Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Eastern im Netzebander Gutspark

Absoluter Hingucker: Die Masken und die Kostüme für die Rollen bei "Der gute Mensch von Sezuan" sind sehr bunt und detailreich. Die Rolle des Polizisten (rechts, gespielt von Johannes Berger) sorgte schon bei den Proben für viele Lacher.
Absoluter Hingucker: Die Masken und die Kostüme für die Rollen bei "Der gute Mensch von Sezuan" sind sehr bunt und detailreich. Die Rolle des Polizisten (rechts, gespielt von Johannes Berger) sorgte schon bei den Proben für viele Lacher. © Foto: MZV
Markus Kluge / 27.07.2017, 18:42 Uhr
Netzeband (RA) Freunde von Filmen des Regisseurs Quentin Tarantino dürften sich an ab sofort beim Theatersommer Netzeband bestens aufgehoben fühlen. In der Neuinszenierung "Der gute Mensch von Sezuan" von Berthold Brecht spritzt zwar kein Blut, aber es treffen der asiatische Schick, Humor und fantastisch passende Musik aufeinander.

Der diesjährige Sommer hat es mit den Machern von Open-Air-Theater bisher überhaupt nicht gut gemeint. "Wir konnten entweder im strömenden Regen oder gar nicht proben", so Co-Regisseurin Christine Hofer. So gehören zu fast jedem schrillen Kostüm nun auch bunte Gummistiefel, und jede trockene Stunde in dieser Woche wurde noch für den letzten Feinschliff genutzt. Entsprechend aufgeregt waren bei der Probe am Mittwoch nicht nur die Darsteller, sondern auch Hofer selbst, bevor sich der breite weiße Vorhang im Gutspark hinter der Temnitzkirche das erste Mal öffnete.

"Der gute Mensch von Sezuan" ist ein Drama von Berthold Brecht, das die Geschichte der jungen Prostituierten Shen Te, gespielt von Daria Monciu, erzählt. Obwohl sie selbst kein Geld und nur eine kleine Bleibe hat, gewährt sie drei Göttern Obdach. Sie überlassen ihr dafür 1000 Silbertaler. Geld, mit dem Shen Te einen Tabakladen eröffnet und in der Hoffnung damit nicht nur sich selbst, sondern auch anderen Menschen helfen zu können. Ihr unerwarteter Wohlstand ruft allerdings Neid hervor. Nicht einmal ihr neuer Geliebter Yang Sun (Ludwig Tautz) ist ehrlich zu ihr.

Die Geschichte steht stellvertretend für viele Orte auf der Welt, sie kritisiert Kapitalismus und eben die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Obwohl der Stoff auf dem Papier nicht einfach daherkommt, geben ihm die Netzebander Macher des Synchrontheaters eine beschwingte Leichtigkeit. Wie in einem Eastern - das Pendant zu einem Western - wird der asiatische Stil mit auffällig bunten Kostümen überzeichnet. Der Motorroller des Barbiers Shu Fu (Stefan Schreiber) ist goldfarben überzogen worden wie eine Maneki-neko - die Winkekatze, die als japanischer Glücksbringer mit ihrer Pfote wackelt.

Abgerundet wird alles noch durch eine passende Musikauswahl, die von Rock bis Polka reicht. Spätestens wenn Nancy Sinatra mit "Bang, Bang" erklingt, fühlen sich Filmfreunde unweigerlich an Tarantinos Eastern "Kill BillI" erinnert. "Wir wissen aber noch gar nicht genau, ob dieser Song auch wirklich dabei bleibt", sagt Hofer. Die Musikmischung lag in den Händen der Regie-Werkstatt, zu der neben ihr auch Sascha Mey zählt. Und nicht zuletzt durfte jeder Darsteller noch ein Wörtchen mitreden. "Mit den Titeln sollen schließlich die Charaktere der jeweiligen Figuren dargestellt werden", so Hofer.

18 Darsteller, die mit den Masken und den eingesprochenen Stimmen in mehr als 30 Rollen schlüpfen werden, stehen ab heute für knapp einen Monat auf der Netzebander Naturbühne. Hofer hofft, dass der Regen ausbleibt. "Wir würden auch nur im absoluten Notfall in die Temnitzkirche umziehen", sagt sie.

"Der gute Mensch von Sezuan" feiert am heutigen Freitag um 20.30 Uhr Premiere. Weitere Aufführungen sind am 29. Juli sowie im August an jedem Freitag und Sonnabend um 20.30Uhr. Karten gibt es in der Geschäftsstelle des Ruppiner Anzeigers, Karl-Marx-Straße 48, in Neuruppin. Weitere Infos unter www.theatersommer-netzeband.de

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG