helfer gebeten. Doch mit ihren Unterstützern hat es sich Rapp offenbar verscherzt, denn die ziehen jetzt die Reißleine. Von Markus Kluge

„Auf deutsch gesagt: Es ist ein Skandal, was Frau Rapp da macht“, sagt Rolf Brombach, den die Geschichte und vor allem die Gesundheit der Tiere sehr bewegt.

Im Dezember hatte Rapp die Öffentlichkeit gesucht, weil ihr bewusst wurde, dass sie ihre Tiere nicht ohne fremde Hilfe durch den Winter bringen kann. Andere landwirtschaftliche Betriebe, die ihre von der Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH angeblich gepachteten Flächen unerlaubt nutzen, sollen schuld daran sein, dass sie nicht genügend Heu für ihre 16 Pferde einfahren konnte (RA berichtete).

Ein gutes Dutzend Unterstützer hatten sich gefunden, die nicht nur Futter spendeten, sondern auch ihre Fahrzeuge und Hänger für den Transport zur Verfügung stellten und teilweise selbst zur Forke griffen, um auszumisten. Allerdings wollen diese Helfer sich zurückziehen, da in ihren Augen der Hof derzeit ein Fass ohne Boden und den Pferden damit allein nicht geholfen ist.

„Ich war mittelmäßig entsetzt, als ich das erste Mal dort war“, sagt Brombach. Seine Cousine, eine Reitlehrerin, hat neun Pferde im Stall, deren Boxen täglich von einem fest angestellten Mitarbeiter gereinigt werden. „Den Rest erledigen die Reiter. Frau Rapp aber ist allein und hat 16 Pferde“, macht er darauf aufmerksam, dass es auf dem Hof nicht funktionieren könne.

Rapp, die sich auch in den vergangenen Jahren mehrfach verletzt hat, ist derzeit wieder krank. Sie hat eine Wunde an der Hand, die im Krankenhaus behandelt werden muss. „Sie ist aktionsunfähig und hat keine systematischen Helfer“, so Brombach, der weiß, dass ihre Unterstützer einfach „keine Zeit und keine Kraft mehr haben“, um in Lobeofsund für sie gerade zu stehen. Silke Knoll-Rose aus Lentzke, die sich ebenfalls für Rapp eingesetzt hat, plant den Rückzug. Denn, wenn das mühsam eingeworbene Futter alle ist, werde sie von Rapp mit Textnachrichten auf dem Handy bombardiert. „Und das um 5.24 Uhr morgens“, ärgert sich Knoll-Rose, die bei etlichen Landwirten der Region die Klinken geputzt hatte. Zusammengekommen waren dabei rund 2,7 Tonnen Heu und Stroh, die Brombach in zwei Touren – zuletzt am Wochenende – nach Lobeofsund gefahren hat. „Aber es gibt ja nicht einmal die Möglichkeit, alles trocken – vor der Witterung geschützt – unterzustellen,“ sagt Brombach. Hinzu komme, dass der Stall undicht ist und dieser bei der Schneeschmelze einer Tropfsteinhöhle gleiche. Er habe Tiere auf drei Beinen stehen und knietief im Mist stehen sehen, die nach seiner Meinung unter Arthrose leiden. Weiterhin gebe es zwei Pferde, die schwere Koliken haben. „Wenn in einem geschenkten Ballen verschimmeltes Heu ist, ruft Frau Rapp bei uns an und will, dass wir das wieder abholen und ihr neues bringen“, ist Brombach über eine gewisse Undankbarkeit sauer. „Es kann so nicht weiter gehen. Mit unserer Hilfe erhalten wir künstlich einen Missstand aufrecht. Man beginnt schon, schlecht davon zu träumen“, sagt er.

Er und Silke Knoll-Rose sind sich sicher: Um dem Hof auf die Beine zu helfen, braucht es ein Konzept, Geld und Angestellte auf der einen Seite. Auf der anderen müsste die Zahl der Pferde reduziert werden. „Man kann das einfach nicht auf dem Rücken anderer Leute ausbreiten“, so Knoll-Rose, die ihre Familie für die Hilfe mit eingespannt hatte. Allerdings sei über solche Verbesserungsvorschläge schwer mit Rita Rapp zu reden. Beide haben mittlerweile den Tierschutzverein und den Amtstierarzt eingeschaltet.

Rita Rapp zeigte sich von den Vorwürfen entsetzt. „Ich habe mein Gnadenhof-Konzept und reduziere um kein einziges Pferd“, unterstrich sie. Sie vermutet, dass ihre Helfer auf diesem Weg selbst günstig an ein Pferd kommen wollen, was diese gegenüber dem RA aber verneinen. „Meine Pferde müssen nicht gerettet werden. Da ist alles top in Ordnung und ich habe nix zu verschenken.“

Sauer sei sie, die die Boxen auch mit einem Arm in Gips ausmistet, darüber, „dass ich beim Amtstierarzt angeschissen wurde“. Richtig sei aber, dass sie durch einen Unfall mit dem Ausmisten nicht hinterherkam. Laut Rapp habe sich ihre Situation wieder gebessert, denn die Bauern, die ihr Land nutzen würden nun als Ausgleich für die Landnutzung Stroh und Heu liefern.

Die von Silke Knoll-Rose initiierte Spendenaktion habe in ihren Augen nicht viel gebracht. Kinder aus einer Kita hätten „nur“ einen Beutel voll Äpfel gesammelt. Und dass das angelieferte Stroh und Heu von Bauern gespendet wurde, könne sie nicht belegen. „Mit mir kann man auch über alles reden und ich bin nicht undankbar“, sagt Rapp, die nach wie vor auf der Suche nach Helfern ist. Ihre jüngeren Pferde wolle sie nun noch für Freizeitreiter ausbilden lassen, für die jeder, der das will, eine Patenschaft übernehmen kann.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG