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Russlands schwärende Wunde

30.03.2010, 10:34 Uhr
Seit dem Jahr 1994 hat der Kreml zwei Kriege im Nordkaukasus geführt. Zuletzt wurde 2008 der Sieg über die muslimischen Rebellen in der Teilrepublik Tschetschenien verkündet. Ein Trugschluss, wie die gestrigen blutigen Terroranschläge in der Moskauer Metro verdeutlichen. Fanatische Selbstmordattentäter tragen den Krieg nadelstichartig bis ins russische Kernland. Damit können sie das Blatt nicht wenden, aber ein Klima der Verunsicherung erzeugen.

Der Kern des Problems liegt im Nordkaukasus, der seit dem Zerfall des Sowjetimperiums zu Russlands schwärender Wunde geworden ist. Willkürliche Grenzziehungen, wirtschaftliche Unterentwicklung und religiöser Fanatismus bilden eine explosive Mischung, bei der nur ein Funke genügt. Der Krisenbogen reicht praktisch vom Kaspischen bis zum Schwarzen Meer. Allein im vergangenen Jahr starben in dieser Region mehr als 1000 Menschen bei Attentaten und Kämpfen.

Gescheitert ist der Versuch Putins, aus Tschetschenien eine Art Pilotprojekt für die umliegenden Teilrepubliken zu machen. In Grosny regiert der junge Präsident Kadyrow mit gnadenloser Härte. Viele Übergriffe werden aus Angst vor Repressalien nicht angezeigt. Hinter der Fassade eines durchaus sichtbaren Wiederaufbaus brodelt es.

Verspielt wurde bereits im vergangenen Jahrzehnt die Chance, mit gesprächsbereiten Führern wie Maschadow zu einer politischen Lösung des Konflikts zu kommen. Jetzt hat jene Generation militanter Muslime das Kommando übernommen, die nur Gewalt kennt und mit Gewalt ein unabhängiges Kaukasus-Emirat errichten will.

Das ist pures Wunschdenken, aber schon zunehmende Instabilität könnte den russischen Interessen massiv schaden. Über dieses Gebiet verlaufen wichtige Pipelines, und ganz in der Nähe befinden sich die zentralasiatischen Rohstoffquellen. Die Führung in Moskau wird sich jedoch zur Beruhigung der Lage mehr einfallen lassen müssen, als die Geheimdienstaktionen zu verstärken. Um den radikalen Kräften den Boden zu entziehen, sind vor allem Investitionen in Arbeitsplätze, Bildung und Gesundheit nötig.

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