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Stahl-Netzwerk ohne Grenzen

Mit Helm und Blaumann auf Entdeckungstour: Stahlwerks-Chefs aus West- und Osteuropa besichtigten gestern das Stahlwerk von ArcelorMittal Eisenh³ttenstadt. Eberhard Kruschke, Leiter Schmelzbetrieb (r.), erklõrte ihnen die Anlagen. Foto: GMD/Gerrit Freitag
Mit Helm und Blaumann auf Entdeckungstour: Stahlwerks-Chefs aus West- und Osteuropa besichtigten gestern das Stahlwerk von ArcelorMittal Eisenh³ttenstadt. Eberhard Kruschke, Leiter Schmelzbetrieb (r.), erklõrte ihnen die Anlagen. Foto: GMD/Gerrit Freitag © Foto:
JNEISERN / 07.05.2008, 08:00 Uhr
Eisenhüttenstadt "Agora" - dieses Wort rutschte dem Eisenhüttenstädter Stahlwerks-Chef am Dienstag immer wieder über die Lippen. Aber Agora ist nicht etwa eine neue Stahl-Sorte und es ist auch kein neuer Name in der Geschäftsführung von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt (AMEH). Im antiken Griechenland war die Agora ein großer Versammlungsplatz. Und bei AMEH steht der Name für den traditionellen Erfahrungsaustausch von europäischen Stahlwerken der ArcelorMittal-Gruppe. Erstmals seitdem das hiesige Werk zur Osteuropa-Gruppe gehört, waren auch Werksleiter dabei, die östlich der Oder arbeiten.

Die Beziehungen von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt gen Osten sind mittlerweile enger, als manch einer denkt. Seitdem das Werk zur osteuropäischen Flachstahlgruppe des Konzerns gehört, beschränkt sich der Kontakt nicht mehr nur auf Arbeitstreffen oder Telefonanrufe. "Wir schicken sogar Ingenieure von uns in die Werke nach Katowice und Krakau", sagt Eckbert Braune, Leiter des hiesigen Stahlwerks. "Allerdings läuft das nur in kleinem Rahmen." Einige wenige Tage sind die Experten aus Eisenhüttenstadt entbehrlich und helfen dann vor Ort und helfen, wenn es bei den Schwesterunternehmen beispielsweise technische Probleme oder Neuerungen gibt. "Momentan befinden sich wieder zwei Ingenieure in Katowice", erzählt Braune.

Aber natürlich könne man ebenso von den Werken in Polen und Tschechien etwas lernen. "Auch östlich der Oder arbeiten schließlich Fachleute mit jeder Menge Erfahrung", betont Braune. Zudem habe Katowice beispielsweise eine niegelnagelneue Stranggussanlage. "Das ist schon interessant zu sehen, was es da für Möglichkeiten gibt", findet der Chef des Eisenhüttenstädter Stahlwerks, das als Modellwerk in der Osteuropa-Gruppe gilt. Im Vorjahr wurden hier 2,3 Millionen Tonnen Rohstahl produziert. Damit gehöre der Standort Braune zufolge eher zu den kleineren innerhalb des Konzerns. Im französischen Dünkirchen beispielsweise flossen 2007 etwa 6,3 Millionen Tonnen Rohstahl aus dem Konverter. "Wir arbeiten natürlich immer daran, unsere Leistung im technisch möglichen Rahmen zu steigern", sagt Braune. Dafür sei ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch unerlässlich, und deshalb finden unter anderem vier Mal jährlich Arbeitstreffen - so genannte "Agora"-Meetings - an wechselnden Standorten statt.

Diesmal trafen sich etwa 20 Experten aus der Stahlbranche in Eisenhüttenstadt. Während bisher nur Stahlwerks-Chefs aus Belgien, Spanien, Frankreich und Deutschland zusammensaßen, waren nun erstmalig Kollegen aus Osteuropa dabei - so wie Simon Ostafin aus Krakau. "Agora bietet eine fantastische Möglichkeit, andere Werke kennenzulernen und ein Netzwerk zu bilden", findet der junge Mann, der bereits einen Abend zuvor, im Waldsee-Hotel am Wirchensee, wo die Delegation untergebracht war, erste Kontakte knüpfen konnte. Unter anderem zu Philippe Destannes, dem General Manager des Stahlwerks im französischen Dünkirchen. Er ist bereits das dritte Mal in Eisenhüttenstadt. "Ich denke, das ist ein schönes Stahlwerk hier", sagt er. Die Technik sei modern und die Leute, die hier arbeiten, verstünden wirklich etwas von ihrem Job. Nicht umsonst seien Ingenieure aus der Stahlstadt gern gesehene Berater in Dünkirchen. Und bei Bedarf schicken auch die Franzosen Fachleute an die Oder. Dass Eisenhüttenstadt nun zur Osteuropa-Gruppe von ArcelorMittal gehört, ändere an den Beziehungen nichts, versichert Destannes, der kurz darauf wieder intensiv mit seinen Kollegen diskutiert.

"Ich wäre lieber hier geblieben, aber ich muss noch zu einem EU-Meeting", seufzt derweil Stefan Kinkel, der bei ArcelorMittal in der Forschung arbeitet. Er bedankt sich Eckbert Braune und saust mit vielen neuen Kontakt-Adressen in der Tasche los. Die Besichtigung des Stahlwerks verpasst er zwar, einen zufriedenen Eindruck macht er nach dem Treffen aber allemal.

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