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Schülerfrust über Stundenausfall

Wie weiter beim Thema Unterrichtsausfall? Das Diskussionsforum mit Politikern und Elternvertretern im Liebknecht-Gymnasium ließ viele Frankfurter ratlos zurück.
Wie weiter beim Thema Unterrichtsausfall? Das Diskussionsforum mit Politikern und Elternvertretern im Liebknecht-Gymnasium ließ viele Frankfurter ratlos zurück. © Foto: MOZ/Thomas Gutke
Thomas Gutke / 23.06.2017, 07:18 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Was tun gegen Unterrichtsausfall und fehlende Lehrer? Darüber diskutierten am Mittwochabend Politiker und Elternvertreter mit Frankfurtern im Karl-Liebknecht-Gymnasium. Hier hatte es im laufenden Schuljahr Probleme mit der Abdeckung des Mathematikunterrichts gegeben.

Am Liebknecht-Gymnasium gab es im laufenden Schuljahr einen Mathematiknotstand: Erst wurde eine erfahrene Lehrerin abgeordnet und der für sie geplante Unterricht auf die anderen Lehrkräfte verteilt, dann fielen von diesen auch noch zwei krankheitsbedingt aus. Die Folge: die Schulleitung musste selbst Unterricht mit abdecken, in einigen Kursen der Jahrgangsstufe 11 fielen trotzdem etliche Stunden aus. Noch heute sind viele Schüler darüber verärgert. "Was wollen Sie tun, damit wir den Unterrichtsstoff noch aufholen können? Wie soll ich Matheaufgaben lösen, wenn mir niemand zeigt, wie es geht?", fragte eine Elftklässlerin am Mittwoch die Redner, die sich der Debatte um Ausfallstunden und fehlende Lehrer stellten.

Eingeladen hatte der Kreiselternrat. Es war bereits das dritte Forum zu dem Thema nach 2011 und 2014. "Und wir stellen fest: Eigentlich hat sich nichts geändert. Immer wieder fällt Unterricht aus, immer wieder in Hauptfächern wie Mathe, Deutsch und Englisch", befand Bärbel Melcher mit Blick auf Ergebnisse einer Umfrage unter Frankfurter Schulen im Vorfeld. "Die Situation ist nicht länger tragbar."

Auf dem Papier, so Olaf Steinke vom staatlichen Schulamt, fehlten in Frankfurt zum neuen Schuljahr lediglich zwei Lehrkräfte. "Aber das ist nur eine Planungsgröße", räumte er ein. Denn Bewerber würden regelmäßig "in Größenordnungen" kurzfristig abspringen, berichtete er. Auch Langzeiterkrankte gebe es natürlich immer wieder.

Letzteres sei auch kein Wunder, bemerkte Bärbel Melcher später. Ein Großteil der Frankfurter Lehrer sei über 50 Jahre alt, "15 Prozent sind sogar älter als 60 Jahre. Das hohe Durchschnittsalter hat natürlich auch Einfluss auf den Krankenstand."

Aus Sicht von Thomas Drescher, parteiloser Staatssekretär im Bildungsministerium, habe die Landesregierung die bekannten Probleme, die es überall in Brandenburg und vor allem in der Peripherie gibt, mittlerweile ernsthaft angepackt. Zum neuen Schuljahr würden 1150 neue Lehrer eingestellt, abzüglich der rund 500 Lehrkräfte, die in den Ruhestand gehen, "haben wir dann weit über 600 Lehrer mehr", so Drescher. Zwei Prozent davon seien echte Quereinsteiger, etwa KfZ-Meister, die künftig an einem OSZ ihr Wissen weitergeben. "Das ist auch so gewollt und eine Bereicherung". Für die 1150 zu besetzenden Stellen hätten 650 junge Pädagogen bereits Arbeitsverträge unterschrieben. Zudem gebe es weitere 300 verbindliche Zusagen und 250 weit fortgeschrittenene Absprachen. "So weit waren wir im letzten Jahr noch nicht", versuchte Drescher Zuversicht zu verbreiten.

In den vergangenen Jahren sei "durchaus viel passiert", meinte auch Kathrin Dannenberg, bildungspolitische Sprecherin der Linken. Unter Rot-Rot fließe mehr Geld in Bildung, die Personalsituation an den Schulen habe sich verbessert. "Was fehlt, ist der gesamt Mittelbau. Denn zwischen 2000 und 2009 sind kaum Lehrkräfte eingestellt worden."

Die Vertreter der Oppositionsparteien bewerten die Arbeit der Regierung naturgemäß kritischer. "Die Landesregierung hat den Lehrermangel verschlafen", erklärte unter anderem Petra Budke, Landesvorsitzende von Bündnis 90/Grüne. Ihre Kritik zielte auch auf die Lehrerausbildung: Die Anforderungen für ein Studium seien für angehende Fachlehrer teilweise zu hoch.

Kristy Augustin von der CDU sieht das größte Problem darin, "überhaupt Lehrer für Brandenburg zu begeistern." Die Landesregierung müsse hier viel mehr Anreize bieten, gerade was die Berlin-fernen Regionen betreffe. "Wir haben dafür unter anderem eine Landlehrerprämie vorgeschlagen", so die Politikerin.

"Es sind von allen Regierungen Fehler gemacht worden", so Wolfgang Seelbach, Vorsitzender des Landeselternrates. Zwar hätten SPD und Linke durchaus Schwung in die Bildungspolitik gebracht. "Trotzdem bleibt vieles Flickschusterei." Und auch er findet: "Wir müssen den Lehrerberuf attraktiver machen."

Viele der Schüler und Eltern waren nicht wirklich glücklich mit dem Verlauf der Debatte. Sie hätten sich lieber ganz konkrete Lösungsvorschläge gewünscht, um sich künftig nicht mehr über Stillbeschäftigung oder ersatzlosen Unterrichtsausfall ärgern zu müssen. Eine ältere Frankfurterin meinte, sie komme sich vor, wie auf einer Wahlkampfveranstaltung. "Die Diskussion stimmt mich sehr traurig, denn ich sehe keine Fortschritte. Dabei geht es doch um das Wertvollste was wir haben - unsere Kinder."

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