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Die Stadt sieht hohe Versicherungsprämien als Grund für das Problem.

Grüne fürchten Hebammenmangel

Kritische Versorgungslage: Frauen haben einen gesetzlichen Anspruch auf eine Hebammenbetreuung nach der Geburt.
Kritische Versorgungslage: Frauen haben einen gesetzlichen Anspruch auf eine Hebammenbetreuung nach der Geburt. © Foto: picture alliance / Uli Deck/dpa
Thomas Gutke / 26.07.2017, 07:23 Uhr - Aktualisiert 27.07.2017, 21:32
Frankfurt (Oder) (MOZ) Die Bündnisgrünen schlagen Alarm. Sie befürchten einen Mangel an Hebammen in Frankfurt, der sowohl frei arbeitende als auch Hebammen am Krankenhaus betrifft. Am Klinikum reagiert man irritiert auf die Darstellung in der Pressemitteilung.

Es sind dramatische Töne, die Alena Karaschinski anschlägt: "Die Lage für die Frauen spitzt sich ab dem Herbst gravierend zu", erklärt die Sprecherin der Bündnisgrünen der Stadt vor wenigen Tagen in einer gemeinsam mit der Landesvorsitzenden Petra Budke verfassten Pressemitteilung. Die Warnung bezieht sich vor allem auf freiberuflich arbeitende Hebammen, die Vor- und Nachsorge übernehmen, beim Stillen unterstützen und Geburtsvorbereitungs- sowie Rückbildungskurse anbieten. Ende 2017 setze sich mit Gerlinde Schücke die letzte noch in Vollzeit arbeitende Hebamme in Frankfurt zur Ruhe. Außerdem werden zwei der sechs nebenberuflich tätigen Hebammen im Herbst selbst Mutter. Neben einer Familienhebamme stünden den Frauen in Frankfurt damit ab Januar 2018 nur noch vier in Teilzeit arbeitende Hebammen zur Verfügung. Und das trotz steigender Geburtenzahlen und einem Anspruch auf Betreuung. "Dieser gravierenden Unterversorgung muss schnellstens entgegengewirkt werden", erklärt Alena Karaschinski. Sie fordere daher den OB auf, nach Möglichkeiten zu suchen, die Ansiedlung für neue Hebammen attraktiver zu machen und sich ebenso mit dem Klinikum zur Versorgungslage zu verständigen. Denn auch dort "sind nicht alle Hebammenstellen besetzt".

Seit Jahren sei bekannt, kritisiert die Grünen-Sprecherin das Klinikum, dass vier Hebammen in den Ruhestand gehen. Mehrere Stellen habe man mit Krankenschwestern besetzt. "Kritisch erscheint, dass das Klinikum sich erst jetzt mit einer attraktiveren Vergütung für Hebammen in seinem Haus auseinandersetzt. Unseren Erkenntnissen nach werden sie derzeit nur wie Krankenschwestern entlohnt."

Das Klinikum nahm die Pressemitteilung "mit Verwunderung" zur Kenntnis. Die Partei äußere sich kritisch zu internen Angelegenheiten, "ohne die Fakten geprüft, beziehungsweise die Angelegenheit mit der Klinikleitung oder dem Betriebsrat erörtert zu haben". Auch seien einige Aussagen falsch.

Aktuell beschäftige das Klinikum 23 Hebammen, von denen drei in Elternzeit seien. Die genannten vier Renteneintritte zwischen März 2016 und Februar 2017 seien direkt nachbesetzt worden. "Bis 2022 erwarten wir keinen weiteren Renteneintritt in Regelaltersrente", sagt Kati Brand, Sprecherin am Klinikum.

Nicht nahtlos kompensieren lassen habe sich der nahezu zeitgleich eingetretene Ausfall von drei Hebammen durch Schwangerschaft. Hintergrund sei das Beschäftigungsverbot für alle Kolleginnen mit Bekanntwerden der Schwangerschaft. "Damit ist eine nahtlose Kompensation dieser Ausfälle faktisch kaum möglich."

Die Hebammen in Elternzeit seien auch die Ursache dafür, dass auf der Geburtshilfestation neben den dort tätigen Hebammen derzeit auch mehr Krankenschwestern als vorher eingesetzt werden. Im Kreißsaal arbeiten laut Klinikum jedoch ausschließlich Hebammen.

Um Stellen zügig neu oder nachzubesetzen, schalte das Klinikum regelmäßig Anzeigen in Fachzeitschriften, der regionalen sowie der polnischen Presse. "Weiterhin übernehmen wir die praktische Ausbildung von He-bammenschülerinnen, um neue Hebammen für unser Haus zu gewinnen. Dazu besteht ein Kooperationsvertrag mit der Hebammenschule in Cottbus."

Beim Thema Vergütung bestätigte das Klinikum, dass Hebammen genauso viel verdienen wie Krankenschwestern. Allerdings beschäftigte man sich nicht erst jetzt sondern regelmäßig im Rahmen der Haustarifvertragsverhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi mit attraktiveren Vergütungen auch für Hebammen.

Der Stadtverwaltung ist der Mangel an frei arbeitenden Hebammen in Frankfurt bekannt. Oliver Fahron, Leiter des städtischen Gesundheitsamtes, sieht darin jedoch ein "politisches Problem", das in erster Linie vom Bund gelöst werden müsse. Die hohen Haftpflichtversicherungsprämien, die Hebammen zu zahlen hätten, "hat die Anzahl an Hebammen seit Jahren stark verringert". Wenn die Stadt ein positives Umfeld für die Ansiedlung von Hebammen anbieten kann, "soll sie das politisch tun". Dies ändere jedoch nichts an dem Versicherungsproblem.

Um die Situation zu entspannen, schlagen die Grünen einen "Sicherstellungszuschlag" für Hebammen vor, die sich in unterversorgten Regionen niederlassen. Außerdem wolle man die Haftpflichtversicherung in ein öffentliches Modell ähnlich der gesetzlichen Unfallversicherung überführen, erklärt Petra Budke.

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