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Abschied einer Ruhelosen

Langjährige Vorstandsvorsitzende: Heidrun Förster vor dem von der Arbeitsloseninitiative betriebenen Bürgerladen in der Fürstenwalder Straße
Langjährige Vorstandsvorsitzende: Heidrun Förster vor dem von der Arbeitsloseninitiative betriebenen Bürgerladen in der Fürstenwalder Straße © Foto: René Matschkowiak
René Matschkowiak / 25.06.2017, 07:35 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) In einer Serie stellt der Stadtbote jede Woche einen Frankfurter des Jahres vor. Das können Menschen sein, die ehrenamtlich aktiv sind oder auf andere Weise etwas Besonderes vollbracht haben. Fürs Foto posieren sie auf einem roten Sessel.

Wenn man Heidrun Förster trifft, sprüht sie vor Elan. Selbst nach ihrem Rückzug als Vorstandsvorsitzende der Arbeitsloseninitiative ist sie so bei der Sache, als würde ihre Arbeit erst beginnen. Es sind zweifellos große Fußstapfen, die sie hinterlässt. 1996 hatte sie das Amt übernommen und 21 Jahre lang ehrenamtlich für die gekämpft, die in der Gesellschaft zu kurz gekommen sind.

"Natürlich werde ich mich auch weiter einsetzen", sagt sie beim Gespräch im Bürgerladen in der Fürstenwalder Straße. Auf Anraten ihres Arztes jedoch muss sie kürzer treten und hat deswegen im März das Vorstandsamt abgegeben. Über das Mehr an privater Zeit wird sich vor allem ihr Mann freuen. "Der musste schon viel mitmachen in den vergangenen Jahren", gesteht die 1951 geborene, frühere SPD-Landtagsabgeordnete und langjährige Pressesprecherin des IHP. Auch ihre Enkel werden nun mehr Oma-Zeit haben.

Kann man zufrieden sein mit dem, was in Frankfurt als Unterstützung für Bedürftige aufgebaut wurde? Entschieden antwortet Heidrun Förster: "Nein, kann man nicht." Sie will damit nicht die Arbeit des Bürgerladens, der Frankfurter Tafel, des Projekts "Pauline Früchtchen" oder der Schuldnerberatung kleinreden, die von der Arbeitsloseninitiative betrieben werden. Vielmehr geht es ihr darum, dass die Zahl hilfsbedürftige Menschen nicht gesunken ist.

"Wir haben tolle Projektleiter und Mitarbeiter", sagt sie. "Viele arbeiten ehrenamtlich, auch die Stadt und das Jobcenter unterstützen die Projekte weiterhin, worüber wir wirklich froh sind." Besonders hebt sie die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Anne Schmidt, die ebenfalls aus gesundheitlichen Gründen 2016 die Arbeit als Geschäftsführerin aufgeben musste, hervor.

Soziale Ungerechtigkeiten jedoch kann Heidrun Förster weiterhin nur schwer ertragen. "Wichtig für die Menschen, die zu uns kommen, ist es einerseits, Hilfe zu bekommen, aber andererseits auch, die Möglichkeit der Begegnung zu schaffen", so Heidrun Förster. "Nicht nur die Schere zwischen Arm und Reich ist auseinander gegangen, sondern auch die Abgrenzung der beiden Schichten", ergänzt Jürgen Wroblewski, Projektleiter des Bürgerladens. Der Arbeit der langjährigen Vorstandsvorsitzenden stellt er ein ausgesprochen gutes Zeugnis aus. "Wir sind kontinuierlich weitergekommen", erklärt er.

Die Zahlen des Bürgerladens sind einerseits beeindruckend, aber auch bedrückend. So hat es allein im Jahr 2016 etwa 18 000 Kundenbesuche im Haus in der Fürstenwalder Straße gegeben. Dabei bekommen sie dort wirklich nur die Hilfe, die sie dringend benötigen. "Jeder muss das nachweisen und das wird auch streng kontrolliert", erklärt Heidrun Förster.

Ganz oder gar nicht, ist das Motto von ihr, weswegen sie sich nun zurückgezogen hat. Trotzdem macht sie sich Gedanken. Etwa um die zukünftige Spendenbereitschaft der jüngeren Frankfurter. "Bis jetzt haben die Oderstädter wirklich zusammengehalten", erklärt sie. So konnte sie sich auch immer auf die Spendenhilfe der Volkssolidarität verlassen, freut sie sich. Ob das so bleibt, wenn die Älteren nicht mehr sind, weiß sie nicht. "Ich habe Angst, dass die Gesellschaft auseinanderdriftet", erklärt sie.

Heidrun Förster ist und bleibt ein politischer Mensch und wird sich auch in Zukunft einmischen. Davon kann man ausgehen.

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