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Gescheitertes Kunsthallen-Vorhaben gibt Ausschlag für Entscheidung

Antoinette verlässt Eberswalde

Antoinette steht vor einem der Bilder der Schau "Mythos Europa".
Antoinette steht vor einem der Bilder der Schau "Mythos Europa". © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Sven Klamann / 07.07.2017, 08:00 Uhr
Eberswalde (MOZ) Die Galerie im Zentrum und das Atelier im Rofinpark stehen leer. Die weltweit geschätzte Künstlerin Antoinette und der Projektmanager Thomas Hampel haben Eberswalde verlassen. Ihr Wegzug dürfte in der Stadtpolitik noch für Diskussionen sorgen.

Nur fünf Jahre lang haben Antoinette und Thomas Hampel die Kreativszene von Eberswalde mitgeprägt. Ihr vielbeachtetes Meisterstück dürfte zuletzt die Ausstellung "Mythos Europa" gewesen sein, die im Herbst vorigen Jahres in knapp zwei Monaten fast 3000 Besucher in das Zentrum für erneuerbare Energien an der Brunnenstraße 26 gelockt hatte. Die 100 zumeist großflächigen Gemälde waren im an Einträgen proppevollen Gästebuch als aufwühlend, anregend und mitreißend gelobt worden. Die Salonabende des prominenten Paares im Rofinpark galten von 2013 bis 2015 als Mekka anspruchvollster Kulturliebhaber, die Galerie an der Breiten Straße 23 seit 2014 als Treffpunkt aller, die besondere Kunst gesucht haben.

Schon bei der Finissage von "Mythos Europa" hatten Antoinette und Thomas Hampel für einen Paukenschlag gesorgt, als sie das Scheitern ihres Vorhabens, in Eberswalde eine ständige Kunsthalle zu installieren, erstmals öffentlich machten. Für das Projekt, mit dem der gegenständlichen Kunst aus dem 20. und 21. Jahrhundert eine Heimstatt geboten werden sollte, hatte es zwar viele namhafte Unterstützer gegeben, zu denen der Architekt Thomas Winkelbauer und der ehemalige Sparkassen-Vorstand Josef Keil gehörten. Doch am Ende habe es am Willen der Rathausspitze gefehlt, obwohl es die Stadt keinen Cent gekostet hätte, den einstigen IFA-Salon zur Kunsthalle zu entwickeln, hieß es im November.

Alles in allem habe es vier vergebliche Anläufe gegeben, in Eberswalde eine dauerhafte Stätte für Kultur und Kreativität zu entwickeln, sagt Antoinette zu den Gründen ihres Wegzugs. "Da liegt es nahe, sich die Frage zu stellen, ob wir nicht die passenden Konzepte entwickelt haben oder ob Eberswalde nicht der geeignete Ort dafür war", sagt die Künstlerin, die aber weder in der Öffentlichkeit schmutzige Wäsche waschen, noch den Eindruck erwecken will, sie habe der Barnimer Kreisstadt im Groll den Rücken gekehrt.

Vielmehr sei Plan B zum Tragen gekommen - mit einem Umzug nach Leipzig, der ziemlich spontan organisiert wurde, wie Thomas Hampel sagt. Er spricht davon, dass der Zeitmietvertrag für das Atelier im Rofinpark abgelaufen war und die Miete angehoben werden sollte. Zeitgleich habe es für eine Immobilie in der sächsischen Metropole ein unschlagbar günstiges Angebot gegeben. Leipzig biete sich wegen seiner zentraleren Lage und verkehrstechnischen Anbindung ohnehin dafür an, die europaweiten Aktivitäten auszudehnen.

"So ganz angekommen sind wir in der neuen Heimat noch nicht", verrät Antoinette. Übervolle Kisten und unausgepackte Koffer bestimmten das Bild.

Die Künstlerin und der Projektmanager heben hervor, dass ihre Zeit in Eberswalde durch viele sehr positive Erfahrungen geprägt worden sei. "Nicht zuletzt haben wir hier ja auch geheiratet", sagt Thomas Hampel, der seit 2016 als dritter stellvertretender Vorsitzender des städtischen Kulturbeirates in der Verantwortung stand und sich von den Mitgliedern in einem nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Brief verabschiedet hat.

Den Wegzug des Paares nennt Christian Schommartz, der Vorsitzende des Gremiums, "sehr schade". Er sei dankbar für die tollen Impulse, die beide der Eberswalder Kreativszene gegeben hätten. "Ich wünsche mir, dass die Entwicklung auch ohne ihre Präsenz vor Ort weitergeht", erklärt er in einer privaten, nicht mit dem Beirat abgestimmten Stellungnahme. Der regionalen Kunstszene würden wichtige Protagonisten fehlen, betont Eberswaldes kommissarischer Kulturdezernent Jan König, der die persönliche Entscheidung von Antoinette und Thomas Hampel zwar "sehr bedauert", aber zu respektieren habe.

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